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Anschlag in Tunesien : Tödliche Attacke aus dem Nichts

Tunesische Sicherheitskräfte am Freitag nach dem Anschlag in Port El Kantaoui. Bild: dpa

Gerade hatte sich Tunesien von den Folgen des Anschlags auf das Nationalmuseum erholt. Da schlagen die Terroristen wieder zu. Die Folgen für die wichtige Tourismusbranche sind katastrophal.

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          Die Angreifer müssen wie aus dem Nichts gekommen sein. Nach Angaben der Augenzeugen, die in der tunesischen Presse über den Terroranschlag berichteten, drangen die Männer vom Strand aus auf das Hotelgelände vor. Einer von ihnen holte plötzlich aus einem zusammengefalteten Sonnenschirm ein Sturmgewehr hervor und eröffnete das Feuer. Die Bilder, die am Mittag im Internet kursierten, zeigten ermordete Urlauber in Badehose. Auf einem der Fotos soll auch ein von den Sicherheitskräften erschossener Terrorist zu sehen sein; der junge Mann trägt schwarze kurze Hosen und ein schwarzes T-Shirt.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Mindestens 37 Menschen wurden nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums vom Freitag in der Touristenregion Port El Kantaoui nahe der Stadt Sousse an der Mittelmeerküste getötet. Zunächst war von 28 Toten die Rede. Viele waren offenbar Feriengäste, einige von ihnen kamen aus Deutschland, wie das tunesische Gesundheitsministerium am späten Nachmittag mitteilte. Das Hotel, das am Tatort liegt, wird auch über deutsche Reiseanbieter gebucht. Die deutsche Botschaft hat ein Team zum Anschlagsort geschickt. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein.

          Der Terroranschlag auf ausländische Touristen trifft eine der wichtigsten Einkommensquellen Tunesiens. Erst im März hatten radikale Islamisten das Nationalmuseum in Tunis gestürmt und 22 Menschen ermordet, die meisten von ihnen ausländische Touristen. Seitdem hatte sich das Geschäft gerade wieder etwas erholt, das in den unruhigen Jahren nach dem Sturz des Diktators Ben-Ali arg gelitten hatte. Ob Regierungspolitiker, Fremdenführer oder Taxifahrer – alle sagten damals, der Angriff auf das Museum sei ein Schlag gewesen, der Tunesien mitten ins Herz getroffen habe.

          Der Schock saß damals auch in den Küstenorten tief. Viele Menschen dort äußerten große Sorge, dass sich die wirtschaftliche Misere noch verschlimmern werde. Jetzt wurde ihr Ort zum Schauplatz des Terrors. Er war schon zuvor gezeichnet vom Fernbleiben der zahlungskräftigen Urlauber aus dem Westen. Als eine Art „Nizza Tunesiens“ sah sich der Küstenort Port El Kantoaoui gern, doch die verwitterten Fassaden zeugten davon, dass er schon bessere Zeiten erlebt hat. In den Hotels stiegen überwiegend Tunesier, Algerier oder Libyer ab, sagte damals eine Frau in einem Kiosk. „Es wird immer schlechter“, hatte sie zum Abschied noch gerufen.

          Bild: dpa

          Seit Freitagnachmittag bieten die Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook ihren Kunden an, von ihren Reisen nach Tunesien zurückzutreten. Ein Urlaubsflieger kehrte bereits in der Luft um. Ein TUI-Unternehmenssprecher wollte allerdings zunächst nicht bestätigen, dass es sich bei dem Hotel um das konzerneigene „Imperial Marhaba“ handelt. Die Attacke habe am Strand vor dem Hotel stattgefunden, sagte er.

          Es wäre für die tunesische Führung um Präsident Béji Caïd Essebsi, ein herber Schlag, wenn die Besuchzahlen weiter zurückgingen. Seine Regierung, die seit Herbst 2014 im Amt ist, ist mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert, die Wirtschaft liegt am Boden. Das wiederum bedroht die Stabilität des Landes. Denn die Stimmung war schon vor dem jüngsten Anschlag nicht besonders gut.

          Sousse : Dutzende Tote bei Anschlag auf Strandhotel in Tunesien

          Schon nach dem Angriff auf das Nationalmuseum hatte die Wut vieler einfacher Leute nicht nur den Terroristen gegolten, sondern auch der Polizei, von der es hieß, sie sei wieder so korrupt, faul und unverschämt wie zu Zeiten Ben Alis. Essebsi hat die innere Sicherheit und den Kampf gegen den Terrorismus zur wichtigsten Aufgabe der neuen Führung erklärt, und hatte sich im Wahlkampf als starker Mann inszeniert, der das Land wieder in ruhiges Fahrwasser steuern werde. Doch obwohl die Regierung gegen radikale Islamisten vorgeht – so hart, dass Demokratieaktivisten schon um die neuen Freiheiten fürchten und sich sorgen, dass das alte Sicherheitsestablishment wieder Oberwasser bekommt – , gelingt es den Dschihadisten immer wieder, Anschläge zu verüben.

          Essebsi und seine Mannschaft geben nicht zuletzt dem Staatszerfall im Nachbarland Libyen die Schuld an den Sicherheitsproblemen im eigenen Land. Die tunesischen Sicherheitskräfte haben große Schwierigkeiten, die Grenze zu kontrollieren und den Waffenschmuggel und das Schleusen von Dschihadisten zu unterbinden. Radikale Salafisten hatten die unruhigen Jahre nach dem Fall des Ben-Ali-Regimes genutzt, um ihre Ideologie zu verbreiten. Die von der islamistischen Partei Ennahda geführte Vorgängerregierung war den Umtrieben der Salafisten nur halbherzig entgegengetreten. Aber das Problem ist noch lange nicht gelöst.

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