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Mehr als 60 Tote in Nigeria : Boko Haram begeht Massaker an Zivilisten

  • Aktualisiert am

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau Bild: AP

Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram sollen bei einem Massaker im nigerianischen Njaba fast 100 Menschen erschossen oder erschlagen haben. Auch aus anderen Orten gibt es neue Schreckensmeldungen.

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          Die Islamistengruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias mehrere Massaker angerichtet. In dem Dorf Njaba im Bundesstaat Borno ermordeten die Extremisten Medienberichten zufolge fast alle Männer. Die Zeitung „Vanguard“ berichtete am Freitag unter Berufung auf einen Sicherheitsbeamten, mindestens 74 Männer und 20 Kinder seien am Dienstag ermordet worden. Anderen Angaben zufolge sollen es 68 Tote sein. Schwer bewaffnete Kämpfer hätten die Stadt „aus allen Richtungen“ gestürmt, berichtete die 62-jährige Einwohnerin Falmata Bisika, die in die Regionalhauptstadt Maiduguri fliehen konnte. „Die Terroristen waren bis an die Zähne bewaffnet.“ Vier ihrer Enkel seien getötet worden, sie werde wohl nie zurückkehren.

          Der 42-jährige Mimuni Haruna sagte, er habe sich während des Angriffs in einem Silo hinter seinem Haus versteckt und sei anschließend nach Maiduguri geflohen. Er habe an der Zählung der Opfer teilgenommen. 68 Menschen seien erschossen oder erschlagen worden, die meisten Häuser des Dorfes seien zerstört worden. Zwei Mitglieder einer örtlichen Bürgerwehr bestätigten die Berichte über den Angriff. Auch Jungen und Mädchen zwischen 13 und 19 Jahren seien ermordet worden. Einer der beiden sagte, der Angriff sei vermutlich aus dem nahegelegenen Gwoza gestartet worden.

          Offenbar hatten sich die Opfer geweigert, sich der Terrorgruppe anzuschließen. Eine offizielle Bestätigung der Behörden für die Angaben gab es aber zunächst nicht. Die Tat soll sich Anwohnern zufolge bereits am Anfang der Woche in dem abgelegenen Gebiet ereignet haben, wurde aber erst jetzt bekannt. Njaba liegt rund 100 Kilometer südlich der Metropole Maiduguri.

          Aus Gwoza berichtete eine Augenzeugin, die Extremisten hätten vor dem Haus eines islamischen Geistlichen eine Gruppe von Männern angegriffen und sie vor den Augen ihrer Ehefrauen getötet. „Die Boko-Haram-Kämpfer brachten Kartons voller neuer Waffen, testeten diese und erschossen die Männer, die sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen mussten“, sagte die Frau, die in den Nachbarstaat Adamawa fliehen konnte.

          Boko Haram tötete mindestens 13.000 Menschen

          Der Senator Ali Ndume bestätigte die Schilderungen. In den vergangenen Tagen seien zahlreiche Kämpfer der Islamistengruppe in Gwoza eingetroffen. „Sie töteten viele männliche Einwohner und vertrieben Frauen und Kinder“, sagte Ndume. Im August hatte der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau in Gwoza ein „islamisches Kalifat“ ausgerufen. Zahlreiche Einwohner flohen seitdem aus der Stadt.

          Der Senator äußerte die Vermutung, dass die Truppenbewegungen der Extremisten dazu dienen, Gwoza gegen eine Offensive der internationalen Militärallianz zu verteidigen, die Nigeria im Kampf gegen Boko Haram unterstützt.

          Die Extremistengruppe kämpft seit dem Jahr 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und tötete dabei bislang mindestens 13.000 Menschen. In jüngster Zeit startete Boko Haram zudem mehrfach Angriffe im Südosten des Niger und in Kamerun. Die beiden Länder und der Tschad entsandten daraufhin Truppen in den Nachbarstaat, um den Vormarsch des Islamisten zu stoppen.

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