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Im Norden Afghanistans : Taliban erobern Kundus

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Taliban-Kämpfer im Juni 2018 in der Provinz Nangarhar östlich von Kabul Bild: AP

Im vergangenen Jahr sind die letzten Bundeswehrsoldaten aus Kundus abgezogen. Jetzt haben die Taliban die Stadt im Norden Afghanistans erobert. Seit Freitag sind schon vier Provinzhauptstädte gefallen.

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          Die Taliban haben die Stadt Kundus im Norden Afghanistans erobert. Die wichtigsten Regierungseinrichtungen der Stadt seien von den radikalen Islamisten eingenommen worden, bestätigten drei Provinzräte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Zuvor hatten die Taliban die Eroberung von Kundus mitgeteilt. In der Nähe von Kundus lag früher ein großes Feldlager der Bundeswehr.

          Kundus wurde seit langem von Taliban-Kämpfern belagert. In den vergangenen zwei Tagen hätten die Islamisten ihre Angriffe intensiviert, sagten die Provinzräte. Abgesehen von einer Militärbasis rund drei Kilometer vom Stadtzentrum und dem Flughafen kontrollierten die Taliban nun die ganze Stadt. Dorthin seien Regierungsvertreter geflüchtet. Die Menschen in der Stadt hätten weder Wasser noch Essen. Sie hielten sich in ihren Häusern versteckt.

          „Ein Armeebataillon am Rande der Stadt umzingelt“

          Kundus mit seinen etwa 370.000 Einwohnern hat auch für die Bundeswehr, die Ende Juni nach fast 20 Jahren aus Afghanistan abgezogen war, große Bedeutung.  Von 2003 bis 2013 überwachten deutsche Soldaten vom Feldlager Kundus aus die Sicherheit im Norden des Landes. Hier lieferten sich deutsche Soldaten stundenlange Gefechte mit den Taliban. Nirgendwo in Afghanistan fielen mehr Deutsche als in Kundus und der Nachbarprovinz Baghlan. Im Vorjahr waren im „Camp Pamir“ noch etwa 100 deutsche Soldaten stationiert.

          Seit 2015 fiel Kundus schon drei Mal in die Hände der radikalen Islamisten.

          Wenige Stunden nach der Einnahme von Kundus eroberten die Taliban die Provinzhauptstadt Sar-i-Pul im Nordwesten Afghanistans. „Die Taliban haben ein Armeebataillon am Rande der Stadt umzingelt. Alle anderen Teile der Stadt sind unter Kontrolle der Taliban“, sagte Mohammed Hussein Mudschahidsada, ein Mitglied des Provinzrats von Sar-i-Pul, am Sonntag. Seit Freitag haben die Taliban damit vier Provinzhauptstädte erobert. Vor Kundus und Sar-i-Pul besetzten sie Scheberghan in der nordafghanischen Provinz Dschausdschan und die im Südwesten gelegene Hauptstadt der Provinz Nimrus, Sarandsch.

          Die afghanischen Streitkräfte kämpfen seit dem Abzug der internationalen Truppen an zahlreichen Fronten gegen die Taliban. Deren Kämpfer kontrollieren schon weite Teile der ländlichen Regionen und verstärken nun den Druck auf Provinzhauptstädte wie Herat nahe der Grenze zum Iran sowie Laschkar Gah und Kandahar im Süden.

          Nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums fliegen die USA, die ihren Abzug aus Afghanistan praktisch abgeschlossen haben, weiter Luftangriffe in dem Land. Ein Taliban-Treffen in der Stadt Schiberghan sei mit B-52-Bombern angegriffen worden, teilte ein Sprecher auf Twitter mit. Die US-Militärmission in Afghanistan endet am 31. August. Der Abzug ist amerikanischen Angaben zufolge zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen.

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