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Afghanistan : Truppenversorger wollen Transit durch Iran

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Private Versorger ausländischer Streitkräfte in Afghanistan planen eine Transitstrecke durch Iran. Die Verhandlungen gingen aber weder von der Bundeswehr noch von der Isaf-Schutztruppe aus, sondern von den Unternehmen selbst.

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          Zur Entlastung der Nachschubrouten für die ausländischen Streitkräfte in Afghanistan verhandeln private Truppenversorger mit Iran über Transitmöglichkeiten. Das seien teilweise Vertragspartner, die auch in Bundeswehreinrichtungen tätig sind, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Kossendey (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ein Unternehmen, das Truppenküchen betreibt, und ein Unternehmen zur Versorgung mit Treibstoffen prüften derzeit, ob sie Nachschub über eine Straßenverbindung und eine Eisenbahnstrecke durch Iran nach Afghanistan bringen könnten. Die Bahnstrecke führt aus Teheran nach Herat im Westen Afghanistans. Die Straßenverbindung soll von der iranischen Hafenstadt Chabahar zur Grenzstadt Zaranj in der südafghanischen Provinz Nimruz führen. Es handle sich um Überlegungen der Vertragspartner, nicht Verhandlungen der Bundeswehr oder der Nato-geführten Schutztruppe Isaf, sagte Kossendey.

          Diese Transportrouten würden vor allem den Transit über den pakistanischen Hafen Karatschi und den Khojaki-Pass ergänzen, über den bislang die Versorgung mit Treib- und Betriebsstoffen hauptsächlich erfolgt. Insofern wäre die Iran-Route keine unmittelbare Antwort auf die Vorkommnisse am weiter nördlich gelegenen Khyber-Pass, wo Taliban mehrmals Nachschubtransporte angegriffen und dabei auch geschützte Fahrzeuge zerstört hatten. „Es geht um Entlastung der vorhandenen Strecken“, sagte Kossendey.

          „Versuchswaggon“ durch Russland und Usbekistan

          Im Unterschied zu diesen Gesprächen werden die Anstrengungen für eine Eisenbahn-Nachschubroute über Russland und Usbekistan unmittelbar von Deutschland betrieben. Sie waren lange Zeit liegengeblieben, nachdem mit Moskau schon seit den Zeiten der Regierung Schröder ein grundsätzliches Einvernehmen hergestellt und auch schon versuchsweise Züge auf die Strecke geschickt worden waren. Jetzt ist wieder ein „Versuchswaggon“ unterwegs. Er werde Anfang April am Ziel an der afghanischen Nordgrenze erwartet, sagte Kossendey. Nach seinen Erkenntnissen habe es bei dem mehrwöchigen Transit „keine wesentlichen Probleme“ gegeben; er widersprach damit Gerüchten, der Waggon sei zwischenzeitlich „verlorengegangen“. Allerdings gebe es technische Schwierigkeiten wie wechselnde Spurbreiten, ungewiss belastbare Brücken, zu schmale Tunnel.

          In der amerikanischen Regierung ist am Wochenende die Erwartung geäußert worden, dass auch die europäischen Partner mehr Ressourcen – auch militärische – für den Einsatz in Afghanistan bereitstellen. Demnach wird eine enge Koordination mit den Nato-Partnern und befreundeten Staaten in der Region angestrebt, um eine Vermehrung der Ressourcen für Afghanistan zu erreichen. „Und zwar sowohl mit Blick auf Truppen als auch mit Blick auf die Bereitstellung von Ausbildern und eine Verstärkung ziviler Anstrengungen und finanzieller Hilfe“, sagte Denis McDonough, einer der außenpolitischen Berater Obamas.

          Obamas Nationaler Sicherheitsberater James Jones sagte der Zeitung „Tagesspiegel“, es gebe die Anforderung nach mehr Truppen, um ein sicheres Umfeld für die Wahlen in Afghanistan zu schaffen. Es sei inzwischen so, „dass die Vereinigten Staaten nicht mehr nur nach zusätzlichen Truppen fragen“. Zu Hinweisen europäischer Botschafter in Washington, die Amerikaner hätten nicht um mehr Truppen gebeten, sagte Jones: „Unter gleichberechtigten Partnern sind manche Dinge doch offensichtlich.“ Daraus, dass Amerika nicht öffentlich detaillierte Forderungen an die Bündnispartner stelle, dürfe man nicht schließen, „es gebe diese Bitte nicht“.

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