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Afghanistan : Friedensgespräche überschattet von Angriffen der Taliban

  • Aktualisiert am

Warten auf die Taliban: Im Einsatz in der Stadt Kundus. Bild: AP

Seit mehr als einem Jahr verhandeln die Vereinigten Staaten mit den Taliban über Frieden in Afghanistan. Ein Abkommen rückt laut beiden Seiten in greifbare Nähe. Doch die Kämpfe setzen sich fort.

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          Die Gespräche über Wege zum Frieden in Afghanistan zwischen den Vereinigten Staaten und den radikalislamischen Taliban stehen offenbar kurz vor einem Abschluss. „Wir stehen an der Schwelle eines Abkommens“, schrieb der amerikanische Chefunterhändler Zalmay Khalilzad am Sonntagmorgen auf Twitter. Dieses Abkommen solle die Gewalt im Land reduzieren und den Afghanen die Möglichkeit geben, gemeinsam über einen „ehrenwerten und nachhaltigen Frieden und ein einheitliches, souveränes Afghanistan zu verhandeln“, das keine anderen Länder bedrohe.

          Die jüngste, mittlerweile neunte Gesprächsrunde in Doha sei beendet, schrieb Khalilzad weiter. Er reise nun nach Kabul weiter. Es wird erwartet, dass Khalilzad in der afghanischen Hauptstadt die dortige Regierung über die Fortschritte bei den Gesprächen informiert.

          Auch die Taliban zeigten sich optimistisch. Einige technische Details würden am Sonntagnachmittag noch ausgebügelt, schrieb der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, auf Twitter. Er versicherte, dass man kurz vor dem „Ende der Besatzung“ und vor einer friedlichen Lösung stehe.

          Keine Einbindung der afghanischen Regierung

          Seit Juli 2018 sprechen die Vereinigten Staaten direkt mit Vertretern der Taliban über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Die Gespräche sollen zu innerafghanischen Friedensgesprächen führen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkt mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als Marionette des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand soll Thema sein.

          Die Verhandlungen werden jedoch überschattet von einem Überfall der Taliban auf die nordafghanische Stadt Kundus, der in der Nacht zum Samstag begann. Mindestens 25 Menschen wurden dabei getötet. Das bestätigte der Sprecher des Innenministeriums am Sonntag. Unter den Toten seien 20 Sicherheitskräfte und fünf Zivilisten. Zudem seien 85 weitere Zivilisten und Sicherheitskräfte verletzt worden.

          Hunderte Taliban-Kämpfer hatten Kundus aus mehreren Richtungen angegriffen. Sie konnten mehrere Einrichtungen und Gebiete in der Stadt einnehmen. Im Laufe des Samstags wurden ihre Vorstöße durch Luftschläge gebremst. Der Abgeordnete Allah Nasar Turkmani aus Kundus sagte am Sonntag, die Taliban hätten sich über Nacht zurückgezogen. Es gebe keine Kämpfe mehr, Geschäfte in der Stadt seien wieder geöffnet.

          Die Kämpfe setzen sich nun jedoch andernorts fort: In der Nacht zum Sonntag haben Kämpfer der Taliban die afghanische Provinzhauptstadt Pul-e Chumri angegriffen. Laut der Provinzrätin Hajatullah Wafa begann der Angriff gegen 1 Uhr nachts. Die Taliban hätten das Gebiet Band-e Du in der Stadt eingenommen, die Kämpfe würden andauern. Sollte die Regierung in Kabul nicht handeln, erwarte sie eine „Katastrophe“. Die Stadt könne bis zum Nachmittag an die Taliban fallen.

          Der Provinzrat Asadullah Schahbas sagte, es sei noch keine Verstärkung in der Stadt eingetroffen. Allerdings gebe es unweit der Stadt eine große Militärbasis, deshalb hoffe er auf baldiges Eintreffen von Nachschubkräften.

          Ein Sprecher des Innenministeriums teilte derweil mit, es handele sich um keine Offensive der Taliban. Angreifer seien lediglich in zwei Gebieten der Stadt. Sicherheitskräfte hätten die Taliban-Kämpfer umzingelt.

          Pul-e Chumri ist die Hauptstadt der Provinz Baghlan. In der Provinz hat sich in den vergangenen Monaten die Sicherheitslage zunehmend verschlechtert. Auch in Pul-e Chumri selbst gab es in diesem Jahr bereits mehrmals Gefechte mit Taliban. In vielen Gebieten rund um die Stadt haben die Islamisten eine starke Präsenz.

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