https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanistan-taliban-verteidigen-oeffentliche-auspeitschungen-18490526.html

Afghanistan : Taliban verteidigen öffentliche Auspeitschungen

  • Aktualisiert am

Ein Taliban-Kämpfer bewacht eine Essensausgabe in Kabul Bild: AP

Trotz internationaler Kritik verteidigen die islamistischen Taliban öffentliche Auspeitschungen und warnen vor jeder Einmischung in innere Angelegenheiten.

          2 Min.

          Die militant-islamistischen Taliban haben die Wiedereinführung des öffentlichen Auspeitschens in Afghanistan verteidigt. Kritik an der Scharia sei eine „Beleidigung des Islams“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Bakhtar am Samstag. Die Taliban warnten vor einer Einmischung in innere Angelegenheiten.

          Am Mittwoch hatten die Taliban im Osten des Landes 14 Menschen in einem Fußballstadion öffentlich auspeitschen lassen. Den Beschuldigten sei unter anderem Ehebruch, Diebstahl oder Korruption vorgeworfen worden, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Von internationaler Seite kam scharfe Kritik.

          Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hatte sich am Freitag entsetzt über die öffentlichen Auspeitschungen geäußert. Die Taliban müssten diese abscheuliche Form der Bestrafung sofort einstellen, verlangte die Sprecherin des Kommissariats, Ravina Shamdasani, in Genf.

          Körperliche Züchtigung stelle eine Form der grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Bestrafung dar, die nach dem Übereinkommen gegen Folter und nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte verboten sei, erklärte das Hochkommissariat. Afghanistan sei ein Vertragsstaat beider Übereinkommen.

          Seit der Übernahme der Macht Afghanistans durch die radikalislamischen Taliban im August 2021 habe das UN-Hochkommissariat zahlreiche Fälle von Körperstrafen dokumentiert, die in der Öffentlichkeit vollzogen worden seien. Allein in den vergangenen zwölf Tagen seien eine Frau und ein Mann jeweils 39 mal ausgepeitscht worden, weil sie außerhalb der Ehe Zeit miteinander verbracht hätten. Ein Kind sei 60 mal wegen Bagatelldiebstahls ausgepeitscht und ein Mann 20-mal ausgepeitscht worden, ebenfalls wegen Diebstahls. Während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 wurden Auspeitschungen, Amputationen oder Steinigungen in der Öffentlichkeit vollzogen.

          UN-Berichterstatter sehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

          Zehn unabhängige UN-Berichterstatter erklärten am Freitag zudem, dass sie im Umgang der Taliban mit Frauen und Mädchen in Afghanistan Anzeichen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit sähen. Die Menschenrechte von Frauen und Mädchen dort würden immer schamloser verletzt, teilten sie am Freitag in Genf mit. Nirgends sonst auf der Welt würden Mädchen und Frauen so behandelt. Sie kritisierten unter anderem das jüngste Verbot für Frauen, in Parks und Fitnesszentren zu gehen. „Frauen in ihren Wohnungen einzusperren kommt einer Inhaftierung gleich und dürfte zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt und psychischer Probleme führen“, teilten sie mit.

          Männer würden geschlagen, wenn Frauen in ihrer Begleitung bunt angezogen seien oder ihr Gesicht nicht verschleierten. Damit würden die Geschlechter gegeneinander ausgespielt und Jungen und Männer gezwungen, die Mädchen und Frauen zu bestrafen. Dies normalisiere Gewalt zwischen den Geschlechtern. Es müsse ermittelt werden, ob es sich bei den Taliban-Vorschriften um „geschlechtsspezifische Verfolgung“ handele. Anklagen unter internationalem Recht sollten den Berichterstattern zufolge in Erwägung gezogen werden. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros ist geschlechtsspezifische Verfolgung an sich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

          Unter den Berichterstattern sind unter anderem jene für die Lage der Menschenrechte in Afghanistan, für kulturelle Rechte sowie für das Recht auf Bildung. Die Berichterstatter sind unabhängige Experten, die sich im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats mit einer bestimmten Thematik befassen. Sie berichten an den Menschenrechtsrat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdbeben in Türkei und Syrien : Als der Boden zu wanken begann

          Nach dem Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet steigt die Zahl der Toten an. Infolge des langen Kriegs in Syrien und der Fluchtbewegungen erweisen sich die Rettungsmaßnahmen als erheblich schwieriger als in der Türkei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.