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Afghanistan : Taliban greifen Ministerien in Kabul an

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Kurz vor dem Besuch des amerikanischen Sondergesandten Richard Holbrooke haben die Taliban mitten in Kabul Regierungsgebäude angegriffen - es gab Dutzende Tote und Verletzte. Washington erwägt, bis zu 30.000 weitere Soldaten nach Afghanistan zu schicken.

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          Bei Angriffen auf Regierungsgebäude in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind jüngsten Angaben zufolge 27 Menschen ums Leben gekommen, zudem gab es 54 Verletzte. Unter den Toten seien auch die Attentäter.

          Ziel der Angriffe waren das Justiz- und das Bildungsministerium sowie die städtische Gefängnisverwaltung. Die offenbar acht Terroristen benutzten nach Angaben der Behörden Sprengwesten, Handgranaten und Schnellfeuergewehre. Alle Angreifer sollen Sprengstoffwesten getragen haben, aber lediglich drei von ihnen hätten sich als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, hieß es.

          Nach dem Attentat kam es auch zu Gefechten mit den Sicherheitskräften. Vorübergehend war auch Justizminister Sarwar Danesch in dem Regierungsgebäude eingeschlossen. Das Ministerium liegt in der Nähe des Finanzministeriums und des Südtors des Präsidentenpalastes. Die Sicherung Kabuls war im vergangenen Jahr einheimischen Sicherheitskräften übertragen worden. Zuvor war die internationale Schutztruppe verantwortlich gewesen. Schon Mitte Januar hatte sich dort ein Selbstmordattentäter vor der deutschen Botschaft in Kabul in die Luft gesprengt. Dabei hatte ein Attentäter vier Afghanen und einen amerikanischen Soldaten mit in den Tod gerissen, mehr als 30 Menschen. darunter auch Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung waren verletzt worden.

          Das Militär liefert sich Gefechte mit Attentätern

          Taliban: Rache für Folter

          Die radikal-islamischen Taliban bezichtigten sich der Anschläge. Ein Sprecher bezeichnete die Gewaltakte als Reaktion auf die Misshandlung inhaftierter Gesinnungsgenossen.

          Ein Mitarbeiter des Bildungsministeriums berichtete nach Agenturangaben, ein weiterer Selbstmordattentäter sei auch in dieses Ministerium eingedrungen und dort von Sicherheitskräften erschossen worden. Die afghanische Polizei teilte mit, ein weiterer Selbstmordattentäter habe im Norden der Stadt einen Polizeikonvoi vor der Gefängnisbehörde des Landes angegriffen, ein weiterer sei in das Gebäude eingedrungen und habe sich dort in die Luft gesprengt. Der Fernsehsender Tolo TV meldete, alleine bei diesen beiden Angriffen seien sieben Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden.

          Holbrooke wird in Kabul erwartet

          Die jüngsten Angriffe werden im Zusammenhang mit dem für diesen Donnerstag geplanten Besuch des amerikanischen Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, gesehen. Im pakistanischen Peshawar, wo sich Holbrooke am Mittwoch aufhielt, wurden bei einem Anschlag zwei Regionalpolitiker getötet. Holbrooke inspizierte von Peshawar aus den Khyber-Pass, über den die wichtigste Nachschubroute der in Afghanistan stationierten Truppen verläuft. Die neue Regierung in Washington hat angekündigt, ihren militärischen Einsatz gegen die fundamentalistische Taliban-Miliz in Afghanistan zu verstärken.

          Mehrere Staaten - darunter auch Außenminister Steinmeier für die deutsche Bundesregierung - verurteilten die Anschläge. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, seine Regierung sei bereit, den Vereinigten Staaten und Nato bei der Bekämpfung von Taliban und Al Qiada zu helfen. Dazu könnte auch die Genehmigung von Waffentransporte über russisches Territorium nach Afghanistan gehören. Zuvor hatte Russland schon zugesagt, Versorgungslieferungen für die amerikanischen Truppen zuzulassen.

          Beschluss über Truppenverstärkung in wenigen Tagen

          Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates erwartet unterdessen, dass Präsident Barack Obama in Kürze über eine Truppenverstärkung in Afghanistan entscheidet. Wahrscheinlich sei ein Beschluss „in den nächsten paar Tagen“, sagte Gates in Washington. Er habe Obama Empfehlungen zugeleitet, und es lägen verschiedene Optionen auf dem Tisch. Der Pentagon-Chef sprach von einem „sehr konstruktiven, überlegten“ Entscheidungsprozess. „Es ist das erste Mal, dass dieser Präsident ersucht worden ist, eine große Zahl von Truppen nach Übersee zu schicken.“

          Der amerikanische Kommandeur in Afghanistan, David McKiernan, hält eine Truppenverstärkung um bis zu 30.000 Soldaten für nötig, um die wiedererstarkten Taliban wirksam bekämpfen zu können. Zurzeit sind gut 36.000 amerikanische Soldaten in Afghanistan stationiert. Es wird allgemein erwartet, dass Obama der Entsendung von drei weiteren Kampfbrigaden zustimmt. Das wären mit Unterstützungstruppen bis zu 15.000 zusätzliche Kräfte.

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