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Angriff in Nairobi : Shebab-Miliz bekennt sich zu Überfall auf Einkaufszentrum

  • Aktualisiert am

Sicherheitskräfte haben die Westgate Mall umstellt. Bild: AP

Maskierte Angreifer haben in Nairobi ein Einkaufszentrum gestürmt und mindestens 39 Menschen erschossen. Die somalische Shebab-Miliz bezichtigte sich des Anschlags. Es ist der schwerste Anschlag in Kenia seit der Sprengung der amerikanischen Botschaft im Jahr 1998.

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          Bei einem Angriff islamischer Extremisten auf ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi sind am Samstag mindestens 39 Menschen getötet und 150 verletzt worden. Das sagte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta am Samstagabend. 18 maskierte Täter waren Samstagmittag in das exklusive Westgate-Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt eingedrungen und hatten um sich geschossen.

          Zu dem Angriff bekannten sich am Abend die islamistischen Al-Shabaab-Milizen aus dem Nachbarland Somalia. „Was die Kenianer im Westgate-(Einkaufszentrum) erleben, ist ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihre Armee verübt hat“, teilte die Miliz nach dem Angriff im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Hinweise, dass Deutsche betroffen sein könnten.

          „Es ist an der Zeit, den Krieg in ihr Land zu bringen“

          Kenia ist seit geraumer Zeit Zielscheibe terroristischer Anschläge somalischen Islamisten. 2011 waren kenianische Truppen in das Nachbarland einmarschiert, um die Al-Shabaab-Milizen zu bekämpfen. „Lange Zeit haben wir Krieg gegen die Kenianer in unserem Land geführt, jetzt ist es an der Zeit, das Schlachtfeld zu ändern und den Krieg in ihr Land zu bringen“, hieß es in einem weiteren Tweet der Milizen.

          Mit einem massiven Aufgebot ging die Polizei vor dem Einkaufszentrum in Stellung Bilderstrecke

          Die kenianische Regierung bezifferte die Zahl der Toten am Abend noch mit elf. Der für innere Sicherheit zuständige Staatssekretär Mutea Iringo sagte, Sicherheitskräfte hätten sich Zugang zum Gebäude verschafft und seien auf der Suche nach den Kriminellen. „Die Regierung wird in diesem Krieg nicht nachgeben“, sagte er. Die Sicherheitsmaßnahmen seien auch in anderen Einkaufszentren Nairobis verstärkt worden. Ein Augenzeuge in Nairobi sagte der Deutschen Presseagentur dpa: „Sie warfen eine Granate. Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen.“ Er ergänzte: „Ein Täter von ihnen schrie: „Heute werdet ihr das wahre Gesicht von Al-Shabaab kennenlernen“.“ „Die Polizei versucht weiter, Menschen aus dem Gebäude zu bekommen“, sagte Gullet vom Roten Kreuz. Eine Supermarktkette, die in dem Gebäude eine Filiale betreibt, bestätigte, dass einige Kunden als Geiseln genommen worden seien.

          Beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer

          Schon seit langem warnen Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Einkaufszentren in Kenia. Auch im Westgate werden alle Fahrzeuge vor der Fahrt aufs Parkdeck oder in die Tiefgarage kontrolliert, an den Eingängen werden die Besucher in der Regel mit Metalldetektoren untersucht. Das Westgate-Einkaufszentrum im Stadtteil Westlands wurde 2007 eröffnet. Es beherbergt nach Angaben der Betreiber mehr als 80 Geschäfte, ein Kino mit mehreren Sälen sowie ein Kasino. Auf der Internet-Homepage beschreibt es sich als „ruhigen und sicheren“ Ort.

          Das Zentrum ist ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und im Land lebende Ausländer. Vor allen an Wochenenden ist es gut besucht. Die Kriminalität ist eines der Hauptprobleme Nairobis. Das Auswärtige Amt warnt etwa vor Raubüberfällen. Bestimmte Gegenden der Metropole sollten auch bei Tag gemieden werden. Zu den größten Missständen zählen die grassierende Armut und die schlechte Lebenssituation vieler Hauptstädter. Über 60 Prozent der mehr als 3,5 Millionen Einwohner leben in Slums.

          Der somalische Präsident Hassan Sheik Mohamud sprach der kenianischen Regierung nach dem Anschlag sein Mitgefühl aus. „Wir in Somalia kennen den menschlichen Preis solcher Gewalt nur zu gut“, schrieb er in einer am Samstag in Mogadischu veröffentlichten Stellungnahme. „Diese herzlosen Taten gegen hilflose Zivilisten dürfen nicht hingenommen werden“. Somalia stehe „Schulter an Schulter“ mit dem Nachbarland Kenia, versicherte er.

          Die Vereinigten Staaten verurteilten den blutigen Überfall am Samstag als „sinnlosen Akt der Gewalt“. Marie Harf, die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, sagte am Samstag in Washington, es gebe Berichte über amerikanische Bürger unter den Dutzenden Verletzten. Die Botschaft in Nairobi bemühe sich um Unterstützung. „Unser Mitgefühl gilt den Familien und Freunden aller Opfer“, sagte Harf. Die amerikanischen Behörden verfolgten die aktuelle Lage in dem ostafrikanischen Land genau.

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