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+++ Bagdad Briefing +++ : „Eindämmen, bekämpfen und eliminieren“

  • -Aktualisiert am

Ein ägyptischer Polizist nach dem Anschlag in einer Bahnstation in Kairo Bild: dpa

Immer mehr Anschläge erschüttern Ägypten. Die Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis hat dem „Islamischen Staat“ die Treue geschworen. Wie regieren die ägyptischen Sicherheitskräfte?

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          Die Serie an Anschlägen in Ägypten reißt nicht ab. 16 Menschen wurden verletzt, als am Donnerstag mitten während des Berufsverkehrs eine Bombe in einem dicht besetzten Nahverkehrszug in Kairo explodierte. Erst tags zuvor hatte der Angriff auf ein Schiff der ägyptischen Marine im Mittelmeer die Militärführung in Kairo schockiert: Dass die stetig wachsende Dschihadistenszene zu einem solchen Schlag fähig ist, hatten die Generäle nicht für möglich gehalten.

          In den 16 Monate seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi durch den damaligen Armeechef Abd al Fattah al Sisi ist die Sicherheitslage beständig schlechter geworden. Auf der Sinai-Halbinsel haben extremistische Sunnitengruppen seit Juli 2013 mehr als 500 Soldaten und Polizisten getötet. Aber auch in Kairo und anderen Großstädten kommt es immer regelmäßiger zu Anschlägen. Beweise für Verbindungen zwischen Mursis Muslimbruderschaft und der größten ägyptischen Terrororganisation, Ansar Beit al Maqdis (Helfer Jerusalems), hat das Sisi-Regime bislang jedoch nicht vorgelegt.

          Anfang der Woche hatte die Gruppe dem „Islamischen Staat“ Abu Bakr al Bagdadis die Treue geschworen - ein Schritt, den Terrorismusfachleute als Beleg für die gestärkte Führungsrolle des selbst ernannten Kalifen innerhalb der dschihadistischen Internationale betrachten. Bereits im September hatten die „Soldaten des Kalifats im Land Algerien“ Bagdadi ihre Gefolgschaft bekundet. Die Abspaltung von Al Qaida im Islamischen Maghreb (Aqaim) zeuge davon, dass die Al-Qaida-Spitze um Ayman al Zawahiri an Einfluss verliere.

          Kenner des ägyptischen Militärs widersprechen jedoch dieser Lesart. „Was wir zurzeit verfolgen können, ist eine Medien-Show, die darauf abzielt, temporär Unterstützung für bestimmte Gruppen zu erreichen”, sagte General Mahmud Zaher der Tageszeitung „Al Quds al Arabi“. Angesichts des Feldzuges der ägyptischen Armee gegen Ansar Beit al Maqdis ziele die auf der Sinai-Halbinsel in Bedrängnis geratene Gruppe vor allem darauf ab, sich äußerer Unterstützung zu vergewissern. Diese Phase aber werde bald enden. „Danach ist alles so wie vorher”, so Zaher.

          Auch General Abdul Rafeh Darwich bezweifelt, dass die angekündigte Allianz zwischen „Islamischem Saat“ und den „Helfern Jerusalems“ das Vorgehen des ägyptischen Sicherheitsapparats entscheidend verändern werden. Wie seit dem Sturz Husni Mubaraks im Februar 2011, als der Aufstieg extremistischer Gruppen auf der Sinai-Halbinsel begann, gehe es für das Innenministerium und die Armeeführung weiter darum, die Dschihadisten „einzudämmen, zu bekämpfen und zu eliminieren“.

          Das freilich scheint Militärmachthaber Sisi immer weniger zu gelingen. Seit dem Doppelanschlag auf der Sinai-Halbinsel vor zwei Wochen mit mehr als dreißig toten Soldaten haben die Angriffe nicht ab-, sondern zugenommen. Daran ändern konnte bislang auch die Ausweitung der Befugnisse der Militärjustiz nichts, die von westlichen Diplomaten in Kairo als weiterer Schritt zurück in die Diktatur gewertet wird.

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