https://www.faz.net/-gpf-8bn05

Afghanistan : Auch Europäer unter Opfern des Taliban-Attentäters

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte auf einer gemeinsamen Patrouille am Stützpunkt Bagram (Archivbild) Bild: AP

Bei ihrem jüngsten Anschlag haben die Taliban sechs Amerikaner getötet und, laut einem Beamten, auch Europäer. Erst vor kurzem hatte der Bundestag beschlossen, noch mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan zu schicken.

          2 Min.

          Beim schwersten Anschlag auf ausländische Truppen seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan sind kurz vor Weihnachten sechs amerikanische Soldaten getötet worden. Drei weitere seien bei dem Vorfall nahe der Militärbasis Bagram in der Provinz Parwan verletzt worden, sagte der Sprecher der Nato-Mission Resolute Support, Michael Lawhorn.

          Amerikas Verteidigungsminister Ashton Carter bestätigte die Nationalität der Getöteten. Trotz dieses schweren Zwischenfalls würden die Anstrengungen fortgesetzt, gemeinsam mit afghanischen Partnern dem Land zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.

          Auch europäische Opfer

          Der Leiter des Bezirks Bagram, Abdul Schakur Kundusi, sagte, unter den Opfern seien Amerikaner, aber auch Europäer. Der Attentäter sei im Dorf Bajauri mit seinem Motorrad in eine afghanisch-amerikanische Fußpatrouille gefahren und habe einen Sprengsatz gezündet. Demnach seien auch drei afghanische Polizisten verwundet worden. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

          Insgesamt kamen in diesem Jahr fast 30 Mitglieder der Nato-Mission in Afghanistan ums Leben, mehr als ein Drittel davon bei Helikopter- und Flugzeugabstürzen.

          Kampfmission offiziell beendet

          Die Kampfmission der Nato endete Ende 2014. Seit Beginn dieses Jahres sind ausländische Truppen offiziell nur noch zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte im Land.

          Die Nato bleibt bis mindestens Ende 2016 mit etwa 12.000 Soldaten in der Hauptstadt Kabul und in den Regionen präsent. Die Vereinigten Staaten stellen mit 9000 Soldaten das größte Kontingent.

          Mehr Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan

          Der Bundestag hatte vergangene Woche den Einsatz der Bundeswehr bis Ende 2016 verlängert und die Obergrenze deutscher Soldaten in Afghanistan auf 980 von 850 erhöht.

          Die Verluste der afghanischen Sicherheitskräfte lagen bis zum August laut einem Bericht der „New York Times“ bei 4100 getöteten afghanischen Sicherheitskräften und Tausenden Verwundeten.

          Der Anschlag ist der jüngste in einer ganzen Serie nach dem Ende der offiziellen Kampfsaison. Anschläge und Offensiven richteten sich sowohl gegen internationale als auch afghanische Ziele.

          Angriff auf Flughafen

          Vor zwölf Tagen hatten die Islamisten den zweitgrößten Flughafen des Landes in Kandahar angegriffen. Dort sind auch mehr als 2000 internationale Soldaten und 5000 Vertragskräfte sowie zivile Mitarbeiter von Regierungen stationiert. Bis zu ihnen drangen die Angreifer aber nicht vor. Während der 27 Stunden langen Gefechte starben mehr als 60 afghanische Soldaten und Zivilisten.

          Nur wenige Tage später griffen die Taliban die spanische Botschaft in Kabul an. Bei den mehr als zwölfstündigen Gefechten wurden zwei spanische sowie vier afghanische Polizisten getötet.

          Afghanistan : Taliban-Angriff auf Kabuler Botschaftsviertel beendet

          In den vergangenen Tagen weiteten die Aufständischen auch ihre Offensiven in der Südprovinz Helmand aus. Im Zentrum des afghanischen Drogenhandels sind nun fünf Bezirke in den Händen der Taliban. Erst am Sonntag fiel das Zentrum des Distrikts Sangin an die Islamisten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

          Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

          Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
          Im Fokus beim Bundesliga-Topspiel: Schiedsrichter Felix Zwayer

          Ärger bei Bundesliga-Topspiel : „Ihr macht unser Spiel kaputt“

          Dortmund und Bayern liefern ein hochspannendes Spektakel. Am Ende siegen die Münchner, weil sie einen Elfmeter bekommen – und der BVB nicht. Selbst die Sieger verstehen den Frust der Borussen.
                        Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

          Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

          Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.