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Afghanistan : Leopardenjagd am Hindukusch

„Eine phantastische Waffe”, sagen Verbündete über den Leopard 2 Bild: picture-alliance/ dpa

Im Süden Afghanistans kämpfen keine deutschen Soldaten, wohl aber deutsche Panzer. Die mit dem neuen Schutzpaket ausgerüsteten Leopard 2 gelten als Stolz der deutschen Wehrindustrie. Immer öfter werden sie aber zum Ziel von Taliban-Anschlägen.

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          Berlin. Am 26. Februar durchpflügt ein dänischer Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 den Boden Afghanistans. Er fährt abseits der Straßen und Wege - Normalbetrieb für ein solches Fahrzeug. Plötzlich übertönt ein ohrenbetäubender Knall das Brüllen des Zwölf-Zylinder-Motors, der das 55-Tonnen-Gefährt antreibt. Die Dänen sind von einer Sprengladung getroffen worden, wissen bis heute nicht genau, ob es eine ferngezündete Ladung oder eine Mine war. Eine Kette des Fahrzeugs wird zerfetzt. Verletzt wird niemand. Der Panzer ist noch so manövrierfähig, dass er aus eigener Kraft zurück ins Lager kommt und repariert werden kann. Um die Kette eines Leopard 2 zu zerstören, ist eine große Sprengladung erforderlich. In der dänischen Armee hat man anschließend nur lobende Worte für das Fahrzeug des deutschen Rüstungsherstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) übrig: „Eine phantastische Waffe.“

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          „Der Leopard ist überall gerne gesehen“

          Knapp zwei Wochen später spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Crème de la Crème deutscher Offiziere über Kampfpanzer. Vor der Kommandeurtagung der Bundeswehr sagt sie am Montag, wenn Deutschland ein „international geachteter Partner“ sein wolle, müsse es bereit sein, seine Soldaten gut ausgerüstet in die Welt zu schicken, damit nicht andere „von oben auf uns herabschauen“. Was die technischen Fähigkeiten angeht, die Deutschland zu bieten hat, macht sich die Kanzlerin keine Sorgen. Sie erlebe, „dass man auf manches, was wir haben, ganz scharf ist in der Welt“. So erfreuten sich „unsere schönen Fregatten“ größter Beliebtheit beim Libanon-Einsatz, auch die „schönen Tornados“ erwähnt Frau Merkel, die gleich darauf mit ihren mangelnden militärischen Kenntnissen kokettiert. Und weiter spricht die Kanzlerin: „Der Leopard ist auch überall gerne gesehen.“

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          Womit wir wieder bei den Dänen wären. Und bei den Kanadiern. Die haben nämlich auch Leopard-2-Panzer im Süden Afghanistans im Einsatz. So verärgert die Kanadier darüber sind, dass die Bundeswehr nicht ihre Soldaten zum Kämpfen in den Süden des Landes am Hindukusch schickt, so dankbar sind sie dafür, dass sie wenigstens Schutz und Kampfkraft aus deutschen Landen in Form des Leopard 2 bekommen. Hundert gebrauchte Exemplare haben sie von den Niederländern gekauft, zwanzig von der Bundeswehr gemietet.

          Der Inbegriff des mililtärischen Kampffahrzeugs

          Anfang November gerieten kanadische Soldaten im Süden Afghanistans in eine Sprengfalle mit, wie es später hieß, extrem großer Sprengkraft. Alle vier Insassen des Leopard 2 überlebten weitgehend unverletzt, lediglich der Fahrer hatte sich die Hüfte gebrochen, weil er seine Sitzgurte nicht korrekt angelegt hatte. Der Kommandant des Fahrzeugs schickte den Deutschen anschließend ein humorvolles Dankesschreiben dafür, dass der Panzer das Leben der vier Insassen gerettet habe. Diese würden somit in die Geschichte eingehen als die erste Besatzung, die das neue Schutzpaket des Leopard A26M getestet habe. Der Panzerführer entschuldigte sich für „ein bisschen mehr Arbeit auf Ihrem Schreibtisch“, den der Vorfall mit dem gemieteten Panzer verursachen werde.

          Und die Deutschen? 2006 befahl Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), wegen der schlechten Sicherheitslage dürften die Bundeswehrsoldaten nur noch in gepanzerten Fahrzeugen ihre Patrouillenfahrten antreten. Gemeint waren aber nur Geländewagen und Mannschaftstransporter. An einen Einsatz des Stolzes der deutschen Wehrindustrie, des Leopard 2, oder vergleichbarer schwerer Fahrzeuge denkt niemand in Berlin. Die verzweifelten Versuche der Regierung, das Wort „Kampfeinsatz“ zu unterdrücken für das, was Tausende Bundeswehrsoldaten am Hindukusch leisten, wäre endgültig zum Scheitern verurteilt, wenn man mit dem Leopard 2 den Inbegriff des militärischen Kampffahrzeugs nach Afghanistan schickte - und sei es nur zum Schutz der Soldaten und für eine robustere Wirkung des eigenen Auftritts.

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