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Afghanistan : Militärs: 130 Extremisten bei Offensive nahe Kundus getötet

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten im Einsatz in Afghanistan Bild: AP

Bei Kundus haben Soldaten der afghanischen Armee zusammen mit amerikanischen Spezialkräften in den vergangenen Tagen 130 Aufständische getötet. Deutsche Soldaten waren an der Operation nicht beteiligt. Im Streit über die Regierungsführung des afghanischen Präsidenten Karzai verschärft sich unterdessen der Ton.

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          Bei Kundus haben Soldaten der afghanischen Armee zusammen mit amerikanischen Spezialkräften in den vergangenen Tagen zahlreiche Aufständische getötet. Nachrichtenagenturen zitierten afghanische und amerikanische Sprecher mit der Angabe, unter den 130 Getöteten seien acht Taliban-Anführer.

          Die Operation „Wadi-e-Kauka“ fand seit vergangenem Dienstag in einem Gebiet nordwestlich der Stadt Kundus statt, das wegen der Lage zwischen zwei Flüssen „Zweistromland“ genannt wird. Es gilt als Rückzugsraum der Taliban. Obwohl es innerhalb der Nato-geführten Afghanistanschutztruppe Isaf zum Zuständigkeitsgebiet des Wiederaufbauteams (PRT) Kundus gehört, das von der Bundeswehr geführt wird, waren deutsche Soldaten an der Operation nicht beteiligt. An dem Einsatz in der Provinz Kundus waren nach amerikanischen Militärangaben rund 700 afghanische und etwa 50 internationale Soldaten beteiligt. Zu den afghanischen Sicherheitskräften zählten, wie es von Militärs hieß, auch Polizei- und Geheimdienstleute. In der Operation wurde mehrmals auch Luftunterstützung eingesetzt, wobei Bomben und Bordwaffen der Kampfflugzeuge gebraucht wurden.

          OEF-Operation

          Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte in Berlin, es sei eine Operation unter afghanischer Führung mit amerikanischer Beteiligung unter dem Mandat Operation Enduring Freedom (OEF) gewesen. Die Isaf sei informiert worden, sei aber nicht beteiligt. Eine Beteiligung der Isaf sei von den Afghanen auch nicht geplant gewesen. In Kundus sind unter Isaf-Mandat vor allem deutsche, belgische und amerikanische Soldaten tätig, es können aber auch Verbindungs- und Mentorenteams (OMLT) aus anderen Nato-Staaten im Raum sein, wenn die von ihnen betreuten afghanischen Einheiten dort operieren. Sofern afghanische Einheiten mit deutschen OMLT in der Operation „Wadi-e-Kauka“ eingesetzt waren, müssten die deutschen Soldaten daraus abgezogen worden sein.

          Weil Deutschland national keine Kräfte mehr für OEF in Afghanistan mandatiert hat, können auch Spezialkräfte der Bundeswehr an einem OEF-Einsatz nicht beteiligt werden, auch wenn sie gerade in Afghanistan eingesetzt sind. Vor einem Jahr hatte die Bundesregierung die Option, bis zu hundert Spezialkräfte unter dem OEF-Mandat in Afghanistan einzusetzen, gestrichen. Deutscherseits sind im Rahmen des OEF-Mandats nur noch Marinekräfte vor Somalia im Einsatz. In Afghanistan achtet die Bundeswehr auf eine Abgrenzung zwischen Isaf- und OEF-Mandat - durchaus zum Befremden einiger Verbündeter, die das anders halten. So trat auch der amerikanische Sprecher, der sich zu der Operation bei Kundus äußerte, als Nato-Sprecher auf, obwohl die Nato nur Isaf führt, nicht aber die OEF-Koalition.

          Ton gegenüber Karzai wird schärfer

          Im Streit über die Regierungsführung des afghanischen Präsidenten Karzai verschärft sich unterdessen der Ton. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton machte am Montag in Berlin zusätzlichen Einsatz des Westens in Afghanistan von der künftigen Politik der Regierung in Kabul abhängig. „Wir werden an die afghanische Regierung höhere Anforderungen stellen“, sagte sie. Karzai müsse die Korruption in seinem Land „ausmerzen“, forderte Frau Clinton nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Westerwelle. Westerwelle verlangte von Karzai, dass er „gute Regierungsführung“ zu seinem Maßstab mache. Karzai hatte zuvor das Ausland mitverantwortlich für die Korruption in seinem Land gemacht. Dem amerikanischen Sender PBS sagte er, das viele Geld aus dem Ausland habe eine bis dahin ungesehene Art von Korruption nach Afghanistan gebracht, die sehr viel schwerwiegender sei. Dabei gehe es etwa um mangelnde Transparenz bei der Auftragsvergabe und Korruption bei der Verwirklichung von Projekten. Konkrete Beispiele nannte Karzai aber nicht. Der Kampf gegen die Korruption in seiner Regierung habe längst begonnen, sagte Karzai. „Wo wir tatsächlich korrupte Praktiken von ranghohen Regierungsvertretern festgestellt haben, haben wir gehandelt. Sie sind im Gefängnis.“

          Tote bei Anschlag in Peshawar

          Bei einem Selbstmordanschlag in der nordwestpakistanischen Provinzhauptstadt Peshawar sind mindestens drei Personen getötet und fünf verletzt worden. Pakistanischen Medienberichten zufolge sprengte sich am Montag ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines Polizeipostens in die Luft. Erst am Vortag waren zwölf Menschen bei einem Bombenanschlag in einem Vorort Peshawars ums Leben gekommen. Trotz einer Offensive in Süd-Wasiristan, die nach Armeeangaben erfolgreich verläuft, haben die Terroraktivitäten der pakistanischen Taliban nicht nachgelassen.

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