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Bleichcremes : Schwarz und Weiß

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Auch in Frankfurt am Main. In der Nähe des Hauptbahnhofs gibt es mehrere solcher Produkte zu kaufen. Sie stammen aus Holland, Frankreich, Italien, Deutschland, der Elfenbeinküste und Nigeria. So steht es auf den Verpackungen. Einige enthalten die Aufschrift „ohne Hydrochinon“. Seit 2001 sind Kosmetika mit Hydrochinon in Europa nicht mehr erlaubt. Hydrochinon steht unter begründetem Verdacht, krebserregend zu sein. Als Ersatzstoff wird Arbutin verwendet. Schon Anfang der neunziger Jahre meldeten Unilever und L’Oréal Patente auf die Benutzung von Arbutin als Hautbleichmittel an.

Ziel ist vor allem der asiatische Markt. Der britisch-niederländische Konzern Unilever Hindustan produziert seit 1972 den Verkaufsschlager unter den Bleichcremes: „Fair and lovely“. Das Produkt ist noch im hinterletzten indischen Dorf zu haben und wird erfolgreich über 30 Länder exportiert. Unilever Hindustan benutze weder Hydrochinon noch Quecksilber in ihren Produkten, teilt ein Pressesprecher der F.A.S. mit. Zur Verwendung von Arbutin wollte sich der Konzern auf Nachfrage hin nicht äußern.

Auch Beiersdorf mischt kräftig mit: 2007 brachte der deutsche Konzern ebenfalls in Indien eine Nivea-Bleichcreme für Männer auf den Markt, die schon ein Jahr später mit einem Marktanteil von 35,7 Prozent nach eigener Aussage zur „Nummer eins der Aufheller-Cremes in Indien“ aufstieg. Statt Arbutin verwendet der Konzern eine 95-prozentige Vitamin-C-Konzentration.

Arbutin ist ein Hydrochinon-Klon. Chemiker halten den Unterschied für minimal. Arbutin sei eine Hydrochinon-Glukose-Verbindung. Seine Wirkung entfalte es erst, wenn der Körper das Arbutin in Hydrochinon umgewandelt habe, sagt Hans Lautenschläger, Chemiker und Kopf der Kosmetikfirma Dermaviduals. Wirkung und Nebenwirkungen seien so im Grunde gleich. Gemäß einer Studie des Scientific Committee on Consumer Safety der EU kann Arbutin durch hauteigene Enzyme in Hydrochinon umgewandelt werden; deshalb wird es von dem Verbraucherschutzgremium als bedenklich eingestuft. Aus dem gleichen Grund sprach sich die beratende Kosmetik-Kommission des Bundesamts für Risikobewertung 2008 gegen „alle Hautbleichmittel, die Hydrochinon freisetzen, inklusive Arbutin“ aus.

Das Internet tut’s auch

Das Bundesamt für Risikobewertung hat sich nun dieser Bewertung angeschlossen und die Verwendung von Arbutin in Kosmetika als gesundheitlich bedenklich eingestuft. Ein Grenzwert wurde in Deutschland bisher trotzdem nicht eingeführt. In der Schweiz ist Arbutin verboten. Wirken diese Cremes? „Na ja“, sagt eine Verkäuferin in Frankfurt, „sie wirken langsamer, weil sie niedriger dosiert sind“. Deshalb seien sie auch weniger gefährlich als die hydrochinonhaltigen Produkte, die oft unter der Ladentheke verkauft würden, sagt die Verkäuferin.

Deren Wirkung sei wesentlich stärker. Die Nachfrage danach auch. „Die eine Hälfte der Frauen, die zu uns kommt, hat bereits verbrannte Haut. Die andere Hälfte fragt nach den richtigen, starken Cremes aus Afrika“, sagt sie. So landen immer wieder hochdosierte Hydrochinon-Cremes in europäischen Läden. Die Hersteller sind schwer zu ermitteln, Angaben zu Produktionsorten und Firmen lassen sich häufig nicht nachvollziehen. In Deutschland wurden 2009 nach Stichprobenuntersuchungen mehrere Bleichprodukte vom Markt genommen, die den verbotenen Wirkstoff enthielten.

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