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Afghanistan : Ratlos in Kabul

  • -Aktualisiert am

Bringt die internationale Gemeinschaft aus dem Konzept: Abdullah Abdullah Bild: AFP

Nach der Absage Abdullahs droht die für den 7. November angesetzte Stichwahl in Afghanistan - falls sie überhaupt stattfinden sollte - zur Farce zu werden.

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          Schon der von massiven Wahlfälschungen überschattete erste Durchgang der afghanischen Präsidentenwahl vom 20. August war, gemessen an den Erwartungen nicht allein der Optimisten, ein Fehlschlag gewesen; doch die für den 7. November angesetzte Stichwahl droht, falls sie überhaupt noch stattfinden sollte, endgültig zur Farce zu werden: Präsident Hamid Karzais Gegenkandidat, der ehemalige Außenminister Abdullah Abdullah, will nämlich gar nicht antreten.

          Er misstraut - wahrscheinlich zu Recht - der Wahlkommission und dem Ablauf der vorgesehenen Abstimmung. Aber was wäre von einer Stichwahl mit nur einem Kandidaten zu halten?

          Angeschlagene internationale Gemeinschaft

          Präsident Karzais ohnehin nicht besonders hohes Ansehen hat seit dem ersten Wahlgang noch mehr gelitten als zuvor. Und Afghanistan schien seither politisch wie gelähmt. Nun sieht es so aus, als werde Karzai endgültig demontiert - ob die Stichwahl, wie seine Leute bekräftigen, abgehalten werden wird oder nicht. Gelitten hat freilich auch das Ansehen der Weltgemeinschaft in Gestalt der Vereinten Nationen, die in demokratischen, wenigstens einigermaßen fairen Präsidentenwahlen einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung des Landes am Hindukusch gesehen hatten, alsbald aber erkennen mussten, dass diese Wahlen weder demokratisch noch fair gewesen sind, sondern in wesentlichen Teilen manipuliert.

          Durch eine Stichwahl, so hatte man gehofft, könne man den Schaden wieder einigermaßen gutmachen und Ansehen zurückgewinnen. Auch solche Pläne sind durch Abdullahs Verzicht wohl durchkreuzt worden.

          Die politisch krisenhafte Zuspitzung in Kabul fügt sich in eine Zeit, da der gesamte Komplex „Afpak“ - die brisante Lage in Afghanistan und Pakistan - die Weltöffentlichkeit mehr und mehr in Unruhe versetzt. Trotz mancher Erfolgsmeldungen scheint die pakistanische Armee gegenwärtig nicht in der Lage zu sein, die wieder erstarkten Taliban auf dem eigenen Territorium entscheidend in ihre Schranken zu weisen - mit allen grenzübergreifenden Folgen, die das auch für das Nachbarland Afghanistan hat. Davon zeugen die jüngsten schweren Anschläge in pakistanischen Städten, die teilweise unter den Augen des Militärs unternommen werden konnten. Seit dem Wochenende ist die Ratlosigkeit in Bezug auf Afghanistan wie den Komplex „Afpak“ weiter gewachsen, und dies beileibe nicht nur in Kabul.

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