https://www.faz.net/-gpf-y3fw

Afghanistan : Mit großem Kaliber gegen die Taliban

Allerdings haben die Soldaten auch das vermerkt: Die Taliban haben schnell gelernt. Bei einer weiteren Operation blieb ein erwarteter Angriff auf die mit Mardern ausgestattete Spitzenkompanie aus, hingegen wurde auf dem Rückmarsch eine andere Kompanie angegriffen, die nicht über Schützenpanzer verfügte.

Weiterhin ausgeschlossen wird der „Leopard 2“

Die Lehre für die deutschen Einsatzführer lautete, nun auch mehr Marder zur Verfügung zu stellen. Statt bislang zehn sind es nun zwanzig; im November sollen weitere fünf hinzukommen. Ein Einsatz des Kampfpanzers Leopard 2, dessen 120-Millimeter-Kanone noch weit größere Reichweite und Durchschlagskraft hat, wird hingegen nach wie vor ausgeschlossen.

Neben dem um noch einmal zwanzig Tonnen schwereren Gewicht spricht für die Einsatzplaner wohl vor allem der logistische Zusatzaufwand dagegen, noch einen weiteren Panzertyp einzusetzen, der wiederum eine eigene Besatzung, seine eigene Munition und seinen eignenen Ersatzteile benötigt.

Die „Panzerhaubitze 2000“ als Festungsartillerie

Zudem steht seit Ende Juni das schwerste Waffensystem des deutschen Heeres, die Panzerhaubitze 2000, einsatzbereit in Kundus. Mitte April hatte Verteidigungsminister zu Guttenberg verkündet, dass die Panzer schnellstmöglich nach Afghanistan verlegt werden sollten. Sie dürften wohl vorwiegend als Festungsartillerie dienen, um das Lager, aber auch alle eigenen Bewegungen im Umkreis von bis zu 30 Kilometern zu schützen.

Dabei geht es nicht nur um die Wirkung der tödlichen Granaten. In unsicherer Lage oder während eines Gefechts kann auch Nebelmunition verschossen werden, um die eigene Truppe zu decken. Am vorigen Samstag hatte sie ihre erste Bewährungprobe: Fünf Schuss mit scharfer Munition wurden abgegeben, um die Bergung eines durch einen Sprengstoffanschlag beschädigten Fahrzeugs zu ermöglichen.

Bis dahin waren die drei Geschütze lediglich eingeschossen worden, also gewissermaßen feinjustiert unter den Bedingungen des Einsatzgebiets. Etwa 20 Kilometer entfernt lag das Zielgebiet. Die Bundeswehr vermeldete, die Schüsse hätten gut im Ziel gelegen, es seien auch Volltreffer dabei gewesen.

Die allerneueste Munition, die auf Punktziele programmiert werden könnte, hat die Bundeswehr freilich noch nicht in ihren Beständen. Die Haushaltslage erschwert eine schnelle Beschaffung. Heeres-Inspekteur Generalleutnant Freers schrieb daher Ende April an den zuständigen Staatssekretär Otremba: „Weder Mörser (Reichweite bis zu 10 Kilometer), noch Panzerhaubitzen (Reichweite bis 40 Kilometer) werden daher absehbar über moderne Präzisionsmunition verfügen.

Das ist angesichts der Lage im Einsatz und der bedeutend größeren Wirkung zum Schutz der Truppe als auch der Bevölkerung nicht mehr akzeptabel.“ Tatsächlich soll die Beschaffung doch noch realisiert werden. Aber bis die Munition getestet ist und eingesetzt werden kann, dürfte wohl das Jahr 2013 angebrochen sein.

Die Hemmnisse sind gefallen

Gleichwohl sind im Verlauf von nur einem Jahr die politischen Hemmnisse gefallen, in Afghanistan mit größerem Kaliber zu schießen. Die Realität der „kriegsähnlichen Zustände“ bei Kundus mag das bewirkt haben, der doppelte Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums und der militärischen Spitze der Bundeswehr hat es ungemein beschleunigt.

Man darf vermuten, dass der neue, einsatzerfahrene Generalinspekteur Wieker mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren würde, wenn der Truppe wieder aus politischen Erwägungen der Einsatz der Waffen, die sie nun zur Verfügung hat, verwehrt würde.

Doch dass die vernichtende Wirkung schwererer Waffen auch bei unbeabsichtigten Treffern auf Zivilisten oder Verbündete größer ist und auch politische Misshelligkeiten zur Folge hat, hat sich bei einem Einsatz des Marders ebenfalls schon bitter erwiesen: als am Karfreitagabend fünf afghanische Soldaten versehentlich mit der Maschinenkanone getötet wurden. Die Wirkung vor allem der Artillerie ist nur graduell anders als die von Kampfhubschraubern, die die Bundeswehr noch nicht hat, und von Kampfflugzeugen, die die Bundeswehr nicht einsetzen will.

Weitere Themen

Conway sorgt für nächsten Eklat Video-Seite öffnen

Trump-Beraterin : Conway sorgt für nächsten Eklat

Die Seniorberaterin des Weißen Hauses, Kellyanne Conway, verteidigt den amerikanischen Präsidenten auf denkwürdige Weise. Während einer Pressekonferenz fragt sie einen der Reporter nach seiner ethnischen Herkunft, um Trumps Äußerungen zu verteidigen.

Topmeldungen

Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.