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Afghanistan : Karzai kündigt Kampf gegen Korruption an

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Afghanistans Präsident Karzai hat angekündigt, eine Regierung zu bilden, der alle Volksgruppen angehören sollen. Zuvor hatte der amerikanische Präsident Barack Obama ihm telefonisch zum Wahlsieg gratuliert und ihn gebeten, den Kampf gegen die Korruption zu verstärken.

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          Der alte und neue afghanische Präsident Hamid Karzai hat angekündigt, „mit allen Mitteln“ gegen Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch vorzugehen. Am Tag nach der Verkündung seines umstrittenen Wahlsieges gestand Karzai in Kabul ein, dass seine Regierung durch Korruption „ernsthaft diskreditiert“ sei. Er wolle das Land von diesem „Stigma“ befreien.

          Zuvor hatte der amerikanische Präsident Barack Obama ihm telefonisch zum Wahlsieg gratuliert und ihn nach Angaben des Weißen Hauses in Washington gebeten, die Bemühungen im Kampf gegen die Korruption zu verstärken.

          „Zweiter Wahlgang wäre besser gewesen“

          Karzai kündigte am Dienstag an, eine Regierung zu bilden, der alle Volksgruppen angehören sollen. Den Rückzug seines Rivalen Abdullah Abdullah, der Karzais Sieg ohne zweiten Wahlgang möglich gemacht hatte, bedauerte er: „Für das Land, für den demokratischen Prozess und für uns wäre es besser gewesen, hätte unser Bruder Abdullah teilgenommen und der zweite Wahlgang stattgefunden.“ Ob Weggefährten Abdullahs - oder dieser selbst - Teil der Regierung werden, blieb am Dienstag unklar.

          Will für alle Afghanen da sein: der alte und neue Präsident Hamid Karzai

          Zugleich forderte Karzai die Aufständischen zur Zusammenarbeit auf. „Wir rufen unsere Taliban-Brüder auf, nachhause zu kommen und ihr Land wieder anzunehmen.“

          Diese reagierten mit Hohn und äußerten sich abfällig über den Wahlprozess. „Erstaunlich ist, dass Washington und London ihrem Marionettenpräsidenten vor zwei Wochen Wahlbetrug vorgehalten haben, und nun, nachdem er auf der Grundlage der selben Ergebnisse zum Sieger erklärt wurde, sofort ihre Glückwünsche schickten“, hieß es in einer Mitteilung, die die französische Nachrichtenagentur AFP wiedergab.

          In einer weiteren Stellungnahme reklamierten die Taliban für sich, den Wahlprozess mit ihren Terroraktivitäten gelähmt zu haben und brüsteten sich mit dem Mord an fünf Wahlhelfern im UN-Gästehaus in Kabul. Sie kündigten an, ihren Kampf fortführen.

          Präsident Obama sagte während seines Glückwunschanrufs bei Karzai, dass die Führung in Kabul einen entschlosseneren Kampf gegen die Korruption führen und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte beschleunigen müsse. Wie das Weiße Haus am Dienstag mitteilte, habe Obama Karzai aufgefordert, ein „neues Kapitel“ in der Geschichte Afghanistans aufzuschlagen. Für die notwendigen Veränderungen in Afghanistan seien nun „Taten und nicht Worte erforderlich“, sagte Obama. Das Weiße Haus ließ zudem keinen Zweifel an der Legitimität Karzais als Präsident. Die Entscheidung der afghanischen Wahlkommission entspreche den Gesetzen des Landes, sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs. Über die Entsendung zusätzlicher amerikanischer Soldaten nach Afghanistan werde der Präsident „in den kommenden Wochen“ entscheiden, sagte Gibbs.

          Obamas Stabschef Rahm Emanuel hatte auf die vielfach geäußerte Kritik an Obamas Zögern, auf das Ersuchen der Generäle um zusätzliche Truppen für Afghanistan zu reagieren, mit dem Argument geantwortet, erst müsse in Kabul eine „legitime und glaubwürdige Regierung“ im Amt sein. Neben den 68 000 derzeit in Afghanistan stationierten Truppen fordert der Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, der amerikanische Heeres-General Stanley McChrystal, weitere 40 000 Mann zum Kampf gegen die Taliban und das Terrornetz Al Qaida.

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