https://www.faz.net/-gpf-ovnb

Afghanistan : „Wir helfen gerne“

Kabul: Fischer trifft Karzai Bild: AP

Fischer auf Truppenbesuch in Kundus und bei Karzai in Kabul: Der Außenminister bekräftigt die Botschaft, die drei Wochen zuvor schon von der internationalen Afghanistan-Konferenz in Berlin ausgehen sollte.

          5 Min.

          Inmitten des deutschen Feldlagers in Kundus säumt eine Rabatte roter Edelrosen einen Rasenplatz. Dort sitzt der deutsche Außenminister auf einer Holzbank unter Bundeswehrsoldaten bei Spätzle-Eintopf, über sie spannt sich ein schattenspendendes Tarnnetz. Die Mittagssonne scheint warm; für das heitere Klima sorgen die Soldaten. Der Funkoffizier erzählt stolz von den Erfolgen des Hörfunksenders, den das deutsche Isaf-Team in Kundus betreibt, die Stabsärztin berichtet über die Anerkennung, die das Feldlazarett unter den Einheimischen genießt.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Minister hört zu, er selbst sagt immer wieder das gleiche. Schon morgens gleich nach der Landung gebrauchte Fischer die Formeln, die er mehrfach in Kundus und Kabul wiederholen sollte. Da hatte ihn General Daud, der faktische Herrscher der nordöstlichen afghanischen Provinzen, empfangen und noch auf der Landebahn von Kundus in eine Art improvisierten Meinungsaustausch verwickelt - noch bevor der Minister den protokollarisch korrekten Besuch bei Provinzgouverneur Omar absolvieren konnte.

          „Die Lage ist ruhig, aber nicht stabil"

          „Wir helfen gern", sagte Fischer, „wir tragen nach unseren Möglichkeiten bei zum Aufbau", „die Freundschaft zwischen Afghanistan und Deutschland ist tief." Der Besuch des deutschen Außenministers in Afghanistan ist eine Bekräftigung der Botschaft, die drei Wochen zuvor schon von der internationalen Afghanistan-Konferenz in Berlin ausgehen sollte. Sie lautet, das Land bleibe im Blick der internationalen Aufmerksamkeit, es werde weiter wirksame Hilfe auf seinem mühsamen Weg finden.

          Die aktuelle Wegmarke wird den Berliner Gästen im Bundeswehrlager von Kundus immer wieder verkündet, sie lautet „Die Lage ist ruhig, aber nicht stabil". Dennoch steht in den Gesichtern des kommandierenden Oberst, der Offiziere wie der Zivilbeamten von Auswärtigem Amt, Innenministerium und Entwicklungshilfeministerium ein gewisser Leistungsstolz.

          70 zivile Hilfsorganisationen sind inzwischen in den vier Nordostprovinzen mit rund 400 Mitarbeitern tätig, die Zahl der stationierten Bundeswehrsoldaten hat etwa 250 Mann erreicht. Sie wird weiter steigen, wenn von dem Stützpunkt in Kundus aus in allen drei weiteren Provinzen des Aufgabengebiets, in Baghlan, Takhar und Badagschan, Satellitenstützpunkte des deutschen Teams arbeiten, wie sie in Takhar schon entstanden und in Baghlan in den nächsten Wochen eingerichtet sein sollen.

          Drogenanbau und Milizen behindern Fortschritt

          In der Stadt Kundus sind Aufbaueifer und Fortschrittswille sichtbar, auch wenn die Lehmziegeltransporte von Eseln gezogen werden und die Blechrolläden in den Geschäftsstraßen erst vor einem Drittel der Geschäfte und Betriebe aufgezogen sind.

          Die entscheidenden Fortschrittsmarken müssen allerdings auf anderen Feldern gesetzt werden: bei der Bekämpfung des Opiumanbaus und der Entwaffnung der einstigen Bürgerkriegsmilizen. In den Nordostprovinzen um Kundus befehligt General Daud die Reste der einstigen Nordallianz. Das sind nach Schätzungen noch um die 6000 Mann. Die Hälfte davon soll in diesem Sommer abgebaut werden; das entspricht etwa den Demobilisierungsraten, die von der Zentralregierung für das ganze Land bis zu den Wahlen im September vorgegeben wurden.

          Die Entwaffnung und Abrüstung der Milizen ist als Hauptvoraussetzung für die Abhaltung freier und unbeeinflußter Wahlen von staatlicher Seite immer wieder zugesichert, von Repräsentanten der afghanischen Zivilgesellschaft auch immer wieder verlangt worden.

          „Alles demokratisch“

          Die deutschen Militärbeobachter in Kundus geben an, die Abrüstungsschritte von Daud seien bislang jedenfalls nachprüfbar. Der General selbst beteuert gegenüber dem deutschen Außenminister, er garantiere, daß in den vier nordöstlichen Provinzen bei den Septemberwahlen "alles demokratisch geschehen wird, ohne Zwang".

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.