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Abzug aus Afghanistan : Türkei kritisiert US-Programm zur Aufnahme von Hilfskräften

  • Aktualisiert am

Ehemalige Übersetzer für amerikanische und Nato-Truppen demonstrieren Ende April in Kabul gegen den Abzug und für ihre Aufnahme in den Staaten des Nato-Einsatzes. Bild: AFP

Die Türkei warnt vor einer weiteren Migrationskrise. Der Grund: Afghanische Hilfskräfte des US-Militärs sollen auf ihre Aufnahme in Amerika in einem Drittstaat warten.

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          Die Türkei hat ein amerikanisches Programm zur Hilfe für afghanische Mitarbeiter in dem Land kritisiert und zugleich vor einer Migrationskrise gewarnt. Hintergrund ist die Ankündigung der amerikanischen Regierung, Tausende weitere Afghanen aufzunehmen, die während des rund 20 Jahre langen Militäreinsatzes für die Vereinigten Staaten oder Einrichtungen mit Bezug auf Amerika gearbeitet haben. Auf Kritik stößt vor allem, dass im Zuge des Programms Afghanen zunächst aus eigener Kraft das Land verlassen und für mindestens zwölf Monate in einem Drittstaat unterkommen müssen, während ihr Antrag auf Umsiedelung bearbeitet wird. Das werde für eine neue „große Migrationskrise“ in der Türkei sorgen und das Leid der Afghanen auf den Migrationsrouten verstärken, teilte das türkische Außenministerium in der Nacht zu Mittwoch mit.

          Ankara erklärte dazu, die Türkei habe „nicht die Kapazitäten, eine neue Migrationskrise im Namen eines Drittlandes zu bewältigen.“ Die Entscheidung der Amerikaner sei unverantwortlich. In der Türkei leben bereits rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien, hinzu kommen Schätzungen zufolge bis zu eine halbe Million Afghanen sowie Migranten aus anderen Ländern.

          „Türkei nur ein Transitland“

          Über Iran kommen laut Beobachtern täglich einige Hundert Migranten in die Türkei, überwiegend Afghanen, aber auch Personen aus Pakistan und Iran selbst. Nach Einschätzung des Menschenrechtsanwalts Anwalt Mahmut Kacan gibt es aber noch keinen neuen Trend zu massiver Migration aus Afghanistan in die Türkei. Bereits seit einigen Jahren, kämen im Sommer verstärkt Afghanen ins Land, sagte Kacan, der sich in der Grenzprovinz Van für die Rechte von Migranten einsetzt, der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse die Situation im Herbst nach dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan beobachten. Für viele sei die Türkei nur ein Transitland, so Kacan. Ihr eigentliches Ziel sei Europa.

          Die Migrationsroute über die Türkei ist gefährlich. Oft werden Menschen von Schmugglern von der Grenzprovinz Van weiter in Großstädte wie Istanbul gebracht. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Türkische Sicherheitskräfte hatten am Dienstag in Van 300 Migranten, die meisten von ihnen aus Afghanistan, eingepfercht in einem Lastwagen entdeckt. Im Juli vergangenen Jahres waren mindestens 60 Migranten ertrunken, als ihr Boot auf dem Van-See sank.

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