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Abschied von Nelson Mandela : Fröhliches Trauern um Madiba

  • -Aktualisiert am

Abschied: Zehntausende nehmen an der Trauerfeier für Nelson Mandela im Fußballstadion von Soweto teil. Bild: REUTERS

Obama reicht dem kubanischen Präsidenten Castro die Hand. Ban Ki-moon spricht Xhosa – und Südafrikas amtierender Staatschef wird ausgepfiffen. Bei der Gedenkfeier für den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela treffen sich alle, die Rang und Namen haben.

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          Regen, so sagt man in Afrika, sei ein Segen. Wenn das stimmt, dann muss die Gedenkfeier für den verstorbenen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela am Dienstag in Soweto göttlichen Beistand haben, denn es gießt aus Kübeln. Bitterkalt ist es obendrein. Trotzdem haben sich zwischen 50.000 und 60.000 Südafrikaner in das größte Stadion des Landes, das FNB-Stadion in Soweto aufgemacht, um „Tata Madiba“, „Vater Madiba“, wie Mandela genannt wird, die letzte Ehre zu erweisen. Sie sind mit Bussen aus Johannesburg gekommen, deren Fahrer häufig den Weg nicht kannten, mit Vorortzügen, von denen etliche aufgrund von Stromausfällen auf offener Strecke liegenbleiben, oder einfach zu Fuß.

          Sie haben sich mit Duschhauben gegen den Regen gewappnet, mit Plastiktüten auf dem Kopf und Mülltüten, in die sie Löcher für die Arme geschnitten haben. Sie haben die bunt verzierten Schutzhelme dabei, die noch von der vorigen Fußballweltmeisterschaft übrig geblieben waren, und ihre Vuvuzelas, die berüchtigt lauten Tröten. Sie sind ausgelassen und fröhlich und zum Singen aufgelegt. Irgendwie hat man den Eindruck, nicht einer Trauerfeier beizuwohnen, sondern tatsächlich einem Fußballspiel.

          Besonders Hartgesottene haben gleich die halbe Nacht vor dem Stadion verbracht, um nur ja nicht abgewiesen zu werden am folgenden Morgen; Menschen wie Sipho Thuli etwa, der seit Mitternacht ausgeharrt hat in dieser ungemütlichen Witterung und nun frierend und schlotternd auf der Tribüne kauert. Sipho ist 25 Jahre alt. Die Apartheid hat er nicht bewusst erlebt, dafür sei er zu jung gewesen, als Mandela 1994 zum Präsidenten gewählt wurde, erzählt er. „Aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern habe ich aber eine Ahnung, wie es sich damals angefühlt haben muss, ein Schwarzer in Südafrika zu sein. Heute hier zu sein und Mandela die letzte Ehre zu erweisen ist das mindeste, was ich für diesen Mann tun kann“, sagt er. Derweil stimmt die Menge „Siyaya e Pitoli“ („Wir gehen nach Pretoria“) an, das alte Kampflied der Befreiungsbewegung African National Congress (ANC), und weil das 90.000 Menschen fassende Stadion nur zu zwei Dritteln gefüllt ist, ist auch genug Raum für das passende Tänzchen. Etlichen der Ehrengäste aus aller Welt, darunter mehr als 90 amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs, die offenbar nicht vertraut sind mit den Sitten und Gebräuchen auf afrikanischen Trauerfeiern, steht die Irritation ins Gesicht geschrieben. „Wir trauern nicht um Mandela, wir feiern das große Glück, einen solchen Menschen unter uns gehabt zu haben“, umschreibt Sipho Thuli die ausgelassene Stimmung.

          Viele brachten Fotos des Verstorbenen mit ins Stadion Bilderstrecke

          Zeremonienmeister Cyril Ramaphosa, der eine Zeitlang als Nachfolger von Mandela als Präsident genannt worden war, muss die Menge immer wieder zur Ordnung rufen, die Redner bitteschön zu Wort kommen zu lassen, was allerdings stets mit weiteren Gesängen quittiert wird. Dem sonst so steif wirkenden Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, scheint die Ausgelassenheit der Menge jedenfalls zu gefallen und der Südkoreaner erntet lauten Applaus für seinen Versuch, zwei Sätze in Xhosa, der Sprache Mandelas, zu sprechen, bei denen er sich lachend verhaspelt. Schlechter ergeht es der Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, der Südafrikanerin Nkosazana Dlamini-Zuma, die sich in einem ermüdenden historischen Diskurs ergeht. Die Menge stimmt „Siyabonga Mandela“ („Danke, Mandela“) an und Dlamini-Zuma wird erbarmungslos niedergesungen.

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