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Afghanistan : Taliban starten Großangriff auf Kundus

  • Aktualisiert am

Nach Angriff durch die Taliban: Afghanische Sicherheitskräfte in den Straßen von Kundus. Bild: EPA

Seit einem Jahr verhandeln die Vereinigten Staaten mit den Taliban über ein Ende des Konflikts in Afghanistan. Das hält die Taliban nicht davon ab, die nördliche Provinzhauptstadt Kundus anzugreifen. Fällt die Stadt nun abermals an die Islamisten?

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          Kämpfer der radikalislamischen Taliban haben in der Nacht zum Samstag einen groß angelegten Angriff auf die nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus gestartet. Dem Provinzrat Ghulam Rabbani zufolge begann der Angriff gegen 1 Uhr nachts. Die Taliban hätten mehrere Einrichtungen und Gebiete in der Stadt einnehmen können, darunter das Provinzkrankenhaus, die Zentrale der Elektrizitätsversorgung und den dritten Polizeibezirk der Stadt.

          Die Taliban-Kämpfer hätten sich laut Rabbani dabei in Häusern verschanzt und lieferten sich mit den Sicherheitskräften Gefechte. Hubschrauber kreisten über der Stadt. Die afghanische Polizei und Armee befinde sich in der Defensive, da sie das Leben von Zivilisten schützen wolle. Es gebe Tote und Verletzte bei Polizei und Zivilisten, allerdings sei die Zahl noch unklar. Der Strom in der Stadt sei zudem abgestellt worden, Telekommunikationsverbindungen seien unterbrochen. Sollte die Situation so weitergehen, könne die Stadt abermals an die Taliban fallen, sagte Rabbani.

          Die Taliban kontrollieren weite Teile der Provinz Kundus, in der bis 2013 noch die Bundeswehr als Schutzmacht stationiert war. Im Rahmen der Nato-Mission „Resolute Support“ ist eine kleine Gruppe von deutschen Soldaten weiterhin dort, um die afghanische Armee zu beraten.

          Der Angriff erfolgte inmitten der laufenden Gespräche zwischen den Taliban und den Vereinigten Staaten über eine politische Lösung des seit fast 18 Jahren andauernden Konflikts. Zuletzt hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald ein Abkommen erzielen zu können. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag angekündigt, dass auch nach einem möglichen Friedensabkommen mit der Taliban zunächst 8600 amerikanische Soldaten in dem Land bleiben sollen.

          Kundus war bereits im September 2015 und 2016 kurzzeitig an die Taliban gefallen. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst mit Unterstützung amerikanischer Luftangriffe zurückerobern. Provinzräte sagten am Samstag, sie hätten in den vergangenen Wochen und Monaten mehrmals vor einem abermaligen Angriff der Taliban auf die Stadt gewarnt.

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