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Bundeswehr in Afghanistan : Der Abzug rückt näher, Rettungsflüge werden schwieriger

Treffpunkte sprechen sich rasend schnell herum und erschweren die Arbeit von Bundeswehrsoldaten in Kabul. Bild: Bundeswehr

In der Nacht auf Donnerstag konnte die Bundeswehr keine Schutzbedürftigen aus Kabul ausfliegen. Auch Spekulationen erschweren laut Generalinspekteur Eberhard Zorn die Anstrengungen, Menschen zu retten.

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          Der Bundeswehr fällt es in Afghanistan offenbar immer schwerer, Schutzbedürftige zum Flughafen Kabul zu bringen und auszufliegen. Anschlagsdrohungen, Chaos an den Zugängen und das nahende Ende der Luftbrücke erschweren den Soldatinnen und Soldaten die Arbeit. Nachdem am gestrigen Tag 539 Personen nach Taschkent in Usbekistan ausgeflogen werden konnten, gab es in der Nacht keine weiteren Flüge, anders als an den Vortagen.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte am Mittwochabend gesagt, sie hoffe, „dass wir noch Einige ausfliegen können“. Auch aus Sicherheitsgründen hatten weder die Ministerin noch der Generalinspekteur Eberhard Zorn genauere Zeitangaben gemacht. Ungeachtet dessen meldeten Medien wie Der Spiegel und Bild am Abend, das Ende der Mission stehe bereits für den heutigen Donnerstag bevor.

          „Jedes Gerücht löst dort Bewegungen aus“

          Zorn hatte gesagt: „Jede Spekulation, jedes Gerücht löst dort Bewegungen aus, Bewegungen, die unsere Anstrengungen erschweren, noch Menschen zu retten. Wir wollen wirklich bis ganz zum Schluss so viele Menschen wie möglich auf unsere Flieger bringen.“ Die Reihenfolge und zeitliche Abfolge des Abzug bis zum 31. August bestimmen die amerikanischen Streitkräfte, die derzeit mit noch mehr als 5000 Soldaten am Flughafen sind.

          Deutschland hatte ein Kontingent von etwa 200 Fallschirmjägern, Einheiten des Kommandos Spezialkräfte (KSK), Feldjägern sowie weitere Soldatinnen und Soldaten entsandt. Dass zweitgrößte Kontingent am Flughafen stellen die Briten. Großbritannien hat nach Angaben der Verteidigungsministerium aus der vergangenen Nacht insgesamt 11.474 Menschen aus Kabul evakuiert, darunter 6946 Afghanen.

          Hubschrauber könnten bis 31. August ausgeflogen werden

          Den Angaben zufolge sprechen sich auch die Treffpunkte, an denen etwa Soldaten des KSK kleine Gruppen von Schutzsuchenden in der Stadt abholen, rasend schnell herum. Im Grunde könne man jeden Treffpunkt nur einmal nutzen. Zorn sagte: „Alle Sammelpunkte sind nach einmaliger Nutzung quasi verbrannt.“ Die Ministerin sagte zu, es gehe auf jeden Fall die Rettung von Menschen vor der Bergung des Materials der Rettungsmission.

          Das könnte auch die beiden Hubschrauber der Spezialkräfte betreffen, die vergangenen Woche ebenfalls mit A400M-Transportern der Luftwaffe von Deutschland nach Kabul gebracht worden waren. Es könnte eventuell sein, dass die Hubschrauber später mit amerikanischen Transportmaschinen ausgeflogen werden, die bis Anfang nächster Woche, spätestens bis zum 31. August fliegen solle.

          Doch auch ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums stelle am Mittwoch klar: „Leben haben immer Priorität. Punkt.“ Seit Mittwoch früh hatten amerikanische Flugzeuge weitere 10.000 Personen evakuiert, insgesamt seien es bislang 88.000. Von der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Deutschland sollten nach einem Zwischenaufenthalt 1800 Afghanen in die Vereinigten Staaten gebracht werden.

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