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Afghanistan : Guttenberg: Kein Leopard nach Kundus

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Otte begründete seine Forderung nach schweren Waffen so: "Wenn unsere deutschen Soldaten derart in Gefechten in Kundus angegriffen werden, müssen sie alle verfügbaren Mittel einsetzen können und die volle politische Rückendeckung bekommen, um diese Terroristen erfolgreich bekämpfen oder auch ausschalten zu können." Die Bundeswehr habe zwar bis zu tausend geschützte Fahrzeuge in Afghanistan. Sie seien aber in erster Linie für Patrouillenfahrten ausgerichtet. Damit könnten die Soldaten nur bedingt auf eskalierende militärische Lagen reagieren. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wieker, hatte zuletzt den Einsatz der Panzerhaubitze 2000 - mit ihr können Artilleriegeschosse mehr als 30 Kilometer weit geschossen werden - nicht ausgeschlossen, sofern die Kommandeure im Einsatz sie anforderten.

Wieder Zivilisten getötet

Im Süden Afghanistans sind am Wochenende durch einen Luftangriff der Nato-Kräfte auf einen Bus vier Zivilisten getötet worden. Die Isaf teilte mit, sie bedauere den Tod der Zivilisten in der Provinz Kandahar zutiefst. Der afghanische Präsident Karzai verurteilte den Angriff scharf. Er sei "durch nichts zu rechtfertigen" und laufe der Verpflichtung der Nato entgegen, Zivilisten zu schützen. Karzai rief die Isaf auf, "beträchtliche Vorsichtsmaßnahmen" zu ergreifen, um den Tod weiterer Zivilisten zu verhindern. Der Bus war nach Isaf-Angaben unterwegs in die westliche Provinz Herat und hatte sich auf einer Hauptstraße in Kandahar einem Militärkonvoi der Isaf genähert. Daraufhin wurde er aus der Luft angegriffen. Nach Agenturberichten sollen dabei vier Menschen getötet und weitere 18 verletzt worden sein. Unter den Opfern seien Frauen, Kinder und Männer, sagte Selmai Ajubi, der Sprecher des örtlichen Gouverneurs. Ein Nato-Sprecher erklärte, die Allianz untersuche den Vorfall. Angaben zur Nationalität der beteiligten Soldaten wurden nicht gemacht.

Der Zwischenfall in Kandahar kommt zu einer Zeit, in der sich die Allianz in der Hochburg der radikalislamischen Taliban verstärkt um die Gunst der Bevölkerung bemüht. In Kürze soll dort eine Offensive gegen die Taliban gestartet werden. Wenige Stunden nach den Schüssen blockierten Demonstranten die größte Straße von Kandahar mit brennenden Reifen und riefen laut Agenturmeldungen: "Tod Amerika." Sie warfen auch der Regierung von Präsident Hamid Karzai, der selbst aus Kandahar stammt, vor, die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft zur ziehen.

Afghanische Sicherheitskräfte konnten unterdessen in Kandahar einen Angriff von zwei Selbstmordattentätern auf Gebäude des Geheimdienstes verhindern. Die Wachmänner erschossen die beiden Angreifer.

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