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Nigeria : Allein mit dem Terror

  • -Aktualisiert am

Drei Jahre ist es her, dass Professor Bello seine Einschätzung der Lage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber darlegte. Damals waren in Kano gerade mehr als zweihundert Menschen bei einem koordinierten Anschlag von Boko Haram getötet worden. Die Attentäter hatten Polizeiuniformen getragen, und in dem Durcheinander nach den Bombenanschlägen hatte niemand mehr gewusst, wer eigentlich wer war. Bello hatte die Islamisten für eine „interne Angelegenheit“ gehalten, etwas, das seinen Ursprung in der nigerianischen Innenpolitik habe: Korruption, Unzufriedenheit, Laissez-faire, und dem man folglich mit nationalen Lösungen Herr werden könnte.

„Die Sicherheitsdienste tun wirklich ihr Bestes“

An diesem Befund hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Islamisten haben sich geändert. „Boko Haram ist unglaublich schlagkräftig und zu einer echten Bedrohung für die nationale Einheit Nigerias geworden. Für einen Rechtsstaat kommt das einer Bankrotterklärung gleich“, sagt Bello. Von einer Demokratieverdrossenheit im muslimischen Norden will er trotzdem noch nicht reden. Er bevorzugt es, von „Unzulänglichkeiten des demokratischen Personals“ zu sprechen. Das Ergebnis ist freilich das gleiche.

Die rauchige Stimme verrät den Kettenraucher. Maliki Kuliyu Umar, der Justizminister des Bundesstaates Kano, gehört dem Oppositionsbündnis APC an, wie nahezu der gesamte Norden. In einem Punkt aber will der Minister nicht den Stab über Jonathan brechen, auch wenn er sonst kein gutes Haar an ihm lässt. „Die Sicherheitsdienste tun wirklich ihr Bestes“, sagt er. In der Armee mag das mancher anders sehen, weil die versprochenen Prämien für den Fronteinsatz von Vorgesetzten einbehalten werden und die Offiziere dazu übergangen sind, die Gefallenen nicht mehr den Familien zu melden.

Es sind offenbar zu viele. Kuliyu verteidigt die wenig ruhmreiche Rolle der Sicherheitskräfte im Kampf gegen Boko Haram: „Die Armee und die Polizei in Nigeria kommen insgesamt auf eine Million Mann. Bei einer Bevölkerung von 170 Millionen Menschen heißt das: Hier macht jeder, was er will“, sagt der Jurist.

Der letzte Anschlag in der Handelsmetropole Kano liegt drei Monate zurück. Damals sprengten sich insgesamt vier Selbstmordattentäter beim Freitagsgebet auf dem Vorhof der großen Moschee in die Luft, anschließend eröffneten weitere Attentäter das Feuer auf die Flüchtenden. Es war ein Massaker. „Das Schlimmste, was wir danach hätten machen können, wäre gewesen, uns einschüchtern zu lassen“, sagt der Minister. „Darauf zielen diese Killer doch ab.“

Trümmer nach einem Anschlag in der Handelsmetropole Kano im November 2014
Trümmer nach einem Anschlag in der Handelsmetropole Kano im November 2014 : Bild: AP

Politiker bezahlen Schlägerbanden

Das Phänomen Boko Haram seziert der Justizminister in wenigen Worten. „Erstens: Das ist nicht zuletzt eine ethnische Geschichte, weil fast alle Anhänger von Boko Haram zur Ethnie der Kanuri gehören. Zweitens: Die Triebkräfte dieser Sekte sind Ignoranz und Armut. Verbinde beides, und dein Problem ist gelöst.“ Wie das geht, lässt sich seiner Meinung nach trefflich am Beispiel des von der Opposition regierten Bundesstaates Kano ablesen. Dort hat die Regionalregierung freies Essen in den öffentlichen Schulen eingeführt und zahlt die Schuluniformen, was zu einer drastischen Steigerung der Einschulungen geführt hat.

Und sie hat ein Beschäftigungsprogramm für jugendliche Arbeitslose aufgelegt. Diese arbeiten jetzt bei privaten Sicherheitsfirmen beziehungsweise der städtischen Verkehrspolizei. 3500 junge Männer wurden so von der Straße geholt. „Bei uns kann sich jeder als Sieger fühlen“, sagt der Minister, „weil wir uns um unsere Menschen kümmern.“ Womit die Geschichte wieder bei den anstehenden Wahlen und ihren Protagonisten angekommen wäre.

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