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Ägypten : Mursi gibt Mubarak-Getreuen die Schuld an der Krise

  • -Aktualisiert am

Fehler wurden gemacht: Mursi in seiner Rede zur Nation Bild: AP

Ägyptens Präsident Mursi gesteht Fehler ein - und macht das alte Regime verantwortlich, hinter den Protesten zu stehen. In mehreren Provinzen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen.

          Ägyptens Präsident Muhammad Mursi hat Vertreter des alten Regimes für die anhaltende Krise in seinem Land verantwortlich gemacht. In einer Rede in der Nacht auf Donnerstag warf er Funktionären seines Vorgängers Husni Mubarak vor, Schlägertrupps zu bezahlen, um die Polizei anzugreifen und Chaos zu stiften. Er sehe sich einem „Krieg“ gegenüber, der geführt werde, um ihn zum Scheitern zu zwingen. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt gab der islamistische Machthaber zu, „Fehler“ gemacht zu haben. Er entschuldigte sich bei der Jugend des Landes, dass ihr nie die Chance gegeben worden sei, „in diesem Land eine Rolle zu spielen“. Das werde er ändern, unter anderem durch die Berufung von Beratern unter vierzig Jahren in Ministerien und Provinzregierungen.

          Gegner des in der Muslimbruderschaft politisch groß gewordenen Staatschefs riefen für Sonntag zu Massendemonstrationen auf. Sie machen ihn für Arbeitslosigkeit, gestiegene Kriminalität und erhöhte Lebensmittelpreise verantwortlich, ebenso wie für Treibstoffmangel und Stromausfälle. Mursi entschuldigte sich für die anhaltende Krise und kündigte harte Maßnahmen am, um Schmuggler und korrupte Tankstellenbesitzer zur Rechenschaft zu ziehen. Minister und Gouverneure sollten „alle Beamten entlassen, die für die Krisen verantwortlich sind, unter denen die Bürger leiden müssen“.

          Proteste im ganzen Land 

          Bereits seit Tagen protestieren Regierungsgegner im ganzen Land, um Mursis Rücktritt zu erzwingen. Der Präsident bezichtigte sie in seiner Rede, mit „den Feinden der Revolution“ zusammenzuarbeiten. Er versicherte, dass die Armee hinter ihm stehe. Vergangene Woche hatte Armeechef Abdul Fatah al Sisi mit einem Eingreifen der Streitkräfte gedroht, um zu verhindern, dass Ägypten in einen „dunklen Tunnel“ abgleite. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Muslimbrüdern und Oppositionsanhängern in der nordägyptischen Stadt Al Mansura wurden in der Nacht auf Donnerstag zwei Menschen getötet; landesweit wurden 300 Menschen verletzt.

          Der Tahrir-Platz ist wieder besetzt: Musri-Gegner in Kairo

          Mursi forderte die Opposition in seiner zwei Stunden langen Rede auf, sich Wahlen zu stellen, um eine Regierung zu bilden. Es könne nicht sein, dass Ägyptens junge Demokratie „sabotiert“ werde: „Nach einem Jahr in der Verantwortung habe ich erkannt, dass radikale Maßnahmen nötig sind, um die Ziele der Revolution zu verwirklichen.“ Namentlich nannte er Funktionäre des Mubarak-Regimes, die daran arbeiteten, „die Uhr zurückzudrehen“. Er warnte vor weiterer Polarisierung, die dazu führe, dass „das ganze Land in einen Zustand von Lähmung und Chaos” versetze.

          Der Präsident schloss vorgezogene Wahlen in seiner Rede aus. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich in der Nacht auf Donnerstag Hunderte von Gegnern der regierenden Islamisten. Sie riefen Slogans gegen die Muslimbruderschaft, aus der Mursi und ein Großteil der von ihm ernannten Gouverneure und Minister stammt. Gegner Mursis beklagen eine zunehmende Islamisierung des Landes und wachsende Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Vergangenes Wochenende waren vier Schiiten in einem Vorort Kairos getötet worden, nur kurz, nachdem Mursi auf einer Konferenz sunnitischer Prediger teilgenommen hatte, bei der Schiiten als „Ketzer“ und „Ungläubige“ verunglimpft wurden.

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