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Anschlag von Tunis : Das Krebsgeschwür Terror

Der islamistische Terror hat Tunis erreicht, die Hauptstadt der einzigen funktionierenden Demokratie in der arabischen Welt. Die ganze Region steht vor einer gewaltigen Herausforderung.

          Was lange nur befürchtet wurde, wird Wirklichkeit: Der islamistische Terror schwappt von Syrien und vom Irak auf andere Länder über. In Europa war Anfang Januar Paris das Ziel, in Nordafrika war es jetzt Tunis, die Hauptstadt der einzigen funktionierenden Demokratie in der arabischen Welt. Auch dieses Mal haben sich die Terroristen ihre Ziele mit Bedacht ausgesucht: Erst stürmten sie das Parlament und somit die Kerninstitution der Demokratie, die ihnen verhasst ist; dann gingen sie gegen das Nationalmuseum vor, das zu den schönsten seiner Art um das Mittelmeer zählt, und zeigten damit abermals ihre Verachtung für Geschichte und Kultur – wie zuletzt in Ninive, Mossul und anderen Orten des Iraks.

          Offenbar wird, dass diese mordenden Extremisten vor allem eines anstreben: Sie wollen die Zivilisation zerstören. So drohte einer ihrer Führer, Tunesien werde erst zur Ruhe kommen, wenn der Islam – womit er natürlich „seine“ Version des Islams meint – über das Land herrsche.

          Diesem Terror hat der tunesische Präsident Essebsi in klaren Worten den Krieg erklärt, und er weiß die Welt an seiner Seite. Eigentlich wollte Essebsi vor allem Arbeitsplätze schaffen und die neuen Freiheiten sichern. Nun haben sich die Prioritäten verschoben, und es ist zu wünschen, dass die politische Klasse das nicht als Aufforderung versteht, einen Rückfall in autoritäre Verhaltensweisen einzuleiten. Es stimmt hoffnungsvoll, dass die tunesische Gesellschaft zuletzt Reife gezeigt und jedweden Extremismus zurückgewiesen hat.

          Nicht allein Tunesien, die ganze Region steht vor der gewaltigen Herausforderung, den Terror zu bekämpfen und zu besiegen, der vom „Islamischen Staat“ (IS) befeuert wird. Bereits fest im Griff hat dieser Terror das Nachbarland Libyen, das immer mehr zerfällt. Von dort greift er nach Ägypten, wo Terroristen, die sich zum IS bekennen, Polizisten und Soldaten angreifen. In Tunesien haben sie sich sicher genug gefühlt, aus den Bergen hinabzusteigen, wo sie sich Gefechte mit der Armee geliefert hatten, um mitten in der Hauptstadt zuzuschlagen. Zum Anschlag hat sich der IS bekannt, die Identität der Attentäter ist aber nicht von Belang. Denn die Terroristen des IS und der Al Qaida konkurrieren immer weniger miteinander, sondern verschmelzen, zumindest in Nordafrika – was die Gefahr, die von ihnen ausgeht, nur weiter erhöht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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