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Afghanistan : London wusste von Misshandlung

Der ehemalige britische Außenminister David Miliband Bild: AP

Das Londoner Außenministerium hat von Misshandlungen britischer Terrorverdächtiger gewusst. Das geht aus Verhörprotokollen des Inlandsgeheimdienstes MI 5 hervor, die die britische Zeitung „Guardian“ jüngst veröffentlicht hat.

          Dokumente, die die britische Zeitung „Guardian“ jüngst veröffentlicht hat, belegen in detaillierter Weise das Wissen britischer Behörden um Misshandlungen von Terrorverdächtigen mit britischem Pass. Die Dokumente zeigen erstens, dass das Londoner Außenministerium Bedenken hatte, weil britische Staatsbürger, die in Afghanistan in amerikanischem Gewahrsam gehalten wurden, nicht in den Genuss der üblichen konsularischen Betreuung kamen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In einem Bericht heißt es, die Begründung, es müsse erst die Identität der Betreffenden festgestellt werden, werde zunehmend „fadenscheinig“. In einem anderen, jetzt freigegebenen Dokument heißt es, die damalige Labour-Regierung halte es für „die beste Möglichkeit“, die festgesetzten Verdächtigen mit britischem Pass nach Guantánamo bringen zu lassen, statt sie nach Großbritannien zu holen oder in Obhut der britischen Truppen in Afghanistan zu nehmen.

          „Die volle Wahrheit aus ihm herauszubringen“

          Zu den freigegebenen Schriftstücken gehören auch Verhörprotokolle zweier Mitarbeiter des britischen Inlandsgeheimdienstes MI 5, die auf einem amerikanischen Militärstützpunkt in Afghanistan den Briten Omar Deghayes befragten. Sie stellten fest, er werde im Gewahrsam „schlecht behandelt“ und habe sich beklagt, dass „ihn die Pakistanis besser behandelt hätten als die Amerikaner“.

          Die Geheimdienstfahnder notierten weiter: „Wir hörten zu, gaben aber keinen Kommentar ab.“ Sie berichteten, sie hätten den Verdächtigen als unkooperativ erlebt und wollten einen letzten Versuch machen, „die volle Wahrheit aus ihm herauszubringen“. Wenn er bei seiner Geschichte bleibe, „werden wir die Ereignisse hier ihren Lauf nehmen lassen“.

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