https://www.faz.net/-gpf-6ut5g

Afghanistan-Konferenz : Karzai will Sicherheitsverantwortung massiv ausweiten

  • Aktualisiert am

Afghanistans Präsident Karzai mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül in Istanbul Bild: dapd

Afghanistans Präsident Karzai will bereits jetzt einen großen Teil der Sicherheitsverantwortung einheimischen Soldaten und Polizisten anvertrauen. Dies sagte er auf einer Sicherheitskonferenz in Istanbul.

          2 Min.

          Afghanistan will noch vor Ende des Jahres selbstständig für die Sicherheit von rund 50 Prozent seiner Bevölkerung sorgen können. Präsident Hamid Karzai sagte am Mittwoch auf einer regionalen Sicherheitskonferenz in Istanbul, er werde in naher Zukunft weitere Gebiete bekanntgeben, in denen afghanische Armee und Polizei die Verantwortung von der Nato-geführten Schutztruppe Isaf übernehmen werden.

          Fast jeder zweite Afghane befinde sich dann unter dem Sicherheitsschirm einheimischer Kräfte. Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung hat bereits im Juli begonnen und soll mit dem Abzug der Nato-Kampftruppen Ende 2014 abgeschlossen sein. Im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes mit neun Provinzen betraf der erste Schritt nur die relativ sichere Provinzhauptstadt Mazar-i-Scharif. Es wird erwartet, dass Karzai Mitte November die nächsten Städte, Distrikte und Provinzen verkünden wird.

          Nach vorläufigen Angaben der zuständigen afghanischen Behörde aus der vergangenen Woche sollen 17 der insgesamt 34 Provinzen teilweise oder ganz übergeben werden, sechs davon liegen im Norden. Diese Liste kann sich allerdings noch ändern, da die letzte Entscheidung bei Karzai liegt. Nicht enthalten sind die beiden gefährlichsten Provinzen im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr, Kundus und Baghlan.

          Westerwelle: Langfristige Partnerschaft

          An der Konferenz in Istanbul nahmen 26 Staaten teil, darunter Pakistan, Indien und der Iran. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen den Ländern Zentral- und Südasiens in Sicherheitsfragen zu verbessern. Die Istanbuler Tagung zählte zu den wichtigsten Vorbereitungstreffen für die Afghanistan-Konferenz in Bonn.

          Am 5. Dezember soll dort über die Zeit nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen debattiert werden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sicherte Afghanistan eine langfristige Partnerschaft zu. Der Abzug der Kampftruppen 2014 bedeute nicht das Ende der internationalen Präsenz am Hindukusch. „Wir werden den Afghanen noch lange Zeit beistehen“, sagte Westerwelle.

          Das Engagement werde künftig aber vor allem zivil sein. Westerwelle sagte, bei der Suche nach einer politischen Lösung müsse die Region eingebunden werden. „Die gesamten Nachbarstaaten müssen mitmachen, wenn es in Afghanistan gelingen soll.“

          Gruppenbild mit Dame: Teilnehmer der Istanbuler Afghanistan-Konferenz, in der ersten Reihe Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar

          Karzai: Taliban-Führung ist in Pakistan

          Bisher gebe es zu viel Konfrontation und zu wenig Kooperation. Pakistan spiele eine „ganz zentrale Rolle“, aber auch Iran. Deswegen sei es wichtig, den Gesprächsfaden zu Teheran nicht abreißen zu lassen.

          Nach Überzeugung Karsais organisieren die Taliban den Kampf in Afghanistan weiterhin von Pakistan aus. Ohne Teilnahme der obersten Führung der Aufständischen, die ihre Basis im Nachbarland habe, könne ein afghanischer Friedensprozess nicht gelingen, sagte Karsai. Um sie in einen solchen Prozess zu integrieren, hoffe er auf „die Hilfe unserer pakistanischen Brüder“.

          Iran kritisiert Nato

          Der iranische Außenminister Ali-Akbar Salehi erhob schwere Vorwürfe gegen die Nato. „Den ausländischen Truppen ist die Lage der Menschen in Afghanistan egal“, sagte er. Zehn Jahre nach Beginn des internationalen Militäreinsatzes gebe es in Afghanistan weder Frieden noch Stabilität. „Die Nato hat es nicht einmal geschafft, die hiesigen Sicherheitskräfte auszubilden, damit diese selbst die Verantwortung übernehmen können.“

          Die Teilnehmer einigten sich in Istanbul auf gemeinsame Prinzipien, zu denen die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten zählt. Sie sagten außerdem zu, Terrorismus entschieden zu bekämpfen und Afghanistan auf dem Weg zu Frieden und Stabilität zu unterstützen. Im Juni kommenden Jahres wollen die Außenminister aus der Region in Kabul zusammentreffen.

          Weitere Themen

          Die Wut wächst

          Nach Tod von George Floyd : Die Wut wächst

          Tausende Menschen sind in London, Berlin und Kopenhagen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd auf die Straße gegangen. In Amerika eskaliert die Lage weiter. Donald Trump macht die Antifa verantwortlich – und will sie als Terrororganisation einstufen lassen.

          Topmeldungen

          Nach Tod von George Floyd : Die Wut wächst

          Tausende Menschen sind in London, Berlin und Kopenhagen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd auf die Straße gegangen. In Amerika eskaliert die Lage weiter. Donald Trump macht die Antifa verantwortlich – und will sie als Terrororganisation einstufen lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.