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Beschneidung : Grausame Mutprobe in den Bergen

  • -Aktualisiert am

Holy-Cross-Hospital bietet sterile Beschneidungen an

Das Holy-Cross-Hospital rund zwanzig Kilometer von Flagstaff entfernt ist das einzige Krankenhaus in einem Umkreis von hundert Kilometern. Die kleine Klinik macht einen guten Eindruck: saubere Zimmer, keine Familienangehörigen mit Kochutensilien auf den Fluren, funktionierende Strom- und Wasserversorgung. Allein in der vergangenen Woche haben sie achtzehn schwerverletzte Initiationsschüler aufgenommen, berichtet Klinikchef Anthony Mbewu. Einige Patienten mussten in das Kreiskrankenhaus in Kokstad überwiesen werden. „Wir haben nicht genug Betten für so viele Fälle“, sagt der Klinikleiter. Seine Oberschwester ergänzt: „Es werden jedes Jahr mehr Patienten, einer in einem schlimmeren Zustand als der andere.“ Warum ist das so? „Weil diese Ingcibi keine Ahnung haben, was sie da eigentlich machen“, sagt sie. Die Holy-Cross-Klinik wirbt für medizinisch einwandfreie Beschneidungen, sogenannte „medical male circumcision“, ausgeführt von Ärzten in sterilen Operationssälen. Doch das ist ein aussichtsloses Unterfangen. Mbewu sagt: „Die Jungs wollen in den Busch, für die ist das eine Mutprobe.“

Siyabulela will sich nur weit weg von seiner Siedlung zu einem Gespräch treffen, wo ihn niemand kennt. Zwei Jahre lang hat er seinen Eltern in den Ohren gelegen, Geld für das Ulwaluko-Ritual aufzutreiben, hat getobt und gedroht, auch ohne ihr Einverständnis in die Berge zu gehen. „Ich wollte so sein wie die älteren Jungs, ich wollte dazugehören“, sagt er. Siyabulela ist jetzt achtzehn Jahre alt und braucht zum Urinieren ein Plastikrohr. Es ist die übliche Geschichte: Die Beschneidung wurde mit einem dreckigen Messer ausgeführt, der anschließend angelegte Verband war zu eng, und drei Tage später musste sein Geschlechtsteil amputiert werden. Er ist ein schmächtiger Junge. Keiner, der Hänseleien mit Muskelkraft beenden kann. Außer seinen Eltern weiß deshalb niemand von seiner Amputation. Er könnte sonst nicht mehr in seinem Dorf leben. Siyabulela ist wütend auf die Chiefs, die einfach nur zusehen, wie jedes Jahr in den Bergen junge Männer getötet und verstümmelt werden. Und er klammert sich an jede noch so kleine Hoffnung: Er ist zu einem nigerianischen „Wunderheiler“ gegangen, der ihm versicherte, sein Penis werde nachwachsen, er müsse nur genügend Geld für die entsprechende Medizin auftreiben. Er hat von Prothesen gehört, kann sich aber nicht vorstellen, wie er das bezahlen soll. Also trinkt der Junge, um sich zu betäuben. „Ich bin erledigt – keine Frau, keine Familie, keine Kinder“, stellt er sachlich fest. Dann sagt er: „Manchmal denke ich, es wäre das Einfachste, mich in eine Schlucht zu stürzen.

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