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Krise in Zimbabwe : Aufstand der Hungernden

  • -Aktualisiert am

In Zimbabwe herrscht Hungersnot. Ein Generalstreik legt das Land für drei Tage lahm. Bild: dpa

In Zimbabwe mobilisiert ein Pastor das Land zum Generalstreik gegen Mugabe. Eigentlich war der Auslöser banal. Wenig später wird er festgenommen.

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          Es war eine Kraftprobe, wie man sie so in Zimbabwe noch nicht gesehen hat: Drei Tage stand das Land in der vergangenen Woche still, weil ein Pastor zu einem Generalstreik aufgerufen hatte. Evan Mawarire ist der neue Star der zimbabwischen Protestbewegung.

          Seine Waffen sind eine Kamera, ein Internetanschluss und ein Facebook-Account. Seit Mai dieses Jahres berichtet der Mitvierziger, der stets mit einer zimbabwischen Fahne um den Hals auftritt, im Internet von seinen Nöten in einem Land, in dem 90 Prozent der Bevölkerung keiner geregelten Arbeit nachgehen. Die Zahl seiner Anhänger geht in die Hunderttausende.

          Dabei war der Auslöser für den Generalstreik eher banal: Die Regierung hatte den Beamten seit Juni keine Gehälter mehr bezahlt. Ausgerechnet die Beamten, die in den Augen der Bevölkerung zu den treuesten Wählern von Präsident Robert Mugabes Partei Zanu-PF zählen.

          Mit der zimbabwischen Wirtschaft geht es bergab

          Pastor Mawarire nutzte die Vorurteile gegen die Staatsdiener für seine Kritik an der Regierung: Wenn schon die Privilegierten Hunger leiden müssten, sei es wirklich Zeit für einen Neuanfang. Seine Botschaft verbreitete sich in Windeseile. Von den Taxifahrern bis zu den Universitätsprofessoren schlossen sich nahezu alle Berufsgruppen dieser machtvollen Demonstration an.

          Seit Mugabe vor 16 Jahren mit der Enteignung von weißem Farmland begonnen hat, geht es mit der zimbabwischen Wirtschaft bergab. Zimbabwe hat eine Hyperinflation erlebt, bei der sich die Nullen der Landeswährung Zim-Dollar im Wochenrhythmus vermehrten, bis das Geld weniger wert war als das Papier, auf dem es gedruckt war. Die Menschen in der ehemaligen „Kornkammer Afrikas“ haben Hungersnöte durchlebt und eine verheerende Cholera-Epidemie.

          Seit der Zulassung des amerikanischen Dollars und insbesondere des südafrikanischen Rands als Zahlungsmittel sind die Regale in den Supermärkten von Harare und Bulawayo zwar wieder gefüllt, doch mehr Beschäftigung gibt es deshalb nicht. Lediglich zehn Prozent der zimbabwischen Bevölkerung haben eine feste Anstellung.

          Mugabe sieht die Schuld nicht bei sich

          Das Land lebt von den Auslandsüberweisungen der geschätzt zweieinhalb Millionen Zimbabwer, die nach Südafrika geflohen sind. Seit aber der Rand dramatisch an Wert verloren hat, zeigt in Zimbabwe wieder der Hunger seine hässliche Fratze.

          Der 92 Jahre alte Mugabe gab wie gewohnt dem Westen die Schuld für die Gehaltsausfälle. Die Sanktionen des Westens seien verantwortlich dafür, dass Zimbabwe seine Beamten nicht mehr bezahlen könne, wetterte Mugabe am vergangenen Freitag. Dabei hat es nie Wirtschaftssanktionen gegen Zimbabwe gegeben, sondern nur Sanktionen gegen einzelne Personen, von denen zumindest die Europäische Union die meisten inzwischen wieder aufgehoben hat.

          Der wahre Grund für die jüngste Krise ist ein anderer: Sie nahm Mitte Juni in einem teuren Hotel in der sambischen Hauptstadt Lusaka ihren Anfang. Dort hatten sich Vertreter von Weltbank, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Afrikanischer Entwicklungsbank mit dem zimbabwischen Finanzminister Patrick Chinamasa getroffen, um letzte Hand an eine Vereinbarung zu legen, die Zimbabwe abermals den Zugang zum internationalen Finanzmarkt ermöglichen soll.

          Importverbot der Grundnahrungsmittel

          Chinamasa wurde klargemacht, dass die Gewährung eines neuen Kredits über eine Milliarde Dollar davon abhänge, ob Zimbabwe seine Altschulden in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar begleiche. Und zwar sofort. Chinamasa willigte ein und skizzierte einen Plan, wie er das Geld aufzutreiben gedenkt: indem er den Beamten die Gehälter nur noch in Tranchen, verteilt über den ganzen Monat, zahlt.

          Zurück in Harare wurde dem Finanzminister allerdings klar, dass er zur Tilgung der 1,8 Milliarden Dollar buchstäblich jeden Dollar und jeden Rand benötigte, der in der Kasse war. Chinamasa und der Chef der Zentralbank beschlossen daraufhin, die Gehälter komplett einzubehalten.

          Weil das immer noch nicht reichen wird, verhängte Zimbabwe ein Importverbot für ausgesuchte südafrikanische Produkte, die theoretisch auch im Zimbabwe hergestellt werden können, nämlich Palmöl und Maisbrei. Das sind die beiden Grundnahrungsmittel im südlichen Afrika.

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