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Afrika : Sorge vor Krieg zwischen Kongo und Ruanda

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Heftige Kämpfe: UN-Soldaten aus Uruguay am Rande von Kibati Bild: dpa

Gegenseitige Schuldzuweisungen nach grenzüberschreitendem Granatbeschuss: Die Vereinten Nationen befürchten eine Ausweitung des Kongo-Krieges auf Ruanda. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war es in Goma abermals zu Morden und Plünderungen gekommen.

          Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Mittwochabend in einer Dringlichkeitssitzung den Vormarsch der Rebellen von Laurent Nkunda auf die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma einstimmig verurteilt. Nkunda wurde aufgefordert, unverzüglich mit seinen Angriffen aufzuhören.

          Gleichzeitig drückte der Sicherheitsrat seine Besorgnis über Informationen aus, wonach es bei den Gefechten zwischen den Rebellen und der regulären kongolesischen Armee auch zu Schusswechseln beziehungsweise Mörserbeschuss über die Landesgrenze hinweg nach Ruanda gekommen sei. Ruanda bestreitet dies. Gleichwohl bestätigte ein Sprecher der Monuc genannten UN-Mission in Kongo, dass ein vorgeschobener Posten der Blauhelmsoldaten in Kibumba von ruandischer Seite aus unter Feuer genommen worden war.

          Morde und Plünderungen

          Unterdessen war es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Goma zu Morden und Plünderungen gekommen, an denen auch Soldaten beteiligt gewesen sein sollen. Nach übereinstimmenden Angaben wurden neun Menschen erschossen, weil sie sich geweigert hatten, fliehenden Soldaten Motorräder oder Autos zu überlassen.

          Zahlreiche Geschäfte wurden geplündert. Die ganze Nacht durch waren überall im Stadtgebiet Schüsse zu hören gewesen. Erst am Freitagmorgen kehrte so etwas wie Ruhe ein, als die Polizei gegen marodierende Soldaten vorging. Der Flughafen der Stadt war geschlossen.

          Das Gros der kongolesischen Armee hatte am Mittwoch die Flucht vor Nkunda ergriffen und sich mitsamt ukrainischen Kampfpanzern und Artillerie in einen Ort südlich von Goma abgesetzt. Gleichwohl berichten Bewohner von vereinzelten Militärpatrouillen in der Stadt. Die Moral dieser Armee gilt als extrem schlecht, weil die Soldaten nur selten bezahlt werden und oft genug Hunger leiden. Der offizielle Sold liegt bei 25 Dollar im Monat. Da er aber über die Offiziere ausbezahlt wird, kommt er häufig bei den Soldaten gar nicht erst an. Das ist einer der Gründe, warum die zahlenmäßig in einem Verhältnis von 10:1 unterlegenen Rebellen von Nkunda der Armee in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Niederlagen beibringen konnten.

          Verstärkung in den Norden

          Die Monuc, die gegenwärtig nur 800 Soldaten in Goma stationiert hat, kündigte an, in den kommenden drei bis sieben Tagen Verstärkung aus anderen Landesteilen in die Provinz Nord-Kivu verlegen zu wollen. Zu Beginn der Woche hatte der Monuc-Chef Alan Doss den Sicherheitsrat aufgefordert, zwei Bataillone leichter Infanterie und Kommandosoldaten als Verstärkung zu bewilligen.

          Monuc ist mit 17.000 Soldaten die zurzeit größte UN-Mission der Welt. Sie war im November 1999 gegründet worden, als sich Kongo noch im Krieg mit Ruanda befand. In der Vergangenheit war Monuc häufig wegen Nichteingreifens wie etwa in Ituri 2003 und vor allem bei der Eroberung der Regionalstadt Bukavu durch Nkunda 2004 kritisiert worden. Von den im Rahmen der Mission in Kongo eingesetzten Soldaten verfügen aber nur die indischen und pakistanischen Bataillone über eine fundierte militärische Ausbildung.

          Manch anderer Truppensteller, etwa Uruguay, schickt Zivilisten, die per Zeitungsannoncen rekrutiert werden und anschließend ein zweiwöchiges Training durchlaufen, als Soldaten nach Kongo. Europäische Soldaten sind nur auf Führungsebene vertreten. Rebellenführer Laurent Nkunda sagte am Donnerstag, die Präsenz von Monuc werde ihn nicht daran hindern, Goma einzunehmen. Gleichwohl hatten die Rebellen, offenbar selbst überrascht von dem rasanten Abzug der kongolesischen Armee, am Mittwochabend einen einseitigen Waffenstillstand angekündigt und ihre Positionen rund sieben Kilometer nördlich von Goma gehalten.

          Unterstützung für Nkunda aus Ruanda

          Zahlreiche europäische Regierungen forderten ein sofortiges Ende der Kämpfe. Die ehemalige Kolonialmacht Belgien bot ihre Rolle als Vermittler an. Der belgische Außenminister Karel de Gucht sprach sich für die Entsendung einer europäischen Streitmacht mit bis zu 3000 Soldaten nach Kivu aus. Ministerpräsident Yves Leterme sagte, dass Belgien „seine Verantwortung wahrnehmen“ werde. Am Samstag will de Gucht zu Gesprächen mit dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame nach Kigali reisen.

          Kagame hatte sich am Dientag geweigert, mit seinem Amtskollegen Joseph Kabila zusammenzukommen, um die mittlerweile hochexplosive Situation in Kivu zu entschärfen. Zudem wurde der ruandische Präsident Paul Kagame aufgefordert, sich unverzüglich mit einem kongolesischen Amtskollegen Joseph Kabila zu treffen, um die explosive Lage in Ostkongo zu entschärfen.

          Kagame lehnt ein solches Treffen mit der Begründung ab, die kongolesische Regierung soll ihren Verpflichtungen nachkommen und die für den Völkermord 1994 in Ruanda verantwortlichen Hutu-Extremisten, die sich nach wie in Ostkongo aufhalten, unschädlich machen. Nkunda, der vorgibt, die Minderheit der Tutsi in Kongo vor den Hutu-Extremisten zu schützen, will seine Kämpfer solange nicht entwaffnen, solange die Front de libération du Rwanda“ (FDLR) genannten Hutus in Kongo sind. Dafür wird Nkunda mutmaßlich mit Geld, Logistik und Waffen aus Ruanda versorgt.

          Dreiecksverhältnis zwischen Kongo, Monuc und FDLR

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte am Mittwoch zwei Emissäre nach Ruanda geschickt, um Kagame zu einem Treffen mit Kabila umzustimmen. Am Donnerstag wurde zudem die ruandische Außenministerin Rosemary Museminali in Kinshasa erwartet. Zuvor hatte Frau Museminali in einer Sendung des staatlich kontrollierten Senders Radio Rwanda jede Verwicklung Ruandas in den Konflikt bestritten.

          Angesprochen auf den Schusswechsel über die Grenze hinweg, sagte sie, dass von kongolesischer Seite nach Ruanda hineingeschossen worden sei, nicht umgekehrt. Gleichzeitig kritisierte Frau Museminali das „Dreiecksverhältnis“ von regulärer kongolesischer Armee, Monuc und der Milizen der FDLR. „Wenn die kongolesische Armee wieder einmal gemeinsame Sache mit den FDLR macht, sollte Monuc eigentlich auf Distanz gehen“, sagte die Ministerin.

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