https://www.faz.net/-gq5-7glrw

Ausnahmezustand in Äygpten : Militärische Lösung

Brennende Barrikaden in Kairo Bild: dpa

Ägyptens Machthaber haben mit der gewaltsamen Räumung der beiden Protestlager der Mursi-Anhänger den Tod hunderter Bürger in Kauf genommen. Die militärische Lösung ist blutig, eine politische Lösung jedoch in weiter Ferne.

          1 Min.

          Ägyptens Machthaber haben sich für die militärische Lösung entschieden. Sie ließen die beiden Protestlager der Anhänger des gestürzten Präsidenten Muhammad Mursi mit Gewalt räumen und nahmen dabei den Tod hunderter Bürger in Kauf.

          Für die militärische Option hatten sie sich entschlossen, nachdem die überwiegend islamistische Opposition in den Tagen zuvor ihren Druck erhöht hatte - mit Aufmärschen vor sieben Ministerien und mit dem Aufruf zu zivilem Ungehorsam. Die Räumung der Lager hebt den Konflikt auf eine neue Ebene. Denn die Muslimbruderschaft mobilisiert nun landesweit ihre Anhänger zu Millionen, um gegen das Militär und die Übergangsregierung von dessen Gnaden zu protestieren. „Die Straße“ wird so schnell nicht mehr zur Ruhe kommen.

          Die Anhänger der Muslimbrüder wissen nur zu gut, dass sie für lange Zeit keine politische Rolle mehr spielen werden, sollte sich die mit dem Putsch vom 3. Juli geschaffene Ordnung festigen. Viele sind daher bereit, als Märtyrer zu sterben. Mit jedem Opfer werden sie sich mehr im Recht fühlen.

          Die militärische Lösung ist blutig, eine politische Lösung ist jedoch in weiter Ferne. Ausgeschöpft ist der Spielraum der internationalen Vermittler; alle reisten unverrichteter Dinge ab. Ohne Bewegung zwischen den beiden sich unversöhnlich gegenüber stehenden Lagern drohen Ägypten anhaltende Instabilität und eine lange Periode der Unsicherheit. Stabilität ist jedoch die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Entwicklung.

          Konflikt statt Konsens

          Auf dem Spiel steht vor allem der Zusammenhalt der ägyptischen Gesellschaft. Ägypter waren, aller ideologischen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz, immer stolz darauf, dem selben Volk anzugehören.

          Die Spannungen der jüngeren Vergangenheit haben aber einen Keil in diese Gesellschaft getrieben.

          Die drei wichtigsten Institutionen, die in der Vergangenheit für den Zusammenhalt des Landes standen und sich aus der Politik herausgehalten hatten, ergriffen Partei für den Putsch: das Militär, die islamische Universität Al Azhar und die koptische Kirche. Sie waren die Klammern der Gesellschaft, niemand stellte ihre Integrität in Zweifel.

          Die Anhänger Mursis bestreiten nun diese Integrität und sehen die Institutionen als politische Feinde. Ägypten ist der Boden für einen Konsens weggebrochen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.