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Afghanistan-Konferenz : „Überwältigende Sehnsucht nach Erfolg"

Schröder und Karzai: „Langer Atem” Bild: REUTERS

Zum Auftakt der Konferenz in Berlin hat der afghanische Präsident Hamid Karzai die internationale Gemeinschaft zu weiteren Hilfen für sein Land aufgerufen. Vieles bleibt aber im Ungefähren.

          4 Min.

          Um zwei Minuten vor elf Uhr fehlt noch das Namensschild für die deutsche Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul. Ansonsten ist die internationale Gemeinschaft mit all ihren Insignien komplett im teakholzdunklen Ballsaal des Berliner Hotels "Intercontinental".

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eine eilige Geste, eine rasch entbotene Verehrung der elegant verschleierten Repräsentantin der afghanischen Zivilorganisationen Taiwar Kakar an ihren wie stets aristokratisch wirkenden Präsidenten setzt dann, kurz vor den offiziellen Eröffnungsworten, das Zeichen für einen anhaltenden Ton gegenseitigen Dankens, Lobens und einander Erinnerns. Er bestimmt die gesamte Stunde der Auftaktsitzung im Saal, nur eine kurze Zeit unterbrochen von eindringlichen Mahnungen des einstigen Sondergesandten der Vereinten Nationen für Afghanistan, Brahimi.

          Schröder: „Schlüsselrolle der Vereinten Nationen“

          Zunächst aber rühmt Bundeskanzler Schröder Karzai, dem "allen voran" die bisherigen Erfolge bei der Stabilisierung Afghanistans zu danken seien. Und die Gelegenheit zu dezentem Selbstlob läßt Schröder auch nicht aus, in einem unausgesprochenen Vergleich zur Entwicklung im Irak versteckt und ein Lob für die Vereinten Nationen verpackt: "Die positive Entwicklung Afghanistans zeigt, was erreicht werden kann, wenn wir unsere Kräfte bündeln. Die Vereinten Nationen haben hier eine Schlüsselrolle übernommen und sind ihrer Verantwortung auf ganz hervorragende Weise gerecht geworden."

          Der Stolz auf das Erreichte drückt sich in konkreten Sachverhalten aus, das gilt für Schröder wie für Karzai, der anschließend die Würdigungen, die ihm galten, an "Deutschland" und die internationale Gemeinschaft zurückgibt. Die künftigen Aufgaben hingegen bleiben hingegen überwiegend noch im Ungefähren. Der Bundeskanzler gebraucht Wendungen wie: "Wir brauchen einen langen Atem, und den haben wir." Er sagt Sätze, die lauten: "Wir sollen die afghanische Regierung in ihrem Bemühen unterstützen, überall im Land Sicherheit zu gewährleisten und Rechtsstaatlichkeit zu verankern. Und zwar nicht nur auf dem Papier. Sondern auch in den Köpfen und Herzen der Menschen."

          Aufgeweckter Applaus

          Karzai wiederum verläßt sein vorbereitetes Textpapier nach einem Drittel der Zeit, um mit freien Worten wenigstens die Herzen und Köpfe der 65 Delegationen im Saal zu erreichen. Er malt am Ende das Bild eines Afghanistans, das einzigartig und zugleich auch Vorbild sein könne in der arabischen Welt durch die Art und Weise, wie es international kooperiere und aus dieser Zusammenarbeit mit der westlichen Welt auch Stabilität und wirtschaftliches Wohlergehen gewinne.

          „Wir haben in Afghanistan eine überwältigende Sehnsucht nach Erfolg", ruft der Präsident in die Versammlung, die sich dafür mit aufgewecktem Applaus bedankt. Dem Sondergesandten der Vereinten Nationen bleibt es in der Eröffnungssitzung überwiegend vorbehalten, konkret zu werden. Brahimi setzt schon dadurch einen anderen Akzent, daß er die für September in Aussicht genommenen afghanischen Wahlen nicht als Schlußpunkt jenes Entwicklungsprozesses bezeichnet, der vor drei Jahren auf dem Bonner Petersberg mit der ersten Afghanistan-Konferenz begonnen wurde.

          Sicherheit als Herausforderung

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