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Nach Gesprächen in Doha : Hoffnung am Hindukusch

In Doha haben sich die Afghanen auf eine – wenn auch vage – gemeinsame Deklaration mit einem Fahrplan für einen Frieden verständigt. Bild: AFP

Wenn es in Afghanistan nach Jahrzehnten Krieg wieder Hoffnung auf Frieden gibt, ist das nicht zuletzt ein Verdienst der deutschen Diplomatie – auch wenn die schwierigste Arbeit noch bevorsteht.

          Ein Friedensabkommen zu Afghanistan ist zwar noch nicht unterzeichnet. Nach einer Konferenz in Doha, die Deutschland für den Dialog der Afghanen untereinander organisiert hat, sind die Hoffnungen bei allen beteiligten Akteuren jedoch gestiegen, dass in dem Land am Hindukusch nach mehr als 40 Jahren die Waffen niedergelegt werden und in der Gesellschaft eine Aussöhnung eingeleitet wird.

          Deutschland hat bei diesem Prozess eine besondere Rolle übernommen. Denn es stellt nach den Vereinigten Staaten die meisten Truppen zur Befriedung des Landes, und bei den Gesprächen in Doha ergänzen sich Washington und Berlin: Die Vereinigten Staaten verhandeln mit den Taliban über die Beendigung des Kriegs, und Deutschland bringt Politiker und Vertreter der Gesellschaft mit den Taliban an einen Tisch, um über die Zukunft des Landes zu sprechen.

          Ohne die Taliban ist kein Frieden möglich

          Deutschland genießt in Afghanistan hohes Ansehen und ist mit allen wichtigen Akteuren gut vernetzt. Eine große symbolische Bedeutung hätte es, würde Deutschland bald wieder, wie 2001, eine Konferenz zu Afghanistan ausrichten.

          Damals wurde auf dem Petersberg nach dem Sturz der Taliban die Machtübergabe an eine demokratisch legitimierte Regierung eingeleitet. Heute müssten auch die Taliban eingebunden werden, da ohne sie in Afghanistan ein Frieden nicht möglich ist. Das haben auch die Amerikaner erkannt. Deshalb sprechen sie seit Jahresbeginn mit den Taliban.

          In Doha haben sich die Afghanen auf eine – wenn auch vage – gemeinsame Deklaration mit einem Fahrplan für einen Frieden verständigt. Bei früheren Gesprächen hatten sie sich nur gegenseitig zugehört. Die schwierigste Arbeit steht noch bevor, wenn sich die Afghanen auf die künftige politische Ordnung und die Verfassung verständigen müssen, über die Rolle der Frau und darauf, wie viel Islam es in dem Land geben soll.

          Washington und Berlin haben unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie sich nur dann aus Afghanistan zurückziehen, wenn ein Mindestmaß an Grundfreiheiten gesichert ist. Nach Doha sind aber die Taliban eingeladen worden, die zu einem Frieden bereit und die gebildet sind. Unklar ist, ob sie auch ihre verbohrten Mitstreiter in Afghanistan überzeugen können, die Waffen niederzulegen und Kompromisse einzugehen.

          Wenn es jedoch in Afghanistan nach Jahrzehnten Krieg wieder Hoffnung gibt, ist das nicht zuletzt ein Verdienst der deutschen Diplomatie.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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