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Friedensplan für Afghanistan : Taliban und Amerikaner einigen sich auf Truppenabzugsplan

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Die Wolke einer Explosion erhebt sich am 3. September über Kabul, im Vordergrund die afghanische Flagge. Bild: AFP

5000 amerikanische Soldaten sollen in den kommenden Monaten vom Hindukusch abziehen. Dafür versprechen die Taliban: weniger Angriffe und keinen Schutz für Al Qaida. Überschattet wird die Einigung von einem neuen Anschlag.

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          Die radikalislamischen Taliban und die Vereinigten Staaten haben sich Berichten zufolge auf einen Friedensplan für Afghanistan geeignet. Demnach sollen in den kommenden fünf Monaten rund 5.000 amerikanische Soldaten vom Hindukusch abgezogen werden, wie der afghanische TV-Sender Tolo News am Dienstag berichtete. Im Gegenzug sollen die Taliban ihre Angriffe verringern und Terrororganisationen wie Al Qaida keinen Schutz bieten. Der amerikanische Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad erklärte, das Abkommen stehe „im Prinzip“, Amerikas Präsident Donald Trump müsse aber noch zustimmen.

          Khalilzad hatte zuvor die afghanische Regierung, die von den Verhandlungen ausgeschlossen war, über Details des Abkommens unterrichtet. Kurz nach Bekanntgabe der Einigung griffen die Taliban in Kabul einen Wohnkomplex von Ausländern an. Bei der Explosion einer Autobombe wurden mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 110 weitere verletzt. Die Polizei evakuierte etwa 400 Ausländer aus dem Komplex.

          In den vergangenen Wochen hatte die Zahl der Attentate stark zugenommen. Am Wochenende hatten die Taliban Kundus und Puli Khumri, zwei Großstädte im Norden des Landes, angegriffen und zeitweise wichtige Gebäude besetzt. Mindestens 35 Menschen wurden getötet. Auch ein Lager der Bundeswehr in Kundus kam dabei unter Beschuss. Die Taliban kontrollieren inzwischen etwa die Hälfte des Landes.

          Das Abkommen mit den Taliban gibt Amerikas Präsident Trump nun die Chance, den Abzug der amerikanischen Truppen im Wahlkampf 2020 als seinen Erfolg zu verkaufen. In Afghanistan hingegen wächst die Sorge, dass die hastig vor der afghanischen Präsidentschaftswahl gefundene Einigung nur wenig Sicherheiten für die Bevölkerung bietet. Viele befürchten, dass die Aufständischen, deren Regime 2001 gestürzt wurde, auf diese Weise zurück an die Macht kommen werden. Die Taliban haben sich stets geweigert, die Regierung in Kabul mit in die Verhandlungen einzubeziehen.

          Für Skepsis sorgt auch, dass die Vereinigten Staaten den Vertragsentwurf noch nicht öffentlich gemacht haben. Sedik Sediki, der Sprecher des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani, erklärte, der Präsident habe den Vertrag gesehen und „wichtige Details“ seien ihm erläutert worden. Ein wirklicher Erfolg könne das Abkommen aber erst sein, wenn die Taliban in Verhandlungen mit der afghanischen Regierung treten würden und es einen Waffenstillstand gebe, sagte der Sprecher.

          Die Vereinigten Staaten und die Taliban haben insgesamt neun Verhandlungsrunden im Wüstenemirat Qatar abgehalten, um den 18 Jahre tobenden Konflikt am Hindukusch beizulegen. Obwohl die offizielle Nato-Kampfmission schon im Dezember 2014 endete, sind immer noch mehr als 20.000 amerikanische und Nato-Truppen am Hindukusch stationiert, um die afghanische Armee zu trainieren, zu unterstützen und auch Anti-Terror-Operationen auszuführen. Im Vorjahr starben 3.812 Zivilisten an den Folgen von Kampfhandlungen - mehr als ein Drittel der Opfer waren Kinder.

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