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Afghanistan : Wieder Raketenangriff auf die Bundeswehr

  • Aktualisiert am

Rund um Faisabad fahren die deutschen Soldaten regelmäßig Streife Bild: dpa

Zum vierten Mal binnen zwei Wochen sind deutsche Soldaten in Afghanistan angegriffen worden. Indes forderte Verteidigungsminister Jung die EU auf, die Polizeiausbildung nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten zu verstärken.

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          Auf die Bundeswehr in Afghanistan ist binnen zwei Wochen zum vierten Mal ein Anschlag verübt worden. In der Nacht zum Donnerstag wurde eine deutsche Nachtpatrouille etwa 30 Kilometer südwestlich des Feldlagers Faizabad mit vier Raketen beschossen. Drei der - vermutlich durch Panzerfäuste abgeschossenen - Raketen detonierten in unmittelbarer Nähe der deutschen Soldaten, die mit geschützten Fahrzeugen unterwegs waren. Doch habe es weder Verletzte gegeben, noch sei Sachschaden entstanden, teilte das Einsatzführungskommando mit

          Als Verstärkung eintraf, sind die fünf Angreifer geflüchtet. Die 25 Mann starke Patrouille war südwestlich der Stadt auf einer so genannten Langzeit-Erkundung unterwegs, als sie gegen ein Uhr nachts angegriffen wurde. Insgesamt wurden vier Raketen abgefeuert, eine schlug nur 50 Meter entfernt ein.

          Die Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ gab an, eine halbe Stunde nach dem Angriff hätten amerikanische Kampfflugzeuge den Ort des Geschehens überflogen und die Angreifer vertrieben. Ein Verstärkungstrupp aus dem Feldlager Faizabad habe die 25 Mann starke Patrouille, die zum oldenburgischen Fallschirmjägerbataillon 313 gehörten, erst nach sechs Stunden erreicht.

          Jung bezweifelt, ob 195 Polizeiausbilder für Afghanistan ausreichen
          Jung bezweifelt, ob 195 Polizeiausbilder für Afghanistan ausreichen : Bild: dpa

          Jung für mehr Polizeiausbilder in Afghanistan

          In Faizabad leitet die Bundeswehr ebenso wie in Kundus regionale Wiederaufbauteams, die Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen organisieren. Erst vor knapp zwei Wochen war das Bundeswehr-Feldlager in Kundus mit Raketen beschossen worden. Zwei Tage davor waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bundeswehr-Konvoi drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Dolmetscher verletzt worden.

          Indes forderte Verteidigungsminister Franz Josef Jung die EU auf, die Polizeiausbildung in Afghanistan zu verstärken. Jung sagte in der „Welt“, es müsse überprüft werden, ob die geplante Entsendung von 195 Ausbildern in das Land ausreiche. Vorbild könnten die Vereinigten Staaten sein: „Die gehen da mit ganz anderen Dimensionen ran“, sagte Jung. Als Größenordnung für das Engagement in Afghanistan nannte der CDU-Minister einen Zeitraum von weiteren fünf Jahren.

          Die Grünen warfen dem Minister daraufhin Heuchelei vor. „Bevor die EU vor wenigen Monaten eingesprungen ist, war die Bundesregierung Führungsnation für die Polizeiausbildung. Wie eine heiße Kartoffel hat sie die Polizeimission nach Europa abgeschoben“, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth.

          Die FDP erinnerte Jung daran, dass die Bundesregierung selbst den bisherigen Misserfolg bei der Polizeiausbildung wesentlich verantwortet. Deutschland hatte bis zur Übernahme durch die EU die Aufgabe des Polizeiaufbaus übernommen und hatte, als dann der Umfang der EU-Mission beschlossen wurde, die Ratspräsidentschaft inne. „Es reicht nicht aus, die EU zu kritisieren. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die EU ihren Einsatz massiv ausbaut,“ sagte die verteidigungsspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Homburger. „Dazu muss aber auch Deutschland einen deutlich stärkeren Beitrag leisten.

          Bundesregierung hat „erbärmlich versagt“

          Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, warf der Bundesregierung und der EU vor, in Afghanistan „erbärmlich versagt“ zu haben, und verlangte ebenfalls mehr Polizeiausbilder vor Ort. In allen Landesteilen würden loyale, gut bezahlte Polizisten gebraucht. Deshalb seien 5000 Polizeiausbilder aus Europa erforderlich und nicht nur die vereinbarten 195, sagte Gertz der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

          Indes warf ein führender Nato-General den iranischen Streitkräften vor, technisch aufwendige Sprengsätze nach Afghanistan geschmuggelt zu haben. Eine Lieferung mit den Bomben sei am 5. September gestoppt worden, sagte der amerikanische General Dan McNeill, Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, in Kabul. „Dieser Konvoi kam eindeutig aus Iran.“ Es sei für ihn kaum vorstellbar, dass dies ohne Wissen der iranischen Streitkräfte erfolgt sei.

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