https://www.faz.net/-gq5-865cr

Rede vor Afrikanischer Union : Obama kritisiert afrikanische Staatsführer

Als erster amerikanischer Präsident spricht Barack Obama im Hauptquartier der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Bild: AFP

Vor der Vollversammlung der Afrikanischen Union hat Barack Obama die Welt dazu aufgerufen, die „außerordentliche Entwicklung Afrikas anzuerkennen“. Er wandte sich aber auch mahnend an die afrikanischen Staatsoberhäupter.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba am Dienstag für ein „neues Bild von Afrika“ geworben. Es sei an der Zeit, die „außergewöhnlichen Fortschritte“ auf dem Kontinent zu würdigen und Afrika nicht länger nur als „Hort von Armut und Konflikten“ zu betrachten. Afrika sei nach wie vor die am schnellsten wachsende Region der Welt, sagte Obama.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Gleichzeitig warnte er vor dem „Krebsgeschwür Korruption“, das jede Entwicklung zunichtemache, und vor einer Demokratie, „die nur auf dem Papier“ existierte. Die Versammlungs-, die Meinungs- und Pressefreiheit seien universelle Rechte, die in vielen afrikanischen Verfassungen niedergeschrieben stehen. Diese Rechte würden jedoch vielen Millionen Menschen vorenthalten. „Wenn Journalisten ins Gefängnis geworfen werden und Aktivisten bedroht werden, kann man nicht von einer Demokratie sprechen“, sagte Obama. Der amerikanische Präsident verurteilte zudem den Trend, Verfassungen zu ändern, um Machthabern eine dritte Amtszeit zu ermöglichen, wie das in Burundi, Ruanda und Kongo-Kinshasa gerade geschieht. „Niemand sollte Präsident auf Lebenszeit sein“, sagte Obama.

          Es war die erste Rede eines amerikanischen Präsidenten vor der Afrikanischen Union. Sie war der Schlusspunkt einer fünf Tage dauernden Reise, die Obama zuerst nach Kenia geführt hatte, woher sein Vater stammt, und anschließend nach Äthiopien. Im Mittelpunkt der Gespräche in beiden Ländern standen die Anstrengungen im Kampf gegen den radikalen Islamismus in Somalia. Die AU unterhält dort eine 17.000 Mann starke Eingreiftruppe (Amisom), die von den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union finanziert wird. Die Truppenstärke gilt als nicht ausreichend, um das ganze Land zu befrieden. Die truppenstellenden Nationen, insbesondere Uganda, sind bereit, mehr Soldaten zu verlegen. Eine Aufstockung scheiterte bislang am zusätzlichen Finanzbedarf.

          Zwar versicherte Obama, im Kampf gegen den Terrorismus „eng an der Seite der AU“ zu stehen, eine konkrete Zusage für mehr Geld machte er aber nicht. Stattdessen soll anlässlich einer Vollversammlung der Vereinten Nationen im Herbst eine engere Zusammenarbeit zwischen UN und AU bei Friedensmissionen in Afrika erörtert werden. „Die Welt muss mehr tun“, sagte Obama.

          Der Präsident warb zudem für mehr wirtschaftliche Kooperation zwischen den afrikanischen Staaten und Amerika. Nahezu alle Infrastrukturprojekte auf dem Kontinent werden inzwischen von Chinesen realisiert. Gute wirtschaftlichen Beziehungen seien solche, von denen „beide Seiten profitieren“, sagte Obama – und nicht solche, „bei denen eine Seite Infrastrukturprojekte mit ausländischen Arbeitern errichtet und Rohstoffe abbaut“. China hat Amerika inzwischen als größten Handelspartner Afrikas abgelöst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die drei Männer des Bayern-Abends: Leon Goretza, Kingsley Coman und David Alaba (von links) standen im Mittelpunkt des Spiels.

          3:2 in Augsburg : Ein denkwürdiger Abend für den FC Bayern

          Ein geschichtsträchtiges Eigentor macht den Anfang, danach nimmt der Wahnsinn so richtig seinen Lauf: Der Fußball-Rekordmeister hat es bei den Schwaben lange schwer, auch weil der Gegner überraschend aufmüpfig ist.

          Nationaler Notstand : Donald Trump geht aufs Ganze

          Der amerikanische Präsident umgeht mit der Erklärung des nationalen Notstandes das Haushaltsrecht des Kongresses. Nicht nur die Demokraten sehen die Verfassung in Gefahr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.