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Afghanistan : Taliban greifen deutsches Konsulat an – mindestens zwei Tote

  • Aktualisiert am

Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Sharif. Auf diesem Foto aus dem Juni 2013 ist es gerade feierlich eingeweiht worden und deshalb unversehrt. Ein aktuelles Foto des Konsulats oder vom Anschlagsort liegt noch nicht vor. Bild: dpa

Im nordafghanischen Masar-i-Sharif ist vor dem deutschen Generalkonsulat eine Bombe explodiert. Schüsse sind gefallen. Es gibt mindestens zwei Tote und mehr als hundert Verletzte.

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          Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban-Milizen auf das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Sharif sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Nach Angaben der lokalen Behörden vom Donnerstagabend gab etwa 110 Verletzte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) berief einen Krisenstab ein. Zunächst gab es jedoch keine Hinweise auf deutsche Todesopfer. Bei den beiden Toten soll es sich um Afghanen handeln.

          Das Konsulat war erst im Juni 2013 eröffnet worden. Die Vertretung befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit der berühmten Blauen Moschee. Aus Sorge vor Anschlägen ist sie streng gesichert, unter anderem durch eine etwa fünf Meter hohe Mauer. Trotzdem gelang es dem oder den Tätern, aufs Botschaftsgelände vorzudringen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte am Abend, dass es auch dort zu „Kampfhandlungen“ gekommen sei.

          Der Angriff begann nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gegen 23.05 Uhr Ortszeit. Sofort seien Einsatzkräfte aus dem von der Bundeswehr geführten Lager Camp Marmal - etwa zehn Kilometer entfernt - zum Konsulat entsandt worden. In dem Lager sind derzeit noch etwa 1000 deutsche Soldaten stationiert, darunter auch eine sogenannte Schnelle Eingreiftruppe.

          Es handele sich nach bisherigen Erkenntnissen um nur einen Attentäter, sagte der Polizeichef der Provinz, Saied Sadat. Es sei nun ruhig, die Lage sei unter Kontrolle. Deutsche Truppen hätten die Gegend um das Gebäude abgeriegelt. Sie hätten das Gebäude Zimmer für Zimmer durchkämmt und keine weiteren Angreifer entdeckt. Auch afghanische Spezialkräfte seien vor Ort.

          Der Attentäter habe einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen gegen eine Außenmauer des Konsulats gefahren, sagte Polizeichef Sadat weiter. Es habe sich um einen Kohlelaster gehandelt. Der Sprengstoff sei unter Kohlebrocken verborgen gewesen. Nach Medienberichten gab es möglicherweise zwei Autobomben. Teile des Konsulats seien schwer beschädigt.

          In der unmittelbaren Gegend ist nach der Explosion der Strom ausgefallen. Anwohner hatten von einer gewaltigen Explosion berichtet, die einen mehrere Meter tiefen Krater in die Straße vor dem Konsulat gerissen hatte.

          Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Der Angriff sei als Vergeltung für einen Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus erfolgt. Sie gaben an, „Dutzende Ausländer getötet und verwundet“ zu haben. Afghanische Behörden und das Auswärtige Amt in Berlin bestätigten dies nicht. Taliban-Angaben gelten grundsätzlich als übertrieben.

          In der im Internet veröffentlichten Stellungnahme der Taliban hieß es, die „Märtyrer-Attacke“ habe gegen 23 Uhr nachts begonnen und werde von heiligen Kriegern (Mudschahedin) des Islamischen Emirats durchgeführt. Es seien mehrere Gebäude auf dem Gelände des Generalkonsulats zerstört worden.

          Am 3. November waren in Kundus Streitkräfte afghanischen Streitkräften unter Beschuss mit einem Luftangriff zu Hilfe gekommen. Dabei waren mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Der Angriff löste international Kritik aus. Der Tod von Zivilisten sei nicht hinnehmbar und untergrabe die Bemühungen zum Aufbau von Frieden und Stabilität in dem Land, sagte der UN-Beauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto.

          Seit März ist ein kleines Kontingent deutscher Soldaten in Kundus zur Beratung der afghanischen Armee. An dem Luftangriff waren sie nach Auskunft der Bundesregierung nicht beteiligt.

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