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Afghanistan : UN-Mission leitet Untersuchung gegen Bundeswehr ein

Rauch über dem UN-Gebäude: Wie lange brauchten die Soldaten nach dem Hilferuf? Bild: dpa

Nach dem Tod von sieben UN-Mitarbeitern in Afghanistan wollen die Vereinten Nationen prüfen, ob die Bundeswehr angemessen reagiert hat. Bei der Untersuchung geht es nicht nur um die exakte zeitliche Rekonstruktion des Angriffs.

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          Die Vereinten Nationen wollen der Frage nachgehen, ob das von der Bundeswehr geleitete Regionalkommando Nord angemessen auf die Erstürmung des UN-Geländes in Mazar-i-Sharif reagiert hat. „Die UN werden eine Untersuchung zu dieser Frage einleiten, um die Fakten zu klären und die Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter zu überprüfen“, zitierte die amerikanische Zeitung das „Wall Street Journal“ am Dienstag einen Sprecher der UN-Mission in Afghanistan (Unama). Ein Mob hatte am Freitag unter anderem sieben UN-Mitarbeiter getötet, darunter drei Europäer.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Hintergrund der Ermittlungen sind nach dem Zeitungsbericht widersprüchliche Darstellungen der Ereignisse. Laut „Wall Street Journal“ geben Diplomaten und Überlebende des Angriffs an, dass die ersten Kräfte der Internationalen Schutztruppe (Isaf) - es handelte sich um Bundeswehrsoldaten - erst um halb acht am Abend (Ortszeit) im Gelände eintrafen, mehr als drei Stunden nachdem ein UN-Sicherheitsbeamter die Schutztruppe um Hilfe gebeten habe. Dagegen sollen Isaf-Vertreter versichern, dass die Bundeswehr bereits um sechs Uhr - nicht einmal zwanzig Minuten nach der ersten Information - am Tatort aufgetaucht sei. Zuvor, gegen fünf Uhr, seien bereits Aufklärungsflüge unternommen worden, nachdem „Kommandeure“ erfahren hätten, dass die Demonstration in Gewalt umgeschlagen war.

          „Was ist Unama?“

          Bei den Untersuchungen dürfte es nicht nur um die exakte zeitliche Rekonstruktion gehen, sondern um die Frage, wer genau bei der Isaf unterrichtet wurde. Die Bundeswehr, die das Regionalkommando Nord in Mazar-i-Sharif leitet, beeilte sich am Dienstag, ihren Kommandeur - mit einer kleinen Einschränkung - aus der Schusslinie zu nehmen: „Nach jetzigem Kenntnisstand gab es, entgegen anderslautenden Presseverlautbarungen, keine Unterstützungsersuchen an den deutschen Regionalkommandeur Nord, weder durch die Unama, den Provinzgouverneur Atta noch durch die afghanische Armee, Polizei oder sonstige Sicherheitskräfte“, hieß es in einer Mitteilung des Einsatzführungskommandos in Potsdam.

          Nach Angaben des „Wall Street Journal“ sagte ein amerikanischer Offizier, dass die Isaf erst um 5.40 Uhr von den Morden auf dem UN-Gelände unterrichtet worden sei und danach sofort Soldaten entsandt habe. Der UN-Sicherheitsberater auf dem Gelände soll aber laut einem Diplomaten angegeben haben, er habe schon um vier Uhr telefonisch das von Schweden geleitete „Provincial Reconstruction Team“ (PRT) verständigt, das dem Regionalkommando Nord untersteht.

          Die UN-Mitarbeiter, die sich in Schutzräumen vor den Angreifern versteckt hielten, sollen wenig später ebenfalls - per Textnachrichten - bei der Isaf um Hilfe gebeten haben. Als die Bundeswehrsoldaten gemäß dieser Darstellung mehr als drei Stunden später am inzwischen befriedeten Tatort eintrafen, hätten sie sich ahnungslos gezeigt. „Was ist Unama?“ soll einer gefragt haben, zitiert die Zeitung einen Diplomaten, der sich auf Zeugen beruft.

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