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Afghanistan : Massenausbruch der Taliban aus Gefängnis

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Weder Bewachung noch hohe Mauern haben genutzt: Aus dem Gefängnis in Kandahar konnte bis zu 500 Insassen durch einen Tunnel fliehen Bild: AFP

Durch einen Fluchttunnel sind mehr als 500 Taliban aus einem Gefängnis in der südafghanischen Stadt Kandahar ausgebrochen. Unter ihnen sollen sich auch 100 Kommandeure befinden.

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          Im südafghanischen Kandahar ist hunderten von Taliban die Flucht aus einen Gefängnis gelungen. Der Gouverneur der Provinz, Toryalai Weesa, teilte am Montag mit, insgesamt 475 Gefangene seien durch einen mehr als 300 Meter langen Tunnel entkommen. Nur bei einem der geflohenen Männer habe es sich um einen Kriminellen gehandelt. Der Tunnel habe vom Trakt für „politische Gefangene“ in ein Haus in der Nachbarschaft geführt. Er müsse Ergebnis monatelanger Arbeit sein. Sicherheitskräfte hätten nach der Erstürmung und Durchsuchung des Anwesens Bomben und Sprengstoffwesten für Selbstmordattentäter gefunden, teilte der Gouverneur ferner mit.

          Einige der Häftlinge wurden nach Behördenangaben im Zuge der eingeleiteten Großfahndung noch am Montag wieder festgesetzt. Die Taliban bezichtigten sich, die Massenflucht ins Werk gesetzt zu haben. Ein Sprecher teilte mit, drei Insassen seien vorab von den Ausbruchplänen informiert worden und hätten den Taliban geholfen. Nach angaben der Extremisten wurden 50 Mann befreit, unter ihnen auch 100 Kommandeure. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai sprach von einen „schweren Schlag“, der Gouverneur Kandahars von „Versagen“ des Gefängnispersonals und des Geheimdienstes.

          „Rückschlag“ im Kampf gegen die Extremisten

          Die Nato geführte Schutztruppe Isaf bot den Behörden ihre Unterstützung an. Der Vorfall sei ein „Rückschlag“ im Kampf gegen die Extremisten, sagte Isaf- Sprecher Joseph Blotz. Nach Angaben eines weiteren Taliban Sprechers hatten die Drahtzieher des Ausbruchs auch nachgemachte Schlüssel für die Gefängniszellen erhalten. Die Gefangenen konnten so zum Tunneleingang gelangen und seien in Gruppen von vier bis fünf Mann nach in den Tunnel geschickt worden. Dreieinhalb Stunden habe es gedauert, bis der letzte unbemerkt entkommen sei. Die Häftlinge seien dann an sichere Orte gebracht worden.

          Ein Soldat steht Wache vor dem Gefängnis in Kandahar

          Unterdessen wurde in der südafghanischen Provinz Helmand der frühere Distriktchef von Mardschah getötet. Nach Angaben der Provinzregierung erschossen Unbekannte Abdul Zahir am Samstagabend in der Provinzhauptstadt Lashkar Gah. Zahir sollte im vergangenen Jahr nach einer massiven Militäroperation zur Vertreibung der Taliban eine funktionierende Verwaltung in dem Distrikt aufbauen. Er war nach sechs Monaten von seinem Posten zurück- und dem Friedensrat der Provinz beigetreten. 1989 war er nach Deutschland geflohen, wo er für mehrere Jahre gelebt hatte und für etwa vier Jahre wegen versuchten Totschlags im Gefängnis saß. Derweil wurden nach Isaf-Angaben vier Soldaten bei Anschlägen im Süden und Osten des Landes getötet.

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