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Afghanistan : Wieder Gewalt bei antiwestlichen Protesten

Afghanen verbrennen am Freitag in der Nähe Kabuls Bilder des amerikanischen Präsidenten Obama Bild: dapd

Angesichts der Unruhen in Afghanistan zieht die Bundeswehr ihre Soldaten aus dem Stützpunkt Taloqan früher ab. Pakistans Premierminister Gilani rief die Taliban auf, mit der Regierung in Kabul zu verhandeln.

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          Auch am Freitag sind wieder Tausende Afghanen auf die Straße gegangen, um gegen die Präsenz westlicher Soldaten zu protestieren. Wegen erhöhter Sicherheitsmaßnahmen schienen die Proteste aber bis zum Abend nicht zu eskalieren.

          In Pakistan rief Premierminister Jussuf Gilani die afghanischen Taliban und andere Aufständischengruppen auf, Verhandlungen mit der Regierung von Hamid Karzai aufzunehmen. Er werde alles tun, was nötig sei, um den Prozess zu unterstützen, teilte er in Islamabad mit.

          Nach einem offenbar aufheizenden Freitagsgebet in Kabul kam es abermals zu Auseinandersetzungen in der Hauptstadt. An mehreren Orten brüllten Menschen „Tod für Amerika“. Steine flogen, und Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab.

          Mindestens ein Demonstrant wurde getötet. Über die Zahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben. Weitere Proteste wurden aus den Provinzen Bamijan, Ghazni and Nangarhar gemeldet. Auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr, in den Provinzen Baghlan and Kundus.

          Bundeswehr verlagert Soldaten aus Taloqan nach Kundus

          Das deutsche Regionalkommando zog die Bundeswehrsoldaten schneller als geplant aus dem Außenposten in Taloqan. Die Soldaten seien „im Rahmen der Sicherheitsvorsorge“ in das größere, befestigte Feldlager Kundus gebracht worden, sagte ein Sprecher. Der Posten, ein sogenanntes „Provincial Advisory Team“ von gewöhnlich rund drei Dutzend Mann, sollte ohnehin bis März im Zuge der Truppenreduzierung aufgegeben werden. Er liegt in der Provinzhauptstadt Taloqan, wo schon vor einem Jahr Proteste gegen die westlichen Truppen eskaliert waren.

          Die Soldaten hätten alle Fahrzeuge, Waffen und Munition mitgenommen, sagte ein Sprecher. Es sei aber geplant, die Räumung noch zu beenden – „nach Lage durch deutsche Soldaten“. Einstweilen werde das Lager – wie bisher schon – durch afghanische Wachleute gesichert, die weiter bezahlt würden und in der Pflicht stünden. Er gehe daher davon aus, dass man das übrige Material noch vorfinden werde, sagte der Sprecher weiter. Die Soldaten hätten schon seit Mitte Februar in Taloqan keinen militärischen Auftrag mehr gehabt, sonst wären sie nicht abgezogen worden, versicherte er.

          Bundeswehrsoldaten auf Streife in Talokan im Jahr 2008

          In der nordafghanischen Provinz Baghlan versuchten Aufrührer ein ungarisch geführtes Feldlager zu stürmen. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz sagte, ein Angreifer sei dabei getötet worden. Mehr als 1000 Demonstranten hätten sich vor dem ungarischen „Provincial Reconstruction Team“ versammelt, wo auch Soldaten aus Albanien, Kroatien und Montenegro stationiert sind. Einigen sei es gelungen, hinter die Stacheldrahtabsperrung des Feldlagers vorzudringen. Die Polizei habe Warnschüsse abgegeben, um die Menge aufzulösen.

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