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Zum Tode von Thilo Thielke : Afrika lag ihm am Herzen

Thilo Thielke (1968 bis 2020) Bild: Wolfgang Eilmes

Thilo Thielke, der für die F.A.Z. aus Afrika berichtete, ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Er war ein couragierter Journalist und ein kritischer Beobachter seines Kontinents.

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          Die erste Dienstreise nach vielen Monaten der von der Pandemie erzwungenen Zurückhaltung sollte seine letzte sein. Sie führte Thilo Thielke von Kapstadt nach Tansania. Er wollte über die Präsidentenwahl in dem Land berichten. So wie viele andere Korrespondenten, deren Berichtsgebiet nicht nur das Land umfasst, in dem sie ihren Sitz haben, drängte es ihn wieder hinaus. Reiselustig war er, und so wartete er ungeduldig auf eine Lockerung der Corona-Beschränkungen. Auf dieser Reise nach Ostafrika wurde er aus dem Leben gerissen. Nach einem Tag der Recherche und der Gespräche mit Politikern fand man Thielke in der Nacht zum Donnerstag tot im Bett.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Mit Tansania war er auf besondere Weise verbunden, es war seine zweite oder, wenn man so will, sogar seine dritte Heimat geworden. Am Fuße des Kilimandscharo betrieb er eine Lodge. Sie war die Verwirklichung eines Traums, dort wollte er sich später ganz niederlassen. Weil pandemiebedingt die Gäste ausblieben, machte er sich noch Anfang der Woche im Gespräch mit Kollegen Sorgen darüber, wie lange er seine Mitarbeiter noch werde beschäftigen können.

          Thielke war ein erfahrener Korrespondent. Als freier Mitarbeiter berichtete er seit 2018 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Afrika. Der Kontinent lag ihm so sehr am Herzen wie seinem Vorgänger und Freund Thomas Scheen, der 2017 in Nairobi an den Folgen eines Unfalls gestorben war. Thielke hatte schon von 2003 bis 2008 von Nairobi aus für den „Spiegel“ Afrika beobachtet. Später verschlug es ihn nach Südostasien.

          Pointiert und meinungsstark

          Thielke war kein Draufgänger, aber couragiert und unerschrocken. Das zeigte sich zum Beispiel in Episoden wie dieser: Als somalische Terroristen an einem Abend Anfang des vergangenen Jahres ein Hotel in Nairobi überfielen, setzte sich Thielke noch in der Nacht in Kapstadt in das nächste Flugzeug und flog nach Kenia. Den überraschten Redakteuren in der Frankfurter Zentrale berichtete er am nächsten Morgen, er stehe in unmittelbarer Nähe des Hotels und habe schon mit Überlebenden des Angriffs gesprochen – zu dem Zeitpunkt wurde noch immer geschossen.

          Thielke beherrschte sein Handwerk und mehr als das. In seiner freien Zeit schrieb er Bücher, die seine weitgesteckten Interessen verrieten: über den Fußballspieler „Stan“ Libuda, über Themen der Zeitgeschichte, natürlich über Afrika. Zum Journalismus war er bei der hannoverschen „Neuen Presse“ gekommen. Es folgten viele Jahre bei „Spiegel TV“ und „Spiegel“. Thielke war meinungsstark und formulierte pointiert. Vor kontroversen Debatten scheute er nicht zurück.

          Von traditioneller Entwicklungshilfe etwa hielt er bis zuletzt nicht viel, weil sie die Abhängigkeit verlängere und das Geld letztlich in den Taschen korrupter Politiker lande. Staatschefs, die von anderen angehimmelt wurden (und nach wie vor werden), hielt er die dunkle Seite ihrer Herrschaft vor.

          Thilo Thielke, am 24. Januar 1968 in Hannover geboren und dort auch aufgewachsen, starb im Alter von 52 Jahren. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Er war abenteuerlustig und zugleich Familienmensch.

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