https://www.faz.net/-gpf-93ixs

Mindestens zwei Tote : IS bezichtigt sich Angriffs auf Fernsehsender

  • Aktualisiert am

Afghanische Sicherheitskräfte vor dem Gebäude des TV-Senders Shamshad Bild: JALALI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Angreifer haben in Kabul mit Granaten und Schusswaffen einen Fernsehsender gestürmt. Der nahm sein Programm inzwischen wieder auf – und berichtete über das Ende der Attacke.

          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat den Angriff auf den großen afghanischen Fernsehsender Schamschad für sich reklamiert. In einer Meldung über sein Sprachrohr Amak hieß es, Kämpfer des IS hätten etwa 20 Menschen getötet, darunter Schutzpersonal und Angestellte des Senders. Der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, an dem Angriff seien drei Bewaffnete beteiligt gewesen. Zwei Wachleute seien getötet und fünf weitere Menschen verletzt worden. Bei den Verletzten handele es sich um einen Mitarbeiter und vier Feuerwehrleute.

          Knapp drei Stunden nach Beginn des Angriffs nahm der Sender, der landesweit in paschtunischer Sprache berichtet, sein Programm wieder auf, um als erster über das Ende des Angriffs auf das eigene Haus zu berichten. „Der Angriff ist beendet“, berichtete Schamschad TV am frühen Nachmittag (Ortszeit). „Nach Angaben des Kommandeurs der Spezialkräfte wurden alle Mitarbeiter, die sich im Gebäude aufhielten, gerettet.“ Die Fernsehbilder zeigten unter anderem Angestellte, die offenbar wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt waren, während noch Spezialkräfte im Haus waren.

          „Das ist ein Angriff auf die Freiheit der Medien, aber sie können uns nicht zum Schweigen bringen“, sagte der Nachrichtenchef von Schamschad TV, Abid Ehsas, dem Sender Tolo News, als er verletzte Mitarbeiter in einem Krankenhaus besuchte. Drohungen habe der Sender bislang nicht erhalten.

          Er selbst sei in seinem Büro gewesen, als die in Polizeiuniformen gekleideten Bewaffneten ins Gebäude eindrangen, berichtete Ehsas. „Sie töteten einen unserer Wachleute, stürmten ins Gebäude und begannen zu schießen. Die meisten von uns konnten fliehen, aber einige wurden verletzt, und manche sprangen aus dem Fenster.“

          Gegen 10.45 Uhr am Morgen (Ortszeit) hatte sich offenbar zuerst ein Selbstmordattentäter am Tor des Senders in die Luft gesprengt. Dann waren laut Polizei „zwei oder drei Angreifer“ in das Haus gerannt. Viele Angestellte hatten sich retten können, indem sie aus den Fenstern und über die Außenmauern sprangen. Auf sozialen Medien berichten afghanische Journalisten unter Berufung auf ungenannte Augenzeugen „von blutigen Körpern auf dem Boden“ im Innern des Hauses.

          Nach Angaben des Senders drang nach dem Selbstmordattentat am Eingang ein anderer Angreifer ins Innere des Gebäudes vor und schoss auf Mitarbeiter. Dann sei er auf das Dach gestiegen und habe von dort auf Sicherheitskräfte geschossen. Spezialkräfte sprengten eine Mauer, um sich Zugang zu dem Gelände des Senders zu verschaffen. Sie lieferten sich Schusswechsel mit den Bewaffneten und konnten den Angriff nach etwa drei Stunden beenden.

          Die radikalislamischen Taliban hatten zuvor im Kurznachrichtendienst Twitter erklärt, nicht für den Angriff verantwortlich zu sein.

          Kabul wurde in den vergangenen Wochen von mehreren tödlichen Attacken erschüttert. Der IS hat seine Angriffe auf schiitische Moscheen und auf Militäreinrichtungen in Afghanistan verstärkt. Ende Oktober setzte er ein Kind für ein Selbstmordattentat ein.

          Die Tat vom Dienstag war der erste groß angelegte Angriff auf Medien in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001. Der Angriff wirft ein Licht auf die Gefahren, denen Journalisten in dem Land ausgesetzt sind.

          Im vergangenen Jahr kamen am Hindukusch besonders viele Journalisten ums Leben: Laut dem Afghanischen Komitee für die Sicherheit von Journalisten wurden 13 Medienmitarbeiter getötet, davon zehn von den Taliban.

          Weitere Themen

          Woidke will Ministerpräsident bleiben Video-Seite öffnen

          Brandenburg : Woidke will Ministerpräsident bleiben

          Seit sechs Jahren ist Dietmar Woidke Ministerpräsident von Brandenburg. Das möchte der 57-jährige SPD-Politiker auch bleiben. Und das, obwohl die Umfragewerte für die Sozialdemokraten alles andere als günstig aussehen.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.