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Al Shabaab in Kenia : Angriff mit Ansage

  • -Aktualisiert am

Mütter, Ehefrauen, Schwestern der Getöteten am Tag nach dem Massaker im kenianischen Garissa Bild: dpa

Amerika und Großbritannien hatten vor Attentaten der al Shabaab-Terroristen gewarnt. Doch niemand kümmerte sich darum. Am Donnerstag stürmten vier Kämpfer den Uni-Campus in Garissa. Ihr Anschlag galt den Christen unter den Studierenden.

          Es war das bislang blutigste Attentat der Shabaab-Miliz: 147 Menschen, die meisten von ihnen Studenten, wurden getötet, als vier bis fünf Attentäter der somalischen Islamisten am Donnerstagmorgen den Campus der Universität von Garissa im Nordosten Kenias stürmten. Nach Schilderungen von Überlebenden gingen die Angreifer dabei von Raum zu Raum und erkundigten sich nach der Konfession. Wer sich als Christ zu erkennen gab, wurde sofort erschossen. Das Blutbad endete erst in der Nacht zum Freitag, als Sondereinsatzkräfte der kenianischen Armee das Gebäude stürmten, in dem sich die Extremisten mit einer unbekannten Anzahl an Geiseln verschanzt hatten. Die Attentäter sollen dabei im letzten Moment ihre Sprengstoffwesten gezündet haben, wodurch weitere Geiseln umkamen und zahlreiche Soldaten verletzt wurden.

          Für Kenia ist dies nach dem Blutbad von 2013, als ein Al-Shabaab-Kommando das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi besetzte und 67 Menschen tötete, der zweite große Anschlag in der jüngsten Vergangenheit. Nur die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 forderten mit insgesamt 213 Menschenleben mehr Opfer. Zu dem Doppelanschlag damals bekannte sich Al Qaida. Etliche der Drahtzieher wurden später von der somalischen Armee oder durch amerikanische Drohnenangriffe in Somalia getötet. Al Shabaab gilt neben der Al-Qaida-Filiale im Jemen inzwischen längst als der gefährlichste Ableger des Terrornetzes.

          Kopfgeld auf Mohamed Kuno ausgesetzt

          Sheik Ali Mohamud Rage, der „Sprecher“ von Al Shabaab, verkündete am Donnerstag, seine Organisation stecke hinter dem Massaker von Garissa, und er rühmte die Angreifer dafür, die Muslime unter den Studenten unversehrt gelassen zu haben. Als Grund für den Angriff nannte er „den Krieg mit Kenia“. Die kenianische Armee hatte sich im Oktober 2011 nach langem Zögern militärisch in Somalia engagiert und stellt seither Soldaten für die Eingreiftruppe der Afrikanischen Union (AU), Amisom. Der Grund für das Zögern in Nairobi war die Sorge, Attentäter könnten sich in der großen Gruppe somaliastämmiger Kenianer verbergen. Die Bevölkerung nahezu des gesamten Ostens des gesamten Nordosten des Landes hat somalische Wurzeln.

          Kontrollen am Eingang zu Campus am Freitag in Garissa

          Die kenianische Regierung lobte noch am Donnerstag eine Belohnung von umgerechnet rund 200.000 Euro für die Ergreifung eines Mannes namens Mohamed Kuno aus, den sie als Hintermann des Anschlags ausgemacht hat. Kuno ist ein Kenianer somalischen Ursprungs, der bis 2007 in Garissa eine Islamschule leitete, bevor er sich nach Somalia absetzte. Er soll auch für den Anschlag von Mandera verantwortlich sein, bei dem im vergangenen Jahr 70 Personen, überwiegend Lehrer, bei einem Überfall auf ihren Bus erschossen worden waren. Mandera liegt wie Garissa im Nordosten Kenias unweit der somalischen Grenze.

          Warnungen wurden ignoriert

          Erst vor fünf Tagen hatten sowohl das amerikanische als auch das britische Außenministerium vor bevorstehenden Angriffen durch Al Shabaab gewarnt. Allerdings bezog sich zumindest die amerikanische Warnung auf Uganda, den mit Abstand größten Truppensteller von Amisom. In der ugandischen Hauptstadt Kampala, waren im Sommer 2010 mehr als 70 Menschen getötet worden, als Terroristen der somalischen Terrormiliz Sprengsätze in zwei Restaurants gezündet hatten.

          Auch für Garissa gab es offenbar eine Warnung, wie etliche der überlebenden Studenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. So sei seit Tagen vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt wurden, doch sei diesem Hinweis wenig Beachtung geschenkt worden, weil solche Warnungen an der Tagesordnung seien. Gleichwohl wurde am Freitag Kritik an den kenianischen Sicherheitskräften laut. Das Gelände der Universität, an der mehr als 800 überwiegend auswärtige Studenten eingeschrieben sind, soll zum Tatzeitpunkt von lediglich zwei Polizisten bewacht worden sein.

          Garissa liegt nur 150 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt und war in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Anschlägen. Dabei waren allerdings fast immer Kirchen angegriffen worden. Zwischen Garissa und der Grenze liegt Dadaab, das größte Flüchtlingslager der Welt, in dem zeitweise bis zu einer halben Million Menschen aus Somalia lebten. Den kenianischen Behörden ist schon vor langer Zeit die Kontrolle über das wuchernde Lager entglitten, in dem Al Shabaab nicht nur rekrutiert, sondern auch seine verletzten Kämpfer medizinisch behandeln lässt. Kenia will dieses Lager seit Jahren schließen, stößt dabei aber auf den Widerstand von internationalen Hilfsorganisationen und dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen.

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