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Bleichcremes : Schwarz und Weiß

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Produziert wurden sie in den Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien, der Elfenbeinküste und im Kongo. Erst im September dieses Jahres ließ das Bundesamt für Verbraucherschutz ein ähnliches Produkt verbieten. Wer die „richtigen“ Produkte kaufen will, muss aber gar keinen Laden suchen. Das Internet tut’s auch: Dort kann man Cremes mit bis zu dreißig Prozent Hydrochinon kaufen. Von amerikanischen (beautyofnewyork.com) über italienische Websites (guesso.com) bis hin zu Firmen, die ihren Sitz in der Elfenbeinküste haben (hcosmetiques.com) - überall wird offen mit Produkten geworben, die bis zu 10 Prozent Hydrochinon enthalten.

Im Kleingedruckten hört sich das ganz anders an

Wem das zu wenig ist, bestellt sich auf ioffer.com gleich den Reinstoff. Dort ist ein Pott Hydrochinon für 287 Dollar zu haben. Die Bleichmacher sind ein Riesengeschäft. Um sich dem lukrativen afrikanischen Markt nicht zu verschließen, produzieren viele europäische Firmen doppelt: einmal für den europäischen Markt, einmal für den afrikanischen. Hautfreundlichkeit und natürliche Inhaltsstoffe versprechen sie den einen, den anderen maximales „Weißsein“. Weil auch der Export von nichtzugelassenen Substanzen verboten ist, findet die Produktion im außereuropäischen Ausland statt.

Allein in Italien sind an die fünfzig Firmen registriert, die Bleichcremes produzieren. Eine davon ist die Firma Aquimpex S.p.A. Auf ihrer Website flüstert eine blonde hellhäutige Frau ihrem dunkelhäutigen Gegenpart „das Geheimnis ihrer Schönheit“ ins Ohr. Man produziere hautfreundliche innovative Cremes einer neuen Generation, alles ohne Hydrochinon, steht auf der Homepage. Auf einer Unterseite hört sich das schon ganz anders an. Aquimpex halte sämtliche Rechte an der Marke „Mekako“ - und zwar unter anderem in Benin, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Kongo, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal und Togo.

Dort sind Mekako-Cremes allgegenwärtig, sie beinhalten Hydrochinon und Clobetasol. Diese Cremes werden von H-Cosmetiques in der Elfenbeinküste produziert, die „weichen Weißmacher“ für den hiesigen Markt dagegen in Italien. Auf eine Anfrage der F.A.S. reagierte Aquimpex nicht.

„Black is Beautiful“

Die ivorische Firma H-Cosmetiques produziert den Großteil westafrikanischer Verkaufsschlager - auch im Auftrag europäischer Firmen. So etwa die Produktlinie L’Abidjanaise, benannt nach der ivorischen Nationalhymne. Auch L’Abidjanaise ist in mehrfacher Ausführung zu haben. Optisch nahezu identisch, variieren nur Inhaltsstoffe und Produktionsorte. In Frankfurt am Main steht die europäische Version im Regal - produziert in Italien. In Senegal steht eine andere Variante auf den Verkaufstischen: „L’Abidjanaise“ mit Clobetasol und Hydrochinon.

Produziert von H-Cosmetiques in der Elfenbeinküste für MN-Cosmetics. MN-Cosmetiques ist eine griechische Firma mit Hauptsitz in Athen. Im Hafen von Dakar laufen containerweise Weißmacher-Kosmetika ein. Sie werden hoch verzollt. Verboten ist ihre Einfuhr nicht. Fatimata Ly kämpft dafür, dass sich das ändert. „Diese Cremes dürfen nicht mehr ins Land gelassen werden“, sagt die Ärztin. Dafür müssten sie aber zunächst einmal als Medikamente eingestuft werden.

Unterstützung findet Frau Ly bei einer Gruppe, die sich „Nioul Kukk“ - „Schön Schwarz“ - nennt. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, der Bleichcreme-Werbung die Stirn zu bieten. Sie setzen ein eigenes Plakat neben die „Ganz weiß“-Werbung. Darauf zu sehen ist eine Frau mit dunkler Haut, sie reckt ihr Kinn selbstbewusst nach oben. Darunter steht: „Black is Beautiful“.

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