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Bürgerkrieg in Afrika : Amnesty wirft Sudan systematischen Einsatz von Chemiewaffen vor

  • -Aktualisiert am

Sudanesischen Regierungstruppen wird vorgeworfen, Dörfer zu zerstören und Massaker an der Zivilbevölkerung zu begehen (Archiv). Bild: AP

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat offenbar erstmals Kriegsverbrechen der sudanesischen Regierung gegen die Zivilbevölkerung nachgewiesen. Hunderte Menschen sollen durch Giftgangriffe getötet worden sein.

          Die Regierung des Sudan setzt laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gezielt Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung ein. Die Machthaber in Khartum, der Hauptstadt des nordostafrikanischen Landes, hätten chemische Waffen gegen Zivilbevölkerung in der westsudanesischen Region Dafur eingesetzt, heißt es. Die Angriffe seien Teil eines großangelegten Kampfeinsatzes der Regierung.

          Die Organisation dokumentiert in ihrem Bericht systematische Verstöße gegen das internationale Menschenrecht und bezeichnet die Giftgaseinsätze als Kriegsverbrechen. Der Einsatz chemischer Waffen sei eine neue Dimension der Gewalt und nun erstmals dokumentiert, sagte die Afrika-Referentin von Amnesty International, Franziska Ulm-Düsterhöft, gegenüber FAZ.NET.

          Blindheit, Hautausschläge und blutige Atemwegsverätzungen

          Die Giftgasangriffe fanden laut Amnesty in den vergangenen acht Monaten in der Gebirgsregion Jebel Marra in Dafur statt. Bis zu 250 Zivilisten wurden demzufolge bei insgesamt 30 Luftangriffen mit chemischen Waffen getötet. Überlebende litten an Blindheit, Hautausschlägen und blutigen Atemwegsverätzungen. Die medizinische Versorgung sei zudem schlecht, heißt es. Oftmals bestehe Erste Hilfe nur aus einer Tinktur aus Salz, Zitrone und Kräutern.

          Weil internationale Organisationen wie Amnesty nicht in den Sudan gelassen werden, stützt sich der Bericht auf Zeugenaussagen und Bilder. Nach Einschätzungen der Experten, die die Bilder analysierten, könnte es sich bei den eingesetzten Waffen um die chemischen Kampfstoffe Senfgas, Lewisit oder Stickstofflost handeln.

          Anhand von Satellitenbildern geht Amnesty von einer starken Beschädigung oder sogar komplette Zerstörung von insgesamt 171 Dörfern aus. Die Regierung geht nicht nur mit der nationalen Armee gegen die Rebellen in Dafur vor, sondern setzt auch sogenannte schnelle Unterstützungstruppen („Rapid Rebel Forces“) ein. Diesen werden immer wieder schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. So sollen sie etwa Dörfer plündern und zerstören und Massaker an der Zivilbevölkerung begehen.

          Jebel Marra ist der Ausgangspunkt einer Rebellenbewegung, die von der Zentralregierung mehr Mitspracherecht auf nationaler Ebene fordert. Der bewaffnete Konflikt hält bereits seit dreizehn Jahre an. Seit 2003 sind schätzungsweise mehr als 300 000 Menschen infolge von Bombenangriffen ums Leben gekommen. Schon vor 2003 kam es zu ethnischen Spannungen in dem westsudanesischen Gebiet. In den 90er Jahren setzte die Zentralregierung nicht gewählte Gouverneure ein, um Macht über das fruchtbarste Gebiet des Landes zu gewinnen.

          Vergewaltigungen als Kriegswaffe

          Der Krieg wird dabei zu großen Teilen auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen. Amnesty International spricht von schätzungsweise 2,5 Millionen Binnenflüchtlingen. Die meisten würden innerhalb Dafurs fliehen, da sich eine Flucht oftmals als sehr schwierig gestalte, weil die Regierung gezielt Flüchtlinge angreife und diese keinen Zugang zu Nahrung hätten.

          Menschenrechtsverbrechen würden zwar von allen Konfliktparteien begangen werden, doch die Regierung betreibe eine regelrechte Politik der verbannten Erde, sagt Amnesty International-Referentin Ulm-Düsterhöft. So würden beispielsweise Vergewaltigungen auch von Rebellen verübt, aber seitens der Regierung als Kriegswaffe eingesetzt.

          Beschränktes Waffenembargo

          Die Zentralregierung im weiter östlich gelegenen Khartum verhandele seit Jahren im sogenannten Doha-Friedensprozess mit den Rebellen. Bei diesen sei jedoch das Problem, so Ulm-Düsterhöft, dass die Rebellen zutiefst gespalten sind und einige von ihnen auf Angebote der Regierung eingegangen sind, um in Machtpositionen zu gelangen. Daraufhin würden sich wieder neue Rebellengruppen bilden.

          Amnesty International fordert bereits seit einigen Jahren ein Waffenembargo für den gesamten Sudan. Denn auch auf Seiten der sudanesischen Regierung gäbe es zahlreiche Waffen - vor allem aus Russland und China.

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