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Afghanistan : Panetta entsetzt über Schändung von Leichnamen

  • -Aktualisiert am

Ein Standbild des You-Tube-Films, das auf Leichen urinierende Soldaten zeigt. Bild: REUTERS

Das Pentagon hat Untersuchungen wegen eines Videos eingeleitet, das amerikanische Soldaten zeigt, die offenbar auf die Leichen von getöteten Taliban-Kämpfern urinieren.

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          Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta hat die in einer Videoaufnahme gezeigte Schändung der Leichname von drei Taliban-Kämpfern durch amerikanische Soldaten als „absolut unangemessen“ beklagt. „Dieses Verhalten widerspiegelt nicht die Werte, für die unsere Streitkräfte eintreten“, sagte Panetta. Die Beteiligten würden dafür „in vollem Umfang“ zur Verantwortung gezogen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Ein Pentagon-Sprecher nannte das in den Aufnahmen gezeigt Verhalten „ungeheuerlich und ekelhaft“. Das Pentagon ordnete eine Untersuchung an. Auf dem Video sind Soldaten vermutlich des Marinekorps zu sehen, die auf getötete Taliban urinieren. Der afghanische Präsident Hamid Karzai forderte, die Täter zu ermitteln und hart zu bestrafen. Die Tat sei „zutiefst unmenschlich“.

          Ein Vertreter des Hohen Friedensrates der afghanischen Regierung sagte, wegen solcher Aufnahmen könnten die Taliban leicht junge Menschen rekrutieren. „Solche Taten haben einen sehr, sehr schlechten Einfluss auf die Friedensbemühungen“, sagte Arsala Rahmani.

          Ob das Video authentisch ist, wo und wann es aufgenommen wurde und wer es ins Internet gestellt hat, steht noch nicht fest. Das knapp 40 Sekunden lange Video ist seit Mittwoch im Umlauf. Darauf sind offenbar vier Soldaten des amerikanischen Marinekorps zu sehen, die lachend auf die Leichname von drei Männern urinieren. Die geschändeten Leichen tragen für Afghanistan typische Kleidung. Eine Video-Unterschrift beschreibt die Soldaten als Scharfschützen des Marinekorps und die Toten als Taliban. Schon im vergangenen März hatte die Veröffentlichung von Fotos, auf denen amerikanische Soldaten in Afghanistan mit Leichenteilen ihrer Opfer posieren, die Beziehungen zwischen Kabul und Washington belastet.

          Isaf verurteilte die Tat

          Auch die von der Nato geführte internationale Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) verurteilte die mutmaßliche Schändung der getöteten Taliban-Kämpfer. „Diese respektlose Tat ist unerklärlich und nicht in Übereinstimmung mit den hohen moralischen Maßstäben, die wir von Koalitionstruppen erwarten“, teilte die Isaf am Donnerstag mit. Die in dem Video gezeigten Taten „scheinen von einer kleinen Gruppe amerikanischer Soldaten ausgeführt worden zu sein, die offenbar nicht mehr in Afghanistan im Einsatz sind“.

          Die Taliban reagierten empört. „Das ist eine unmenschliche, unmoralische und brutale Tat der Besatzer“, sagte ein Taliban-Sprecher. Der Vorfall werde dazu führen, „dass die Amerikaner und ihre Alliierten ein kurzes Leben in Afghanistan haben“. Der Taliban-Sprecher sagte jedoch auch, das Video werde keine Auswirkungen auf die Pläne der Taliban haben, ein Verbindungsbüro in dem Golf-Emirat Qatar zu eröffnen. Er bekräftigte aber, dass die Eröffnung des Büros nicht gleichbedeutend mit der Bereitschaft zur Aufnahme von Friedensverhandlungen sei. In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung der Aufständischen hieß es, die Taliban hätten zwar ihre „politischen Bemühungen“ verstärkt. Das bedeute aber weder eine Abkehr vom bewaffneten „Dschihad“ noch eine Anerkennung der „Marionettenregierung in Kabul“.

          Karzai unterstützt Eröffnung des Taliban-Büros

          Die Taliban hatten in der vergangenen Woche ihre Bereitschaft zu einem „Dialog mit der internationalen Gemeinschaft“ signalisiert. Die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Qatar wird weithin als erster Schritt für diesen Dialog betrachtet. Der afghanische Präsident Karzai unterstützt inzwischen die Eröffnung eines solchen Taliban-Büros, nachdem er den Schritt zunächst abgelehnt hatte. Die Isaf will ihren Kampfeinsatz in Afghanistan 2014 beenden. Die afghanische Regierung und die Isaf bemühen sich seit längerem um Verhandlungen mit den Aufständischen. Kabul fordert aber als Voraussetzung für Gespräche einen Gewaltverzicht der Taliban.

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