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Ägypten : Nach dem Putsch die Verfolgung der Kopten

Minya, nahe Kairo: Die Kirche Sankt Moussa, nachdem Islamisten sie am Mittwoch in Brand setzten. Bild: AP

Solange Ägyptens Christen die Politik mieden, wurden sie diskriminiert, lebten aber in relativer Sicherheit. Nun lobt ihre Führung die Armee - und alles ändert sich.

          Völlig gleichberechtigt waren die ägyptischen Kopten gegenüber der muslimischen Mehrheitsgesellschaft nie. Zum ersten Mal seit langem werden sie in Ägypten aber wieder gezielt angegriffen. In den vergangenen Tagen wurden nach Angaben der in Kairo erscheinenden koptischen Zeitung „Watani“ (“Meine Heimat“) 35 Kirchen angegriffen. In der Provinz Assiut brannte eine Kirche nieder; auf dem Sinai wurde nach dem Putsch vom 3. Juli ein koptischer Priester ermordet. Vor allem in Oberägypten, wo viele Christen wohnen und wo die Muslimbruderschaft eine ihrer Hochburgen hat, werden Häuser von Christen zerstört, an Mauern sind christenfeindliche Graffiti zu lesen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Kopten werden nicht als religiöse Minderheit verfolgt, sondern weil sie überwiegend Befürworter des Putsches gegen den islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi sind. Der koptische Papst Tawadros II. - er ist auf dem Patriarchenstuhl Nachfolger des Evangelisten Markus, der das Christentum im ersten Jahrhundert nach Ägypten brachte - hat sich in seiner bisher kurzen Amtszeit von der Politik seines Vorgängers gelöst. Papst Schenuda III. stand von 1971 bis zu seinem Tod im März 2012 an der Spitze der koptischen Kirche, zu der sich etwa jeder zehnte der 85 Millionen Ägypter bekennt. Schenuda III. führte seine Kirche, indem er die Nähe zum Staat suchte und die Politik mied.

          Unter Präsident Anwar al Sadat (1970 bis 1981) setzte eine Islamisierung von Kirche und Staat ein. Die Kopten reagierten auf die Beschneidung des öffentlichen Raums, indem immer mehr junge Menschen in die Klöster gingen. Das Mönchtum erlebte eine Renaissance. Unter Sadat und dessen Nachfolger Husni Mubarak (1981 bis 2011) wurden die Kopten zwar diskriminiert, weil sie etwa im Staatsdienst und in der Armee keine Aufstiegschancen hatten. Die Übergriffe auf Kopten wurden juristisch verfolgt, wenn auch selten bestraft. Meist handelte es sich um lokale Konflikte, die auch unter Muslimen gängig sind. Die zusätzliche religiöse Dimension verschärfte aber diese Konflikte meist.

          Die Abwanderung dauert seit Jahren an

          Den Kopten brachte dieses System ein relatives Maß an Sicherheit. Papst Tawadros II., der mit dem Anspruch antrat, die Kirche zu erneuern, schlug einen anderen Kurs ein. Er nahm früh gegenüber Präsident Mursi und dessen Muslimbruderschaft eine kritische Position ein; den Putsch gegen Mursi lobte er öffentlich mit Dankesgesten an die Armee. Neben Papst Tawadros II. wurde der koptische Unternehmer Naguib Sawiris zum zweiten Feindbild der Islamisten. Denn er finanzierte die Aktivistenbewegung „Tamarrod“ (Rebellion), deren Protestmärsche dem Putsch vorausgegangen waren. Sawiris machte aus seiner Abneigung gegen die Muslimbruderschaft nie einen Hehl.

          Trauer um ein getötetes Kirchenmitglied in Kairo nach Unruhen im April

          Seit Jahren hält die Abwanderung der verunsicherten Kopten an. Mit ihnen wandern jene aus, die bereits mit ihrem Namen eng mit Ägypten verbunden sind. Denn die Eigenbezeichnung „Kopten“ leitet sich vom griechischen „Aigyptos“ ab. Die Kopten verstehen sich auch als die Ureinwohner Ägyptens. Das Koptische gilt als die letzte Stufe der altägyptischen Sprachen; es lebt in der Liturgie der Kirche weiter.

          Die muslimischen Araber eroberten erst im Jahr 640 die Region um Kairo. Sie gestatteten den Christen die Ausübung ihrer Religion, erlegten ihnen aber die Zahlung der „Kopfsteuer“ (Dschizya) auf. Der osmanische Khedive Muhammad Ali hob Anfang des 19. Jahrhunderts die Steuer auf, und eine Blüte der koptischen Kultur setzte ein. Erst ein Jahrhundert später, mit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1922, schwand der Einfluss der Kopten in der Öffentlichkeit wieder.

          Die Christenheit hat der koptischen Kirche viel zu verdanken. In der kosmopolitischen Stadt Alexandria öffnete sich das frühe Christentum der griechischen Philosophie und entfernte sich von früheren jüdischen Traditionen. Die ältesten bekannten Ikonen - die Urbilder der Malerei Europas - wurden im Katharinenkloster auf dem Sinai gemalt, und die Mönche verwendeten dazu die Techniken der Porträtmaler von Mumien. In Ägypten entstand auch das Mönchtum. Als Begründer des eremitischen Lebens in Einsamkeit gilt der Ägypter Antonius (300 bis 373), der Alexandria entfloh und in der ägyptischen Wüste ein strenges asketisches Leben führte. Das Mönchtum gelangte wenig später über die syrisch-orthodoxe Kirche nach Anatolien und von dort nach Europa.

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