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Zahlreiche Tote und Verletzte : Taliban verüben Anschlag auf Polizeigebäude

  • Aktualisiert am

Die Anschläge wollen nicht enden: Ein Mitglied der Sicherheitskräfte am Mittwoch vor dem Polizeigebäude in Kabul, das mit einer Autobombe angegriffen wurde. Bild: Reuters

Es ist bereits der sechzehnte größere Angriff in der afghanischen Hauptstadt in diesem Jahr. Dass die Gewalt zunimmt, dürfte auch an den Friedensgesprächen zwischen Amerikanern und Taliban liegen, vermutet der UN-Sondergesandte für Afghanistan.

          Bei einem Autobomben-Anschlag auf ein Polizeigebäude in Kabul sind nach Angaben der afghanischen Regierung mindestens 14 Menschen getötet und 145 weitere verletzt worden. Ein mit Sprengsätzen gefüllter Wagen war am Mittwochmorgen vor der Wache im Westen der Hauptstadt explodiert. In der unmittelbaren Umgebung befindet sich auch eine Militärschule. Die radikalislamischen Taliban bezichtigten sich des Angriffs. Ziel sei ein „Rekrutierungszentrum des Feindes“ gewesen.

          Bilder in sozialen Medien zeigten eine massive, schwarze Rauchwolke. Augenzeugen berichteten dem lokalen Fernsehsender „ToloNews“, es seien auch Schüsse zu hören gewesen. Das Innenministerium dementierte, dass es Angreifer gebe. Oft dringen nach einer Explosion mehrere bewaffnete Angreifer in Gebäude ein und versuchen, dort weitere Menschen zu töten.

          Erst in der Nacht zu Mittwoch waren mehrere Explosionen und wiederkehrende Schusswechsel im Zentrum und Norden Kabuls zu hören gewesen. Ein Sprecher des Geheimdienstes NDS, Haris Dschibran, teilte über Whatsapp mit, dass Spezialeinheiten des Geheimdienstes mehrere Einsätze gegen Terroristen in verschiedenen Gebieten Kabuls durchgeführt hätten. Eine Operation sei abgeschlossen, zwei weitere würden andauern. „Das größte feindliche Versteck wurde während der Operationen zerstört“, hieß es. Allerdings gab es keine Angaben, ob Verstecke der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) oder der Taliban angegriffen wurden.

          Vor allem Zivilisten wurden bei dem Anschlag auf das Polizeigebäude verletzt.

          Der Anschlag auf das Polizeigebäude war der sechzehnte größere Angriff in Kabul seit Januar. Bei den vorherigen Anschlägen wurden laut Behördenangaben knapp 100 Menschen getötet und fast 600 verletzt. Allerdings geben Regierungsbeamte Opferzahlen wohl öfter bewusst niedriger an. 

          Laut Angaben der Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) ist die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan im Juli signifikant gestiegen. Vorläufigen Ergebnissen zufolge seien mehr als 1500 Zivilisten verletzt oder getötet worden. Dies sei die höchste Monatszahl seit Mai 2017. Damit wurden allein im Juli fast halb so viele zivile Opfer verzeichnet wie im gesamten ersten Halbjahr 2019.

          „Mit der Intensivierung der Friedensbemühungen in den vergangenen Wochen hat auch der Konflikt vor Ort zugenommen“, erklärte der Sondergesandte der Vereinten Nationen (UN) für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto, bei Veröffentlichung der Zahlen Anfang August. Er forderte die Konfliktparteien auf, die militärische Eskalation zur Verbesserung der Verhandlungsposition in den Friedensgesprächen zu unterlassen.

          Ranghohe Vertreter der Taliban sprechen seit Juli 2018 mit den Vereinigten Staaten über eine politische Beilegung des fast 18 Jahre dauernden Konflikts. Aktuell läuft die achte Verhandlungsrunde im Golfemirat Qatar. In den vergangenen Tagen hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen. Laut Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid diskutierte am Mittwoch nur ein Teil der Verhandlungsdelegationen. Ein Komitee arbeite an technischen Fragen. 

          Bei den Gesprächen geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein „sicherer Hafen“ für Terroristen wird. Die Gespräche sollen in offizielle Friedensgespräche der afghanischen Regierung mit den Taliban münden. Auch ein Waffenstillstand wird diskutiert.

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