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Taliban-Herrschaft : Eine Welt von Waffen und Motorrädern

Mit Mofa und Gewehr: Taliban-Kämpfer in den Straßen von Kandahar Bild: EPA

Viele fürchten das Schlimmste: Die Taliban wollen in Afghanistan wieder ein „islamisches System“ einführen – und die Scharia. Aber was bedeutet das?

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          Mit der Einnahme Kabuls vor einer Woche hat die stärkste politische und militärische Kraft Afghanistans nach knapp zwanzig Jahren wieder die Macht übernommen: die Taliban. Die islamistische Bewegung hat dabei vor allem von der Schwäche ihrer Gegner profitiert, die zerstritten und bei vielen Menschen diskreditiert waren. Nun muss sich zeigen, ob sie besser in der Lage sind, Afghanistan zu regieren – und ob sie irgendetwas gelernt haben aus der Zeit ihrer ersten landesweiten Herrschaft von 1996 bis 2001. Viele befürchten das Schlimmste, vor allem für Frauen, wenn die Taliban davon sprechen, dass sie wieder ein „islamisches System“ und die Scharia einführen wollen.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

          Was sie darunter im Einzelnen verstehen, ist freilich offen; so wie die Taliban insgesamt schwer zu fassen sind. Sind sie, wie manche Experten meinen, Vertreter des Islamismus des 20. Jahrhunderts? Oder stehen sie vielmehr für den schon um 1400 von dem Gelehrten Ibn Khaldun beschriebenen immer wiederkehrenden Ansturm ländlicher Gruppen, die von einer starken Stammessolidarität zusammengehalten werden, auf die städtischen Zentren? Näher an der Wirklichkeit als solche Thesen ist, dass die Taliban eine höchst eigene und eigenartige Mischung darstellen, die wohl nur die besondere Situation Afghanistans hervorbringen konnte. Eine Mischung aus traditionellem und reformerischem Islam, Sufismus und Stammesdenken, entstanden in einer Zeit ungleicher Modernisierung und geprägt von Jahren des Krieges und der Flucht.

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