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Afrika : Mehr als Krieg und Hunger

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Dabei wissen alle: Afrika ist mehr als Krieg und Hunger. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat das in den vergangenen Tagen mit einer Reise deutlich gemacht, die nach Ghana und Nigeria ging, in die Vorzeigeländer des Kontinents. Der nigerianische Musiker Adé Bantu, der in Köln lebt und sich als „Afropäer“ bezeichnet, und der frühere ghanaische Fußballspieler Anthony Baffoe, inzwischen Sportmoderator am Rhein, saßen nicht zufällig in seinem Flugzeug. In der Bundesregierung will man die positiven Entwicklungen des Kontinents betonen.

Klischeebeladenes „Afrika! Afrika!“

Zufrieden verweist man darauf, dass die afrikanischen Staaten inzwischen ihr hehres Prinzip der Nichteinmischung aufgegeben haben - was unter anderem die Mission der Afrikanischen Union in Darfur erst ermöglichte. Ghana stellt inzwischen ein Viertel seiner Soldaten für Friedenseinsätze zur Verfügung. „Die haben genug davon, immer mit Darfur oder Zimbabwe in einen Topf geworfen zu werden. In Ghana hofft man auf Investoren. Und Touristen“, sagte am Samstag der CDU-Abgeordnete Hartwig Fischer, der Steinmeier begleitet hatte. Bono? Bob Geldof? Vielen in Berlin läuft bei diesen Namen inzwischen ein Schauer über den Rücken. Ähnliches gilt für André Heller: Seine erfolgreiche Show „Afrika! Afrika!“ ist so klischeebeladen, dass er bei der Steinmeier-Reise nicht dabei war. (Siehe dazu: André Hellers neues Afrika-Projekt: „Arche Noah für Handwerker“)

Weg von der Entwicklungshilfe, hin zu einer gleichberechtigten Wirtschaftspartnerschaft, das ist manchmal leichter gesagt als getan. Nur ein Beispiel: Das Afrika-Referat im Wirtschaftsministerium wurde von der großen Koalition abgeschafft und in das Referat für Landwirtschaft integriert. „Die Bundesregierung nimmt den Kontinent noch immer nicht als Wirtschaftspartner wahr“, schließt daraus die Grünen-Abgeordnete Uschi Eid, die einst Bundeskanzler Gerhard Schröder als G-8-Afrika-Beauftragte diente.

Auch sie malt das Bild eines Kontinents, auf dem der Bildungsstandard steigt, neue Eliten entstehen, Regierungen aus der Opposition heraus durch demokratische Wahlen an die Macht kommen (wie in Ghana oder Senegal) und auf dem gerade junge Leute die Vorurteile nicht mehr ertragen, die manch Europäer noch immer gegen sie hegt. „Das Wort Armutsbekämpfung können die nicht mehr hören“, sagt die Grüne.

Deutschlands „Dornröschenschlaf“

Das Elend in Darfur aber ist nun mal eine Tatsache, weshalb auch Uschi Eid die Bundesregierung auffordert, die Beteiligung an einer EU-Truppe für Tschad zumindest zu prüfen. „Als eines der reichsten und stärksten Länder Europas sollten wir bei einer solchen Mission Frankreich unterstützen. Es wäre gut, wenn sich Deutschland da nicht heraushält.“ Schließlich genieße die Bundeswehr hohes Ansehen in der Region. Frankreich aber war Kolonialmacht in Tschad, es dürfe eine mögliche EU-Truppe nicht dominieren.

Die Franzosen sind immer schon da: In Libyen machen sie Rüstungsgeschäfte, nach Tschad schicken sie Soldaten. Und die Deutschen? „Es wird höchste Zeit, dass Deutschland einmal seine Interessen in Afrika definiert“, sagt die FDP-Abgeordnete Elke Hoff, die gerade aus Sudan zurückgekehrt ist. Von einem Engagement der Bundeswehr dort hält sie nichts.

Effektiver sei es, wenn deutsche Unternehmen in der Region investierten, sie so voranbrächten und stabilisierten. „Es könnte durchaus im deutschen Interesse liegen, dass auch wir direkten Zugang zu den Rohstoffen in Afrika erhalten, zum Öl, Gas, zu den Metallerzen“, gibt sie zu bedenken. Deutschland müsse „in diesen Dingen endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen“. (Siehe dazu: Deutschland interessiert sich wieder für Afrika)

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